|
Cloven Hoof gehörten zwar nie zu den bekanntesten und erfolgreichsten Bands der "New Wave Of British Heavy Metal", aber bei Kennern dieser Epoche sicher zu den beliebtesten. Besonders ihre EP "The Opening Ritual" von 1982 und ihr schlicht "Cloven Hoof" betiteltes Debüt von 1984, auf denen die Formation mit einer originellen Mischung aus epischen Metal Songs und straighten Rockern begeistern konnte, besitzen heutzutage Kultstatus. Zudem gehört die EP zu den teuersten und meistgesuchten Sammlerstücken der NWOBHM, deren Wert sich mittlerweile jenseits der dreihundert Euro-Grenze bewegen dürfte.
Auch die bis auf Bassist und Bandkopf Lee Payne in komplett neuer Besetzung eingespielten Alben "Dominator" (1988) und "A Sultan's Ransom" (1989), konnten trotz der erheblichen stilistischen Kurskorrektur durchaus überzeugen. Der erhoffte Erfolg blieb indes aus, so dass sich die Band kurz nach der Veröffentlichung der letzten LP auflöste.
Im Jahre 2004 wurde ich im Rahmen des 'Keep It True'-Festivals Zeuge einer beeindruckenden Reunionshow, an der neben Lee Payne noch Sänger Russ North und Gitarrist Andrew Wood vom letzten Line Up aus den Achtzigern beteiligt waren. Im Anschluss daran wurde auch ein neues Album mit dem Titel "Absolute Power" angekündigt. Allerdings zogen noch rund zwei Jahre ins Land, bis die Scheibe nun unter dem neuen Titel "Eye Of The Sun" erscheinen sollte.
Ich bin bei jeder Reunion immer hin und her gerissen, denn einerseits freue ich mich jedes Mal darüber, meine alten Helden noch einmal auf der Bühne erleben zu dürfen, und ein neues Album von ihnen in den Händen zu halten, andererseits bin ich auch sehr skeptisch, da schon so manches Comeback gewaltig in die Hose gegangen ist. Im Falle Cloven Hoof erging es mir nicht anders, denn schon beim ersten Blick auf das CD Booklet fällt auf, dass Bandgründer Lee Payne mal wieder eine komplett neue Mannschaft am Start hat, so dass man eigentlich gar nicht mehr von einer richtigen Reunion sprechen kann.
Aber zum Glück sollte sich meine Skepsis als unbegründet erweisen, denn das Album ist wirklich bärenstark ausgefallen. Natürlich kann man "Eye Of The Sun" absolut nicht mehr mit dem ursprünglichen Cloven Hoof-Sound der frühen Achtziger vergleichen, aber ich denke, dass wird wohl auch niemand ernsthaft erwartet haben. Trotzdem sollte das neue Album jeden Freund traditioneller harter Klänge begeistern. Das Material erweist sich als ausgesprochen vielfältig und reicht von rauen Metal-Songs, wie dem aggressiven Opener "Inquisitor", "Whore Of Babylon", "Golgotha" oder dem abschließenden "Angels In Hell" über melodischen Hard Rock wie "Cyberworld", "Kiss Of Evil" oder dem Titeltrack, bis hin zu etwas moderner klingenden Stücken wie "Eye Of The Zombie" und "Absolute Power".
Eines haben die Songs jedoch gemeinsam: Sie verfügen allesamt über einen unheimlich großen Widererkennungswert und kommen schnell auf den Punkt, so dass sie einem nach kurzer Zeit nicht mehr aus dem Ohr gehen. Einen großen Anteil daran hat vor allem der neue Sänger Matt Moreton, der einigen Lesern vielleicht durch seine Mitwirkung an dem Melodic Rock-Projekt Phenomena, dessen Initiator Tom Galley sich für die knackige Produktion verantwortlich zeichnet, bekannt sein dürfte. Hierbei handelt es sich wirklich um einen absoluten Ausnahmesänger, der mit seiner variablen Stimme und seinen tollen Gesangslinien der Band seine eigenen Stempel aufdrückt. Hier hat Bandleader Lee Payne bei der Auswahl des Frontmannes wirklich ein gutes Händchen bewiesen.
Insgesamt ist "Eye Of The Sun" ein hervorragendes klassisches Heavy Metal/Hard Rock-Album geworden, das einerseits über den typisch britischen Charme der frühen Achtziger verfügt, aber andererseits aufgrund einiger dezent eingestreuter moderner Versatzstücke (die sich aber wirklich in Grenzen halten) nicht zu altbacken klingt. NWOBHM-Fans und Old School-Metaller sollten auf alle Fälle ein Ohr riskieren. Es lohnt sich wirklich.
Spielzeit: 50:39, Medium: CD, Escapi Music, 2006,
Heavy Metal
1:Inquisitor 2:Eye Of The Sun 3:Cyberworld 4:Kiss Of Evil
5:Eye Of The Zombie 6:Absolute Power 7:Whore Of Babylon 8:Golgotha
9:King For A Day 10:Angels In Hell
Stefan Gebauer, 23.06.2006
|