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Jean Beauvoir, Topshouter und Gitarrist von Crown Of Thorns, der ehemals Mitspieler der verstorbenen Punk-Ikone Wendy O. Williams bei den Plasmatics war und mit Voodoo X eine vielversprechende Newcomergroup am Start hatte, diese jedoch nach viel Vorschusslorbeeren auf das Abstellgleis schob, legt mit "Faith" sein erstes Album seit 2002 vor.
Interessanterweise sollten Crown Of Thorns nach hochgelobten Veröffentlichungen eigentlich den wohlverdienten Vorruhestand vieler Rockmillionäre genießen, aber trotz des allseits anerkannten Talents von Band-Oberkopf Jean Beauvoir hat sich der Erfolg nie eingestellt.
An was liegt es? Den richtigen Stil zur falschen Zeit, oder umgekehrt? Eines ist unbestreitbar, ihr Handwerk verstehen sie. Der leicht in die Jahre gekommene Melodic Hard Rock mit teilweise bombastisch unterlegten Keyboardteppichen will zwar nicht so recht in die heutige Zeit passen, ist jedoch in seiner Stilrichtung perfekt inszeniert.
Die Band (Beauvoir mit Gitarrist Tommy Lafferty, Tieftöner Michael Paige und Schlagwerker Hawk Lopez) musiziert technisch auf ausgesprochen hohem Niveau. Geschmackvoll instrumentierte Nummern wie der Titeltrack und "All In My Head" bringen knallige Riffs und packen eine Menge von eingängigen Melodien in die Arrangements. Mittlerer Härtegrad und starke emotionale Färbung geben jedem Song das richtige Quantum Hitpotenzial, das in den Achtzigern mit Sicherheit den Sprung in die vorderen Chartplätze geschafft hätte.
Die Halbballade "Living In The Shadows" überrascht mit Chorussen die audiophile Erinnerungen wecken. Was auffällt, ist die charismatische Stimme von Sänger Jean Beauvoir, der Sehnsucht, Verzweiflung und Pathos in perfekter Intensität vereint.
Zuckersüß wird es dagegen mit "The One". Glattgebügelte Refrains mit Keys in synthetischer Verpackung beeinträchtigen den Hörgenuss erheblich. Die Entwarnung erfolgt jedoch unmittelbar. "Rock Ready", ein gestandener Rocker, lässt die Zimmerpflanzen vibrieren: Die Gitarren-Power brilliert mit beeindruckendem Riffing. Ein Vorzeigesong erster Güte, der beweist, wie grandiose Hooklines mit fetten Gitarren klingen können.
Crown Of Thorns haben das Talent, Balladen, von denen es einige auf dieser Scheibe gibt, in eingängige, mit schmeichelnden Refrains versehene Tracks zu verwandeln. Exzellente Passagen wechseln sich ab mit intelligenten, gut strukturierten Mainstream-Stücken, bei denen sich unbemerkt der eine oder andere Höhepunkt einschleicht. Leider wird das Hörvergnügen auch durch eine gewisse Farblosigkeit geschmälert, die die Bewertung von Sound und Melodie etwas drücken. Nichtsdestotrotz hat der Vierer ein Werk produziert, das für die Mainstream-Gemeinde deutlich im oberen Niveau rangiert. Eine perfekte Scheibe für den ausklingenden Sommer, wenn die Landschaft im wohligen Wummern des V8 langsam vorbeizieht.
Line-up:
Jean Beauvoir (lead and background vocals, rhythm, lead, acoustic guitars, keyboards)
Tommy Lafferty (lead, rhythm, acoustic guitars, backing vocals)
Michael Paige (# 4 und # 5 string bass guitar, backing vocals)
Hawk Lopez (drums & percussion)
| Tracklist |
01:Faith
02:All In My Head
03:Living In The Shadows
04:The One
05:Rock Ready
06:Believe Me
07:Nobody
08:Stay With Me
09:All I Wanna Do
10:Home Again
11:All Or Nothing
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