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Kaum zu glauben, dass sich hier die Platte eines Schweizers im Player dreht... Das soll jetzt auf keinen Fall despektierlich verstanden werden: Ich schätze die Schweiz gleichermaßen wie ihre Bewohner. Aber Reto Burrell klingt so, als hätte er sein neuestes Album "Lucky Charm" irgendwo im Mittleren Westen der US, auf der Front Porch seines Holzhauses aufgenommen. Man sieht die endlos grünen Weiden förmlich vor den Augen, glaubt den heißen Staub vor sich her treibenden Wind zu hören, den Schweiß von warmen Pferdeleibern zu riechen...
Tatsächlich kann Burrell auf nordamerikanische Wurzeln zurückgreifen, was "Lucky Charm" überaus authentisch klingen lässt: 'charmantes' Singer/Songwriter-Feeling paart sich hier mit geschmeidigem Americana und kratzbürstigem Roots Rock - alles mit dem lässigen Zungenschlag der Heartbreakers oder Wallflowers versehen.
Keine zwei Jahre nach dem sehr gut beleumundeten Sunshine & Snow legt Reto Burrell mit "Lucky Charm" sein mittlerweile zehntes Album unter dem eigenen Namen vor. Warum er sich ausgerechnet eine kratzbuckelnde schwarze Katze, von vielen eher als Unglücksbote betrachtet, als seinen 'Glücksbringer' (engl. lucky charm) ausgesucht hat? Darüber darf munter spekuliert werden...
Die zehn Songs besitzen eine geradezu unverschämt gute, 'poppige' Eingängigkeit. Die nachhaltige Eindrücklichkeit der Hooklines erinnert gelegentlich frappierend an seine Labelkollegen Joseph Parsons oder Todd Thibaud. Jedes einzelne Stück wühlt sich unwiderstehlich in die Gehörgänge und lädt zum fröhlichen Mitsingen, was durch den Abdruck aller Texte im Booklet niemand vor allzu große Herausforderungen stellen dürfte. Das ist Musik, um sich faul die wärmende Frühlingssonne auf den Pelz brennen zu lassen... genau die Mucke, die endlose Autobahnen äußerst effektiv 'verkürzen' kann.
Am besten gefallen mir als altem Lederhutträger natürlich die staubtrockenen Rootsrocker, allesamt um die quickiemäßige Drei-Minuten-Marke angesiedelt: das fröhliche "Come Rain Come Shine", das entspannt-treibende "Everybody's Sneaking Around", das knackige "Hit The Ground" und vor allem das etwas härter riffende "The Reason Why", natürlich.
Wegen Ewald Heussers 'gently wheepender' Slide verströmt das gefühlvolle "Right Beside Me" gleich eimerweise George Harrison-Feeling. Mit einer Prise R'n'R versetzten Americana bietet "Half Your Love Is Fine" - die lupenreine Singer/Songwriter-Variante ist dagegen beim mit einer herrlichen Pedal Steel veredelten "The Journey" sowie dem abschließenden "Can't Break The Rules/Hole In My Chest" zu hören.
Als ein ganz besonderes Perlchen hat sich der eröffnende Titelsong entpuppt, der nahtlos an die vielen kleinen und großen Heldentaten der Westcoast-Heroen früherer Tage anzuschließen vermag.
Wenn man Reto Burrell etwas vorwerfen mag, dann ist es höchstens die kurze Laufzeit von "Lucky Charm". Bei so manchem Album wäre man ja heilfroh, wenn der 'Kelch' - die gut dreißig Minuten - endlich an einem vorbeigezogen ist. Nicht so bei dieser Scheibe - die schreit förmlich »MEHR!!« Da auch der Vorgänger nur unwesentlich länger war, würden sich sicherlich viele einen deutlich längeren Nachfolger wünschen! Von einem Songschreiber - einem der wirklich was zu sagen hat - wie Reto Burrell allemal...
Line-up:
Reto Burrell (lead vocals, acoustic and electric guitars, bass, percussion)
Tomas Kull (organ, piano, Wurlitzer, Farfisa)
Toby Bachman (bass)
Rafael Woll (drums, percussion, harmony vocals)
Ewald Heusser (electric guitars, harmony vocals)
Pascal Biedermann (mandolin, pedal steel)
Dave Hoffmann (percussion, harmony vocals)
Gigi Moto (vocals)
Rahel Zesiger (tambourine)
| Tracklist |
01:Lucky Charm(3:29)
02:A New Pair Shoes (2:54)
03:Come Rain Come Shine (3:37)
04:Right Beside Me (3:23)
05:Everybody's Sneaking Around (2:56)
06:The Journey (2:52)
07:Hit The Ground (2:46)
08:The Reason Why (3:54)
09:Half Your Love Is Fine (3:00)
10:Can't Break The Rules/Hole In My Chest (2:50)
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