Jersey Boys - Alles begann mit einem Sound, der zur Sensation wurde
Jersey Boys Regie: Clint Eastwood
Stil: Pop, Doo Wop, R&B
Label: Warner Home Video
Erscheinungsjahr: 2014
Gesamtspielzeit: 133:40
Medium: DVD
DVD-Format: PAL
Bildformat: 16:9
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: u. a. Deutsch für Hörgeschädigte
FSK: 6


Review vom 11.01.2015


Steve Braun
Fraglos haben The Four Seasons schon lange ihren verdienten Legendenstatus inne. Man könnte die Band auch als 'die Mutter aller Boygroups' bezeichnen. In unseren Breiten wird man dies vielleicht nicht so ganz nachvollziehen können, denn die vier 'Jersey Boys' hatten hierzulande eigentlich nur drei Hits: 1964 "Rag Doll", 1975 "December 1963 (Oh What A Night)" und ein Jahr später "Silver Star". Letzterer allerdings wahrscheinlich nur im Fahrwasser des vorherigen Superhits, der von der beginnenden Discowelle auch in unseren Charts hochgespült wurde.
In den US hatten die Four Seasons schon lange vor "Rag Doll" bereits Kultstatus erreicht - zumindest nach den beiden 1962er Nummer-Eins-Hits "Sherry" und "Big Girls Don't Cry". Ihr Sound war seinerzeit eine kleine Sensation. War nicht, wie andere 'weiße' Bands, am Rock'n'Roll orientiert, sondern sehr viel stärker - vor allem wegen der charismatischen Satzgesänge - am 'schwarzen' Doo-wop und R&B. Das eigentlich Spektakuläre war allerdings Frankie Vallis einzigartiger Gesang - ein Falsett, den man in der Klassik als Countertenor bezeichnen würde. Er war der uneingeschränkte Star und im manchen Phasen auch Namensgeber (Frankie Valli And The Four Seasons), obwohl es mit der Band erst nach dem Einstieg des genialen Komponisten und Produzenten Bob Gaudio, seines Zeichens Mitglied in der Songwriter Hall of Fame, so richtig losging...
Der Film "Jersey Boys" basiert im Wesentlichen auf dem gleichnamigen erfolgreichen Broadwaymusical von 2005, das von Bob Gaudio (Musik) und dem Entdecker der Four Seasons, Bob Crewe, (Texte) geschrieben wurde. Der Valli-Darsteller des Musicals, John Lloyd Young, spielt auch im Film die Hauptrolle. Alle anderen Hauptcharaktere wurden neu besetzt. Regie führte Altmeister Clint Eastwood, der für seine Arbeit vorzügliche Kritiken einfahren konnte. Der Film, der seine (umjubelte) Premiere am 5. Juni 2014 beim Sydney Film Festival feiern konnte, dürfte bei den Preisverleihungen im gerade neu angebrochenen Jahr sicherlich weitere höchste Ehrungen erfahren.
Der Plot startet 1951 in Belleville, einem schäbigen Viertel von Newark/New Jersey. Vier junge Burschen aus dem Umfeld der örtlichen Mafia träumen vom Ausbruch aus diesem Elendsquartier. Der Bandleader dieser Pre-Four Seasons-Phase, Tommy DeVito, bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: »Aus diesem Viertel kommst du nur auf drei Arten raus: Du gehst zur Army (dabei kannst du draufgehen), du gehst zur Mafia (dabei kannst Du auch draufgehen) oder du wirst berühmt. Für uns kamen nur zwei davon in Frage.«
An der Stimme des Friseurlehrlings Francis Stephen Castelluccio, der sich später den Künstlernamen Frankie Valli zulegt, hat Mafiaboss Gyp DeCarlo (großartig: Christopher Walken) einen Narren gefressen und fördert die Band, die sich in den Anfangszeiten ständig umbenannte, nach Kräften. Aber erst als der Komponist Bob Gaudio (als 'Seelenverwandter' Vallis) zu der Truppe stieß, ging es so richtig ab. DeVito mochte sich weiterhin als 'Bandleader' fühlen - das Heft des Handelns übernahmen sehr bald Valli und Gaudio.
Der Film beschreibt den raketenartigen Aufstieg der Four Seasons, zeichnet die Charaktere detailverliebt nach, beschreibt das desaströse Management DeVitos und die aufkommenden Spannungen, die sich explosionsartig entladen und mit dem Ausstieg von DeVito und Bassist Nick Massi ein neues Bandkapitel aufschlagen. Persönliche Probleme, Verstrickungen ins Mafiamilieu und der tiefe Fall fesseln den Zuschauer. Der Film mündet in die feierliche Aufnahme der Originalbesetzung von 1966 in die Rock'n'Roll Hall of Fame, die die vier Gründungsmitglieder (die jeweiligen Drummer waren stets eher Staffage) nach Jahrzehnten noch einmal gemeinsam auf die Bühne brachte.
Einigen kleineren Ungereimtheiten bzw. Verknotungen im Handlungsfaden zum Trotz, besticht der Film durch die vier Blickwinkel der Originalmitglieder auf die Band und die somit teilweise völlig unterschiedlichen Charakterzeichnungen und Blickwinkel auf die Bandgeschichte.
Eastwood hat viel Wert auf eine detailverliebte Ausstattung gelegt, die den Zuschauer tief in das Lebensgefühl vor allem der Fünfziger und Sechziger eintauchen lassen. Die Erzählweise ist dem gemäß eher geruhsam, viel Atmosphäre aufbauend und somit ziemlich - im absolut positiven Sinn - altmodisch. Der Schwerpunkt von "Jersey Boys" liegt natürlich auf der Musik der Four Seasons - und daran wird nun wirklich nicht gespart!
"Jersey Boys" stellt sich mir als eine typische Hollywood-Gratwanderung dar. Der Spagat zwischen einem spritzigen Musical und einer tiefschürfenden 'Dramödie' gelingt vielleicht nicht immer zur 'vollsten' Zufriedenheit. Um einen herrlich nostalgischen, enorm unterhaltsamen Musikfilm handelt es sich allemal...
Den offiziellen Teaser zum Film kann man sich übrigens hier - noch dazu völlig legal - anschauen.
Hauptdarsteller:
John Lloyd Young (Frankie Valli)
Erich Bergen (Bob Gaudio)
Vincent Piazza (Tommy DeVito)
Michael Lomenda (Nick Massi)
Christopher Walken (Mafia-Boss Gyp DeCarlo)
Tracklist
01:Hauptfilm (128:48)
Bonusmaterial:
02:Making of "Oh What A Night" (4:52)
Externe Links: