Dewa Budjana / Dawai In Paradise
Dawai In Paradise Spielzeit: 72:49
Medium: CD
Label: Moonjune Records, 2013
Stil: Fusion

Review vom 17.08.2013


Wolfgang Giese
Dewa Budjana ist sicher für alle bzw. fast alle unter uns ein nicht geläufiger Name. Auch mir läuft er nun musikalisch erstmalig über den Weg. Dabei ist er durchaus kein Unbekannter, denn der gebürtige Balinese, in Jakarta beheimatete Gitarrist ist in dortigen Gefilden schon sehr lange sehr bekannt und berühmt. Diese Platte ist bereits sein fünfter Soloausflug, doch außerhalb dessen machte er sich unter anderem einen Namen als Leadgitarrist und Songschreiber für die Band Gigi. So wurden bereits Millionen von Platten verkauft und nun kann sich Moonjune Records rühmen, sich dieses Musikers angenommen und mit "Dawai In Paradise" die erste internationale Veröffentlichung vorgelegt zu haben. Doch muss ich mich von derartigen Vorschusslorbeeren beeinflussen und leiten lassen?
Sicher nicht, sodass ich ganz unvoreingenommen an diese Betrachtung herangehe. Und wenn ich schon vor dem ersten Hördurchlauf die Gestaltung der CD-Verpackung anschaue, umgibt mich sogleich der Hauch des Exotischen. Wenn ich dann die Namen der Mitwirkenden lese, lässt mich das auf Folklore schließen. Doch schon die einleitenden Töne des ersten Titels belehren mich eines Besseren: Das ist Jazz Rock, das ist Fusion. "Lalu Lintas" zeigt dabei noch überhaupt keinen Hauch von Exotik, sondern ist ein recht einfach gestrickter Gitarre/Bass/Schlagzeug-Ausflug innerhalb des Fusion-Genres. Trotz zweifellos guter Technik kann mich der Einstieg mit Reminiszenzen an die Siebziger nicht unbedingt überzeugen. Mir plätschert es einfach recht belanglos dahin, mit viel Elektronik im Gitarrenvortrag.
Angenehm durchbrochen wird diese Atmosphäre dann im zweiten Titel, mit sehr indisch klingendem Gesang und starkem folkloristischen Einschlag. Das gefällt mir schon viel besser, vermögen die Musiker doch hier einen Brückenschlag zwischen den Kulturen, verbunden mit einer Einbeziehung beider zu schlagen. Ganz besonders ist dieses mit "Masa Kecil" gelungen. Es verblüfft mich sehr, wie ich in der Melodie eindeutig eine in der irisch-schottischen Folksmusik verwendete Harmoniefolge wiederfinde - mir fällt nur gerade nicht ein, von welchem Song ich diese Melodie genau kenne. Ein wenig geht das jedenfalls in Richtung des Traditionals "Loch Lomond". Wie dem auch sei, Bambusflöte, E-Gitarre, rockendes Schlagzeug und das Gesangsarrangement bilden eine betörende Einheit und eine sehr gute Bereicherung des Fusionlagers. Mit dem vierten Track hält das Trioformat dann wieder Einzug und jazzige Atmosphäre gewinnt die Oberhand. Mir selbst gefallen die elektronischen Spielereien mit diesem Sound-Geblubber allerdings nicht sehr - das hätte man klarer und reiner gestalten können.
Auch Gaststars tauchen bei dem einen oder anderen Titel auf, so Peter Erskine, der bekannte Schlagzeuger, auf den Tracks fünf, neun, zehn und elf. Hierbei handelt es sich um ältere Stücke aus den Jahren 2002 und 2005. Die ältesten Beiträge sind "Kunang Kunang" und "Caka 1922" von 2000, wobei mir auffällt, dass diese noch nicht so stark dem Einsatz der Elektronik anheimgefallen sind, lockerer und natürlicher wirken. Der letztere Song überdies mit einem sehr schönen Arrangement unter Zuhilfenahme von Violine und Violincello, nebst der akustischen Gitarre. Ein weiterer, positiv auffälliger Gast ist der Mundharmonikaspieler Howard Levy, der "Rerad Rerod" das Sahnehäubchen aufsetzt.
Die Musik der Platte wirkt ein wenig zerrissen und nicht zusammenhängend. Diese Nichtgeschlossenheit des Gesamteindrucks mag daher rühren, dass sich eben der Aufnahmezeitraum von 2000 bis 2011 erstreckt. Davon stammen allein die Titel eins bis vier und sechs aus 2011, sind insofern als Einheit zu betrachten - und selbst hier entdecke ich eine solche nicht unbedingt zwingend. Präsentiert wird also ein Mix aus neuen Kompositionen und einer Remaster-Compilation älterer Titel.
Was bleibt, sind vereinzelte Spitzenleistungen in einzelnen Titeln und ich bin gespannt auf weitere geplante Veröffentlichungen von in Los Angeles mit amerikanischen Fusion-Größen aufgenommener Musik.
Was uns mit dieser Platte bleibt, ist eine sehr interessante Weltreise im Jazz Rock-Ambiente unter Einbeziehung fernöstlicher Musik. Im Kern keine mich unbedingt berührende Fusion, die aber immer dann erheblichen Zugewinn hat, wenn uns fremde Klänge einbezogen werden, sozusagen das Gewürz in der ansonsten vielleicht etwas zu faden Suppe. Wir werden verabschiedet mit einer schönen Ballade, von Babylauten untermalt und mit melancholischem Ausdruck.
Insofern konnten wir erst einmal einen Einblick in die Arbeitsweise dieses in der Heimat so berühmten Musikers gewinnen und dafür sei dem Plattenlabel Dank ausgesprochen! Wie man ihn nun als Gitarristen stilistisch einstufen soll, das ist nicht einfach, denn offensichtlich scheint er sich unabhängig von bekannten westlichen Größen entwickelt zu haben. Manchmal meine ich Spuren von John McLaughlin, manchmal auch von Pat Metheny zu hören.
Line-up:
Dewa Budjana (electric, acoustic & synth guitars)
Shadu Rasjidi (bass - #1,2,4,6)
Sandy Winarta (drums - #1,2,4,6)
Saat Syah (suling bamboo flute - #3,5,9-11)
Indra Lesmana (keyboards - #5,10,11)
Irsa Destiwi (piano - #2)
Ade Irawan (piano - #6)
Krishna Balagita (keyboards - #7)
Bintang Indrianto (drums - #7, 8)
Rishanda Singghi (bass - #3)
Ronald Fristianto (drums - #3)
Arie Ayunir (drums - #7)
Dave Carpenter (bass - #5, 9)
Peter Erskine (drums - #5,9-11)
Reggie Hamilton (bass - #10,11)
Howard Levy (harmonica - #9) Deva & Dawai (vocals - #3, 9)
Vinod Gangani (vocals - #2)
Sophia Latjuba (vocals - #2)
Ubiet (vocals - #6)
Oni (violin - #6)
Helmi (violin - #8)
Surti (viola - #8)
Wavan (violoncello - #8)
Aminoto Kosin (string arrangement - #8)
Tracklist
01:Lalu Lintas (7:44)
02:Gangga (5:53)
03:Masa Kecil (4:38)
04:Kromatik Lagi (5:52)
05:Back Home (5:47)
06:Malacca Bay (10:37)
07:Kunang Kunang (6:36)
08:Caka 1922 (5:52)
09:Rerad Rerod (5:09)
10:On The Way Home (5:55)
11:Dancing Tears (5:59)
12:Devananda (2:47)
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