The Black Noodle Project / Ghosts & Memories
Ghosts & Memories Spielzeit: 49:15
Medium: CD
Label: Progressive Promotion Records, 2013
Stil: Psychedelic Art Rock

Review vom 05.12.2013


Steve Braun
Manche Erinnerungen sind wie böse Geister. Selten habe ich diese bittere Lebensweisheit überzeugender in ein musikalisches Konzept umgesetzt gesehen bzw. in diesem Fall 'gehört'.
The Black Noodle Project beschwört in "Ghosts & Memories" die Geister der Vergangenheit in sieben kleinen Meisterwerken. Zumeist schwermütig, düster und bedrohlich, manchmal geradezu alptraumartig - allerdings schimmern durch diese depressiv 'blauen' Stimmungen gelegentlich Lichter einer zart aufkeimenden, vagen Hoffnung.
Vor kurzem hatte ich mich ja etwas über die scheinbar allgegenwärtigen Pink Floyd-Klone echauffiert. Im vorliegenden Fall haben wir ein Paradebeispiel, wie man das floydsche Kolorit auf der zugrunde liegenden freudlos-verzweifelten Melancholie in eine moderne, zeitgemäße Ausgestaltung transferieren kann.
Seit zwölf Jahren existiert das zunächst als Soloprojekt von Jérémie Grima angedachte Black Noodle Project, das mit dieser, bislang zehnten Veröffentlichung allerdings schon lange den projekthaften Status verlassen hat. Nach dem beeindruckenden 2005er "And Life Goes On" hatte ich die Band etwas aus den Augen verloren. Das letzte reguläre Album, "Ready To Go" von 2011, konnte mich persönlich nicht vollends überzeugen. Seitdem scheinen sich die Franzosen Siebenmeilenstiefel angeschnallt zu haben, denn "Ghosts & Memories" ist eine Klasse für sich - mit einiger Sicherheit die beste Veröffentlichung des Black Noodle Project bis dato!
Zunächst ist mal festzuhalten, dass das Quintett nun zu einem Trio geschrumpft zu sein scheint. Mastermind Jérémie Grima übernahm für "Ghosts & Memories" jedenfalls die freigewordenen Bass- und Keyboardpassagen. Letzteren möchte ich bescheinigen, dass die programmierten Sounds überaus stimmungsvoll gelungen sind.
Die Kompositionen sind durch die Bank sehr schleppend, der düsteren Grundstimmung durchaus angemessen. Hier fühlt man sich gelegentlich an führende Vertreter des Doom-Genres erinnert. Mehr als einmal verflüchtigen sich schwer greifbare, luftige Themen in ausufernd psychedelisch-spacigen Dimensionen und scheinen sich dort neu zu manifestieren. Die Korsettstangen des Konzepts sind allerdings ganz tief im Progressive Rock neuerer Zeitrechnung verankert - die Wurzeln zum Prog der siebziger Jahre liegen stellenweise frei.
Selten habe ich ein packenderes Intro als das sich langsam steigernde zu "The Wanderer Of Lost Moments" gehört, das in einem vulkanischen SloMo-Riff mündet. [In diesem Zusammenhang scheint erwähnenswert, dass das abschließende "A Purple Memory" urplötzlich abreißt - gar wie ein Filmriss wirkt.] Ein balladesker, von einem perlenden Piano dominierter Mittelteil wird mittig von einer doomigen Gitarrenlinie unterbrochen, um sich dann ganz allmählich, seeehr langsam in ein bedrohliches Monster aufzubauen. "They Live, We Sleep" hat fast den Charakter eines längeren Zwischenspiels und geht erneut nahtlos in ein weiteres Highlight über. "The Owls (Are Not What They Seem)" erinnert ein wenig an die Stimmungen im 'Kopfkino', die eine Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe auszulösen vermag. Sehr gelungen sind hier die Synthesizersounds, die auch mal ganz zauberhaft an ein Vibraphon erinnern können. Für meinen Geschmack das schönste Stück von "Ghosts & Memories"!
Dann erfolgt ein kleiner Bruch: "Shades Of Tomorrow" und "Voices From Yesterday" sind von erheblich positiveren Grundströmungen geprägt. Leicht anziehende Tempi, schrammelige Akustikgitarren, endlich mal in Dur driftende Pianofiguren sowie sehr 'handfeste', auch mal in schwermetallischen Randbezirken 'wildernde' Gitarrensoli sorgen für einen grundlegenden Stimmungswandel.
Auch "Ghosts" zeigt das Wesen eines Interludiums, bevor "A Purple Memory" folgerichtig wieder in schwerblütig-floydsche Gefilde umschwenkt - mit dem besagten abrupten Ende, das einem Filmriss gleicht.
"Ghosts & Memories" entpuppt sich als ein überaus gehaltvolles Werk, das man keinesfalls en passant goutieren und schon gar nicht besprechen sollte! Ein weiterer Schritt nach vorne für das überaus ambitionierte Black Noodle Project und erneut ein großes Progressive-Album in einem für das Genre größtenteils gelungenen Jahrgang!
Line-up:
Jérémie Grima (guitars, bass, keys, programming, voices)
Sébastien Bourdeix (guitars)
Fabrice Berger (drums)
Tracklist
01:The Wanderer Of Lost Moments (11:12)
02:They Live, We Sleep (3:59)
03:The Owls [Are Not What They Seem] (7:11)
04:Shades Of Tomorrow (6:26)
05:Voices From Yesterday (5:48)
06:Ghosts (3:37)
07:A Purple Memory (10:32)
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