Einst von zu Höherem berufenen Musikern neu erfunden, scheint deren mittlerweile wieder in Rillen gepresste Melange aus prätentiösem Können und gesellschaftsanalytischen Konzeptionen, ein Neverending-Comeback zu genießen.
So vermochten es in den letzten Jahren etliche dem etwas kunstvolleren Rock-Eskapismus zugeneigte Bands, ihre mannigfaltig überkonstruierten Kompositions-Bündel in den vorderen Konsum-Positionen zu platzieren.
Nicht ganz neu, jedoch erschreckend aktuell erscheinen mir in unserem Fall die graumalerischen Abhandlungen menschgedachter Umweltschweinereien, erfrischend dagegen der erste Höreindruck, sprich der ehrgeizige Umgang deutscher Musikerkollegen mit einer Siebziger very British, zudem etepetete scheinenden Prog-Jazz-Promenadenmischung.
So erfüllt uns Argos' sichtlich umweltzerbröckelndes Cover-Fresko nicht nur mit düsterem Kopfkino, sondern vielmehr mit Gewissheit, in Sachen musikalisch im Nebel sinnessuchender Querulanten und umtriebiger Revoluzzer ohnehin ihre Hausaufgaben gemacht zu haben.
Die mittlerweile längst eingeschworene Mainzer Kunstrock-Institution greift dabei mit Verve und handwerklichem Enthusiasmus sowohl nach kompositorisch angestaubten, für Hör-Bildungsbürger einst identitätsstiftenden Relikten, als auch ins Schatzkästchen voll angejazzter Schwurbel-Harmonien und gymnasiastisch verschrobener Dramaturgien.
Mit ihrem vierten Studiowurf beamen sich die Herren musikalisch in jene Musikepoche, als sich vornehmlich stark mäandernde Bäche folkbelegter Tastenschwärmereien und kauzigen Holz-Blech-Gebläses mit dem lyrisch-codierten Poemen studierender "Steppenwölfe" paarten.
Wenn sich durch all die, vorwiegend eher hüftsteifen Hörereliten vorbehaltenen Instrumental-Flirts,
Robert Gozons gesanglich teils etwas unterkühltes, über die Halbtöne spuckendes Orakeln schlängeln, obsiegt der leise Verdacht, dieser wolle gleichwohl hinkende Vergleiche mit
Peter Hammills hinterlassene Marken nachdrücklich begünstigen.
Während jener Positionierungsversuche zwischen Canterbury'schen Sound-Fundamenten beweisen zwischenzeitlich aggressiv-hippes Flickwerk wie "Divergence" ein angenehm bleiernes, zudem durch Prog-Projekt-Tentakler, sonst
Toxic Smile,
Seven Steps To The Green Door-Hauptämtler,
Marek Arnolds Trance-Saxophon ornamentiertes "Silent Corner", obendrein das mit stückweise Orgel-Mellotron-Schwarte belassene Prachtstück "Not In This Picture", genügend Intuition für jazzig hochgezwirbeltes Feingefühl und dessen scheinbarer Alterslosigkeit.
Obgleich stimmtechnisch wie auch handwerkliches Kondolieren vor
Van der Graafschem Erbgut jenem, durch unergründliche Kunstrock-Castles wandelndem Popanz necken, verdienen
Argos kompositorisch Mode-Tand allergenes Eigenblut, ferner eklektisches Geflecht aus versierter Rock-Komplexität und samtiger Jazz-Ästhetik, durchaus mehr als eine wertige Billigung.
Vermochte man die zwischen den Zeilen nach Menschheits-Errettung flehenden Glanzpunkte dieser germanischen, wohl vergleichsweise musisch Ü40-verorteten Prog-Klausur subkutan verabreichen, würden alle diskordanten Melancholien zugeneigten Hautrezeptoren biochemische Jubelorgien initiieren.
Thomas Klarmanns Rheinland-Pfälzische Proggisten-Klicke samt einem handwerklich aufhübschenden Dreigestirn ist mit "A Seasonal Affair", mal abgesehen von zwei stilistisch quertreibenden Neueinspielungen, wiederum ein sterneverdächtiges Menü aus musikalisch fortschrittlichen Zutaten gelungen.