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Port Almond / Port Almond – Digital-Review

Hinter Port Almond verbirgt sich der norwegische Singer/Songwriter Rune Simonsen. Er ist der Lead-Sänger von Mount Washington beziehungsweise Lagoonbird.
Aufgenommen wurden die acht Songs im Berliner LowSwing Studio und besonders betont man in den Informationen zu "Port Almond", dass alle Tracks »[…] 100% ohne Computer […]«   eingespielt wurden.
Dazu passt, dass alles »[…] live auf analogem Tonband aufgezeichnet […]«   wurde.
An Port Almonds Seite musizieren unter anderem Trompeter Tom Arthurs (auch Tom Arthurs Trio, Tom Arthurs & Kari Ikonen) sowie Vibrafonist Oli Bott (Oli Bott Orchestra, Vibratanghissimo, Thomas Wallisch & Oli Bott Duo).
Bei der auf LowSwing Records als 180g-Vinyl veröffentlichten LP kommt das Coverbild natürlich besonders prächtig rüber. Es stammt von Nir Evron, einem israelischen Künstler, der für dieses Bild den Kameraauslöser auf Devil’s Island drückte.
Der Label-Inhaber Guy Sternberg hat das Album produziert.

Das in nur drei Tagen entstandene Album bewegt sich irgendwie ziemlich abseits der mainstreamig-bekannten musikalischen Pfade.
Zu Rune Simonsens fast hingehauchtem Gesang und seiner akustischen Gitarre macht das hintergründige Treiben, teilweise auch dominant im Vordergrund stehend, den Gesamtcharakter des Openers "Proxy Boy" aus. Mit den zum Teil improvisiert klingenden Impressionen kann man definitiv nicht von einem Song aus dem Singer/Songwriter-Milieu sprechen. Dafür ist das erste Stück in der Differenz zum Beitrag des Protagonisten viel zu unterschiedlich. Dennoch kommt "Proxy Boy" wegen seiner spannungsgeladenen Art gut an.
Ah, "Destinations" ist da schon von einem anderen Kaliber. Für dieses Lied nimmt man sich die Plattenverpackung zur Hand, schaut auf das Coverbild und kann zu dem karibischen Flair wunderschön träumen. Passend dazu sinniert im Hintergrund die Lap Steel und mit steigender Dynamik setzt Gitarrist Lars Bech Pillgard jazzige Kontrapunkte. Nach einem Break haben sich die Meereswogen wieder beruhigt und an dieser Stelle muss Rune Simonsens eindringliche Stimme gelobt werden. Der Mann kann Emotionen umsetzen.

An der Quelle des "River Ankh" ist es beschaulich, fast schon entspannt.
Vibrafonist Oli Bott sowie Lap Steeler Håvard Stangens kreieren eine traumhafte Stimmung, in der man förmlich jeden Wassertropfen wahrnehmen kann. Toll! Durch seine fast schon zarte Stimme vermittelt der Sänger besondere Intensität. Zum Schluss domminiert Avantgarde-Trompeter Tom Arthurs die Szenerie. Herrliche Atmosphäre, klasse Song!
Die bereits angesprochene Intensität steigert der singende Künstler noch um einige Stufen, wenn er in "Sea Of Mine" filigran flüstert. Man mag bei der sehr stimmungsvollen Musik ja kaum den Begriff 'Solo' benutzen, aber Oli Bott kreiert auf seinem Instrument wunderschöne Klangfolgen, die die Aussagekraft des Tracks in sinnlichen Tönen widerspiegelt. Highlight!
Über ein tief beeindruckendes "Port X", bei dem die Reduktion der Instrumente den Mehrwert ausmacht, darf man sich "Isle Finding" als die relaxte Klangkulisse zu einer filmisch dargestellten Unterwasserwelt vorstellen. Auch wenn Rune Simonsen hier singt. Super!
Mit den Jazzbesen werden die Felle gestreichelt. Alle anderen Musiker geben dem Track "Send Your Love" eine Atmosphäre, als schwebe ein Chiffon-Tuch, getragen von der Kraft des Trompeten-Sounds, aus dem Nebel auf einen zugeflogen.

"Port Almond" ist ungewöhnlich. Sehr selten werden akustische Gitarre und ein emotionaler Gesang mit außergewöhnlichen Stimmungen ausgestattet. Aber gerade die Symbiose aus vermeindlich gegensätzlichen musikalischen Richtungen macht die elektrisierende Wirkung der Kompositionen aus.


Line-up Port Almond:

Rune Simonsen (guitar, vocals)
Tom Arthurs (trumpet)
Lars Bech Pilgaard (electric guitars, Fender VI)
Oli Bott (vibraphone)
Tom Krimi (hammered dulcimer, harmonica)
Erik Nilsson (piano, Wurlitzer, Rhodes, Hammond)
Lars Puder (drums)
Håvard Stangnes (pedal steel, noise guitar)
Guy Sternberg (tape loops, modular synthesizer)
Dan Peter Sundland (bass)

Tracklist "Port Almond":

Side A:

  1. Proxy Boy
  2. Destinations
  3. The River Ankh
  4. Sea Of Mine

Side B:

  1. Cliff Diver
  2. Post X
  3. Isle Finding
  4. Send Your Love

Gesamtspielzeit: 36:08, Erscheinungsjahr: 2018

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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