Vorbei am frühen Prog Rock mit einer frischen Brise Psychedelic aus dem offenen Seitenfenster auf der Haut, dabei immer Richtung schwungvollem Garagenrock schwedischer Prägung - so lässt sich die Route des
Crystal Caravans in aller Kürze zusammenfassen. Neu erfinden sie dabei rein gar nichts, huldigen den alten Helden wie
T. Rex,
Led Zeppelin und
Jimi Hendrix, jedoch mit viel Pfeffer im Arsch. Das klingt nicht nach Retorte, wie es bei so vielen skandinavischen Kameraden der Fall ist, sondern kommt über die volle Länge des selbstbetitelten Albums authentisch rüber.
Um Billigware handelt es sich dennoch keinesfalls - die genannten Stilrichtungen beherrschen alle Beteiligten im Schlaf, mal klingen
The Crystal Caravan nach
Led Zeppelin mit einem Zug
Sabbath, dann wieder mehr nach einem Schuss
The Who - besonders wenn Tempo aufgenommen wird. Und wer genau darauf aus ist, dem wird dieses Debüt-Album sicherlich viel Freude bereiten.
So gibt's in "Wicked Mind" Orgelsounds, die unweigerlich dunkel-violette Assoziationen wecken, während Sänger
Niklas Gustafsson bei "Desert King" zum dunklen Doom-Fürsten avanciert und - ganz locker - den
Ozzy raushängen lässt. Die psychedelischen Soli erinnern dagegen wieder an
Jimmy Page und das schwungvolle Intro in "Monkey" an
T. Rex. Es finden sich in jedem der zehn Songs immer wieder Zitate großer Bands und Künstler. Umso erstaunlicher also, dass das Album dabei in sich geschlossen bleibt und auch die einzelnen Kompositionen genug Eigenständigkeit mitbringen, um hängen zu bleiben. Beispielhaft sei hier "Down Under" genannt, ein Anspieltipp.
Wer sich auf einen Roadtrip im "Crystal Caravan" einlässt, begibt sich auf eine Zeitreise zurück in die bedeutendste Ära der Rockmusik, bekommt ein abwechslungsreiches und mit viel Leidenschaft zubereitetes Potpourri serviert. Dass in den meisten Regalen der zielgruppenrelevanten Personen bereits "Paranoid", "Machine Head" und "IV" stehen werden, schmälert die Daseinsberichtigung eines solchen Outputs allerdings beträchtlich. Doch wer den Frühling mit frischem Stoff und aufgedrehter Anlage begrüßen möchte und dabei gerne mal ein wenig in der Vergangenheit schwelgt, der macht mit diesem Album nichts falsch!
8 von 10 RockTimes-Uhren