Ahlberg, Ek & Roswall / Näktergalen
Näktergalen Spielzeit: 50:06
Medium: CD
Label: Westpark Music, 2014
Stil: Folk

Review vom 02.05.2014


Wolfgang Giese
"Näktergalen" bedeutet Nachtigall - na, so unterschiedlich sind Schwedisch und Deutsch doch gar nicht, oder? Die hier von dem Trio Ahlberg, Ek & Roswall vorgestellte Instrumentalmusik stammt aus den Heimatregionen der Musiker, aus Skåne und Medelpad und befasst sich mit der Folklore jener Gegend.
Entstanden ist die Dreierformation, als die beiden Herren noch in der Band Ranarim spielten, einer mehrköpfigen Gruppe, die ihren Folk recht modern darboten. Emma Ahlberg stieß dazu und man entschloss sich zu einer Zusammenarbeit, die nun in der Veröffentlichung ihres zweiten Albums mündete. Niklas Roswall, das sollte man wohl noch erwähnen, ist recht erfolgreich und wurde als 'Winner Of Nyckelharpa World Championship' geehrt - also einen Weltmeister hat man in den Reihen!
So, es geht los und ich meine mich musikalisch irgendwie in der Zeit des Barock wiederzufinden, denn in etwa mit diesem eleganten Schwung jener Epoche mit dieser so besonderen Musik ist der Titelsong ausgestattet. Dabei stammt die Melodie aus Schweden, dem Jahr 1795, und zeitlich kratzt das allenfalls am Spätbarock. Im Original soll das Stück "Pollonesse De Nechtergal" geheißen haben. Neben drei verschiedenen Ausführungen der Nyckelharpa gibt es als Besonderheit noch den Einsatz einer Harpguitar. Diese wurde speziell angefertigt und verfügt über sechzehn Saiten, acht davon sind die sogenannten 'Harp Strings'. Das Instrument wird darüber hinaus noch besonders gestimmt und besitzt einen Bassanteil bei den Saiten. Zusammen mit der Geige und der Bratsche erzeugen die Drei eine ganz besondere Art von Folk, angesiedelt zwischen diesem und Elementen der E-Musik. Traditionelles trifft auf Eigenkompositionen und beides geht eine nahtlose Allianz ein.
So steckt hinter manch einem Song auch eine Geschichte. Wie bei "Diger-Jankes Vals", ein Lied über einen Geige spielenden Stallknecht, der einen fahrenden Händler ermordete und zum Tode verurteilt wurde. Noch vor der Hinrichtung spielte der Delinquent auf seiner Geige jene Weise, die wir nun auch hier hören können - ja, sehr tragisch. Erläuterungen zu den Stücken sind übrigens alle in Schwedisch und Englisch im Booklet abgedruckt.
Man muss sich schon einlassen auf eine Musik, die überwiegend aus einer ganz anderen Zeit stammt, in die man sich schon zurückversetzen sollte. Aber eigentlich geschieht dies automatisch, wenn erst einige Lieder über die Runden gegangen sind. Zunächst hören sich - oberflächlich betrachtet - viele Stücke recht ähnlich an, sodass man sich näher mit der Musik befassen muss, will man nicht - nebenbei laufen gelassen - nur einen gewissen Kompletteindruck erhaschen. Und mit Konzentration und dabei entstehender Ruhe, erschließen sich Schönheit und die Feinheit dieser Musik, die letztlich auch ein Abbild der Kultur Schwedens ist. Tanzweisen treffen auf romantische Songs und so gerät man schnell von einer in die andere Stimmung.
Line-up:
Emma Ahlberg (fiddle, viola)
Daniel Ek (harpguitar)
Niklas Roswall (nyckelharpa, moraharpa, altnyckelharpa)
Tracklist
01:Näktergalen (5:58)
02:Jöns Trioler (3:52)
03:Annell (3:48)
04:Baron Billsten (2:12)
05:Lagerfeldts G-Moll (2:28)
06:Pollonesse (1:47)
07:Diger-Jankes Vals (3:19)
08:Haverö (4:26)
09:Storpolska Från Liden (5:31)
10:Polska Efter Helmer Nordensson (3:17)
11:Cedervall (1:21)
12:Blomgrens Dop (2:07)
13:Nordsjövalsen (3:55)
14:Sleipner (4:04)
15:Näktergalspolskan (2:02)
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