Brian Cober / Austin Wired
Austin Wired Spielzeit: 34:20
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2014
Stil: Blues Rock

Review vom 23.02.2014


Jürgen B. Volkmar
Brian Cober - ein kanadischer Double Slide-Gitarrist, der auch gleichzeitig als Kanadas bester Slide-Gitarrist gilt - fing bereits im zarten Alter von acht Jahren an, Lap Steel zu spielen und ging mit 15 Jahren auf den Double Slide-Stil über. Mit seiner bisherigen Band, The Nationals, veröffentlichte er drei CDs, bis er 2008 seine Solokarriere startete. In all diesen Jahren hatte er Gelegenheit, mit
Bo Diddley, King Biscuit Boy, 'Long' John Baldry, Jeff Healey und Eugene Smith zu spielen, alles Protagonisten aus der ersten Liga.
Daher ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass Cober sich komplett dem Blues verschrieben hat, der allerdings auf "Austin Wired" auch ab und zu anderen Klängen, wie dem Rock'n'Roll (wie im Intro "What Will Come") weichen muss. Nichtsdestotrotz ist des Maestros Fingerfertigkeit auch auf diesem Track unüberhörbar. Die Gitarrenkunst wird bei diesen Fähigkeiten natürlich großgeschrieben und kommt mit eigener Note, die sich in schnellen, aber auch in an die fünfziger Jahre angelehnten Gitarrenläufen, wohltuend in die Werkschau eines außergewöhnlichen Gitarristen einfügt. Nichts klingt künstlich, sondern vom ersten bis zum letzten Ton handgemacht. Die Gefahr bei Flitzefingeralben besteht meistens darin, dass sich diese neben technischen Hochleistungen leider größtenteils inhaltsleer darbieten. Aber "Austin Wired" bleibt glücklicherweise von derartigen 'Leistungsbeweisen' verschont.
"Preachin' The Blues (Blues Walkin' Like A Man)" präsentiert sich als bluesiges Großkaliber. Komponiert von Robert Johnson, fasziniert dieser Klassiker in immer neuen Varianten. Die Spannung steigt, geht wieder nach unten und wechselt in immer neue Klanggebilde. Hier tobt sich der Slider aus und zeigt, wie wahre Gitarrenkunst klingt. Beeindruckend, wie die Höhepunkte aneinandergereiht werden. Die Klänge sind verspielt, überschlagen sich und finden doch wieder zueinander - Gitarrenarbeit aus der Premiumliga. Dass auch sanfte Töne durchaus im Sinne der Gitarrenartistik sind, wird bei "I'm A Bluesman Baby" und "Woulda Coulda Shoulda" mehr als deutlich. Alles kommt in einer besonderen Würze und nichts wirkt steril. Auch im Gesang kann Cober mehr als überzeugen. Gesangslinien mit soliden Einlagen strahlen durchweg große Melodiösität aus und sind klangtechnisch fast schon retro abgemischt.
Ein besonderes Glanzstück stellt "Nuestro Viento" dar - ein Instrumental mit spanisch angehauchten Riffs, die einen ganz eigenen exotischen Charme versprühen. "I Got A Thing" rockt als Soundtrack für Nostalgiker locker vom Griffbrett, während "Find My Baby" seinen eigenen relaxten Zauber entfaltet. Manchmal meint man, Passagen der Dire Straits zu hören, derart laid back sind die Kompositionen aufgebaut. Cober ist definitiv ein Mann der ruhigeren Töne, daran ändern auch "Run And Hideaway" und "Delivery Man" nichts, die eine Brücke zu den Fünfzigern und Sechzigern spannen.
Brian Cober ist sicherlich ein Ausnahmegitarrist, aber keiner von der Marke 'Brachialriffer' oder 'Zeitgeistsaitenzerrer', sondern vielmehr im klassischen Bereich seines Genres zuhause. Nichts ist überproduziert oder mit verzerrter Akustik eingespielt. Tolle Gitarrensoli und Rockelemente früherer Jahre verbinden sich mit dem klassischen Blues zu einem handwerklich gut gemachten Album.
Line-up:
Brian Cober (vocals, double slide guitar)
Big Ben Richardson (bass)
Tom Lewis (drums, percussion)
Tracklist
01:What Will Come
02:Preachin' The Blues (Blues Walkin' Like A Man)
03:I'm A Bluesman Baby
04:Woulda Coulda Shoulda
05:Nuestro Viento
06:I Got A Thing
07:Find My Baby
08:Run And Hideaway
09:Delivery Man
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