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Chrysta Bell ist eine Kampfansage an alle Trällerelsen, Möchtegern-Sängerinnen, Heulsusen, Kichererbsen und Gröhldohlen. Man vergleicht sie mit Portishead und Massive Attack. Da ist was dran, aber m. M. nach setzt sie durchaus noch einen drauf, was daran liegen kann, dass ihr Debütalbum passgenau auf sie zugeschnitten ist. Niemand Geringeres als der Tausendsassa David Lynch steht hinter den Kompositionen für Chrystas Stimme. Wer unsere Artikel aufmerksam verfolgt, wird den Bezug zu David schon des Öfteren gelesen haben. Seine bekannte Art, Stimmungen zu erzeugen, fasziniert beim Genießen seiner Filme. Und immer wieder gibt es Alben, die diese besondere, düstere, surrealistische Stimmung auch musikalisch transportieren. Oft minimalistisch scheinend, erschließt sich dem, der Ohren und Gefühl hat, eine durch Reduzierung auf das Wichtige, gigantische musikalische Welt.
Die Stimme und fast nur die Stimme begleitet den Hörer durch "This Train". Die instrumentale Begleitung - und in vorliegendem Fall ist es in der Tat so richtig wie selten zuvor, von Begleitung zu reden - ist aber vom Allerfeinsten. Manchmal meint man, ein mitlaufendes Metronom würde in zähem Morast stecken, kaum den nächsten Takt schaffen und kurz vor dem Pendelbruch stehen. Was aber mitnichten bedeutet, dass die beteiligten Musiker keine Arbeit hätten. Ich denke gar, dass diese Art des Spielens eine nicht ganz leichte ist. Immer bedacht sein, die oft zarte, zerbrechliche Stimme nicht zu beschädigen. Gefühlvoll weben sie die Durs und Molls und landen sie punktgenau auf den noch so leicht gehauchten Vokalen und Konsonanten der Hauptakteurin.
Sexy ist die Stimme, wie auch die komplette Frau drumherum. Musikalisch ist sie schon geraume Zeit unterwegs, stand z. B. mit Willie Nelson, Donovan, Adrian Utley ( Portishead, Aha!) oder Musikern von King Crimson (Oha!) auf der Bühne.
David Lynch entdeckte die in San Antonio, Texas aufgewachsene Musikerin vor etwa dreizehn Jahren. Diese, mit einer Sängerin als Mutter und einem Tonstudio besitzenden Stiefvater, widmet sich neben der Musik auch der Schauspielerei und dem Modeln. Als Leadsängerin bei der Gypsy Swing-Band 8½ Souvenirs kam es dann zur Begegnung mit Lynch, der auf der Stelle ihr Potential erkannte und dem die Worte entfleuchten: »Chrysta Bell looks like a dream and Chrysta Bell sings like a dream«.
Unterschrieben. Mit doppeltem Unterstrich!
Es ist nicht alleine die Stimme. Es ist auch die Art und das Können, wie die Sängerin diese einsetzt. Sie nutzt ihr Talent, um dem jeweiligen Stück genau die passende Dosis an Melancholie, Zartheit, Verletzlichkeit oder Laszivität einzuhauchen. Mit demselben Talent und den gleichen Stimmungen arbeitet Lynchs Choreografie, sodass hier eine Allianz aus tonaler Perfektion entstanden ist, die einfach nur begeistert.
Begeistern ist eigentlich nicht das richtige Wort. Stell dir vor, du fährst durch den langsam hell werdenden Morgen gen Osten, Nebelfetzen konkurrieren mit der vorsichtig aus Wolken lugenden Sonne, hinter dir stirbt die Nacht. Im Player läuft "Right Down For You". Eigentlich möchtest du jetzt anhalten. Du möchtest dich nebenan ins Feld legen. Und Sterben. Oder Sex haben. Das bitteschön ist der Versuch einer Definition für das Wort begeistern.
Das Album scheint bereits 2011 bei La Rose Noire erschienen zu sein und ist jetzt, 2014, auf neuem Label auch in Deutschland mit dem Bounstrack "All The Things" erhältlich.
Line-up:
Chrysta Bell (vocals)
David Lynch (guitar, drums, vocal effects, synthesizer, vocals)
John Neff (synthesizer, drums, Rhodes, fretless electric bass, vocal effects, guitar, bass)
Dean Hurley (drums, bass, drum programming, guitar, loops, synthesizer, Rhodes)
Ron Eng (synthesizer)
Alexander Burke (synthesizer, bass)
Chris Freeland (drums)
| Tracklist |
01:This Train
02:Right Down To You
03:I Die
04:Swing With Me
05:Angel Star
06:Friday Night Fly
07:Down By Babylon
08:Real Love
09:Bird Of Flames
10:Polish Poem
11:The Truth Is
Bonus Track
12:All The Things
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