Einer der Slide-Gitarristen der internationalen Bluesszene verwöhnt seine immer größer werdende Fangemeinde endlich mit einem Live-Album. Auf CD gebannt wurde ein Konzert im Jahr 2003 im 'Downtown Bluesclub', Hamburg.
Zum John Campbelljohn Trio gehören Brian Bourne (Bass, Backing Vocals) und Steve Preeper (Drums).
Wer sich für eine Campbelljohn-CD entscheidet, bekommt feinste Slide-, Slide- und nochmals Slidegitarre geboten und darüber hinaus auch seine unverwechselbaren Einlagen an der Pedal-Steel-Gitarre.
Wer bereits das Vergnügen, hatte John Campbelljohn auf einem seiner unnachahmlichen Konzerte gesehen zu haben, weiß wovon ich im Zusammenhang mit der Pedal-Steel-Gitarre schreibe. Seine Sounds an diesem Instrument sind Killer, Gänsehaut pur. Lasst es mich so formulieren: Pedel-Steel-Gitarre spielen ist fast Ganzkörper-Einsatz. Hände, beide Füße und Knie werden benötigt, um diesem Instrument faszinierende Klänge zu entlocken. Alleine schon beim Zusehen klappt mir die Kinnlade runter.
Bereits mit seiner ersten CD-Veröffentlichung , "Hook, Slide & Sinker" (1999), hat John Campbelljohn seinen ureigenen Stil in dieser Sparte des Blues gefunden. Wenn ein Vergleich erlaubt ist, muss wohl Sonny Landreth genannt werden.
Mit 14 hat er Vaters Gitarre zur Hand genommen und sich am Blues von B.B. King und dem Gitarristen Jimi Hendrix orientiert. Nachhaltig beeindruckt hat ihn Duane Allmans "Statesboro Blues" der Allman Brothers.
Sein Songwriting hat eine signifikante Handschrift, gepaart mit seiner Stimme wird er umgehend erkannt.
12-Taker, bluesrockiges und mit dem Song "Nerves Of Steel" über den Tellerrand des Blues in Richtung Reggae schauend, hat Campbelljohn seine individuelle 'Nische' gefunden.
Die Tracks "I'd Rather Be Rich Than Famous", oben erwähntes "Nerves Of Steel" und "I Wanna Get Up" sollen als Nachweis dienen.
Natürlich enthält "The World Is Crazy" mit "No Philosopher" und dem Titelsong auch Campbelljohn signature tunes.
Richtig Campbelljohn-rockig ist "Ready For The Riot", "Punching Bag" und "Pretty Paula Doy". Da geht das Trio in die Vollen und was er aus Muddy Waters "Rollin' & Tumblin'" macht, ist absolut hörenswert.
Meine "The World Is Crazy"-CD ist eine 'Limited Edition' mit einer knapp 40-minütigen Live-Bonus-CD aus der 'Kulturscheune', Salzgitter und 'Der Speicher', Schwerin.
Also findet das Live-Vergnügen eine Fortsetzung. Neben einigen weiteren Highlights aus Campbelljohns Feder möchte ich besonders auf zwei Coversongs hinweisen. Nochmals Muddy Waters Material mit "Can't Get Satisfied" und Rory Gallaghers "Bullfrog Blues".
Morgenfield wird mit Hingabe interpretiert und der "Bullfrog Blues" kommt hart, aber in einem Campbelljohn-Gewand daher.
"Slow Down" wiegt sich wie "Nerves Of Steel" im Reggae-Rhythmus.
Eine verträumte, fast schon andächtige Ballade ohne Band stellt "Wife & Family" dar. Ein derartiger Song ist auf der ersten CD nicht zu finden.
Und der Slowblueser "Guilt Trips" vom "Nerves of Steel"-Album hat es in sich und ist mit fast 8 Minuten schon außergewöhnlich lang. Hier bedient Campbelljohn das Wah-Wah zusammen mit einer glasklaren, mal (fast) ohne Bottleneck gespielten Gitarre.
Den Abschluss der Bonus-CD bildet ein kurzes Instrumentalstück mit dem Titel "Tanz des Siebenschläfers".
Tja, wohl dem der die limitierte Ausgabe besitzt. Die 'Zugabe' ist lohnenswert.
Schade finde ich nur, dass die Geschichten, Anekdoten und Background-Infos, die John Campbelljohn als Überleitungen zwischen den Songs zum Besten gibt nicht auf "The World Is Crazy" enthalten sind. Oder hat er darauf im 'Downtown Bluesclub' bewusst verzichtet, weil für ein Live-Album aufgenommen wurde.
Wie dem auch sei, die CD hat den Untertitel "Live In Germany" und man bekommt 100 Prozent John Campbelljohn Live.
Spielzeit: 52:52 Min, Medium: CD, Taxim Records, 2003
1:No Philosopher (4:07) 2:Rollin' & Tumblin' (4:15) 3:Honey, I've Had My Fill (3:03) 4:Heart Like A Stone 4:31) 5:Excuse My Behavior (3:39) 6:I'd Rather Be Rich Than Famous 4:10) 7:Nerces Of Steel (5:53) 8:I Wanna Get Up (3:09) 9:Ready For The Riot (2:58) 10:Martha Mae (3:57) 11:The World Is Crazy (4:37) 12:Punching Bag (3:57) 13:Pretty Paula Doy (4:13)
Joachim P. Brookes, 26.02.2006
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