Es war in den frühen Achtzigern, als sich in die Popmusik ein gewisser Einfluss aus dem Independent-Bereich einschmuggelte, und genauer gesagt war es 1984, als ein gewisser Lloyd Cole mit seiner Platte "Rattlesnakes" auf den Markt kam, deren Musik irgendwie anders war. Gleich zu Beginn zeigte "Perfect Skin", wo es lang ging.
Neben Cole gehörten sicher Musiker und Bands wie The Smiths, Aztec Camera und andere zu dieser neuen Welle mit Musik, die einen dicken Packen voll Melancholie mit sich herumtrug.
Nun ist er wieder da, obwohl, er war nie verschwunden und brachte regelmäßig Schallplatten heraus, zuletzt war es im Jahre 2010.
Zum neuen Album sagt Cole: »"Standards" ist ein Album für elektrische Gitarren, Bass und Drums mit ein wenig Piano und Synthesizern.« Die einzige Fremdkomposition, die des Country-Musikers John Hartford, "California Earthquake" eröffnet die Platte und erinnert mich sehr an die scheppernden Gitarren auf "I'm Waiting For The Man" von Velvet Underground . Der Song ist ganz anders im Ausdruck als das Original und rockt recht zupackend.
Und - Cole hat recht, die E-Gitarren dominieren den Sound der Platte, und manchmal klingt es für mich auch so wie zu jener Phase von Bob Dylan, als dieser die E-Gitarren sprechen ließ. Selbst die Melodiegestaltung des Gesangs erinnert mich an jenen Kollegen. Richtig schöne Momente gibt es, wenn das Tempo herunterfährt. "Myrtle and Rose" ist einer meiner liebsten Songs, hier dominieren Harmonie und Wohlgefühl.
Ein Blick auf das Line-up lässt bereits erahnen, dass gute Musik vorgelegt werden wird.
Die Band agiert sehr dicht und bildet eine großartige Einheit, besticht durch Professionalität, die sehr locker im Ausdruck vorgetragen wird. Scheinbar mühelos und entspannt fließt die Musik.
Aktuelle Stars, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen und sich oft alsbald dorthin auch wieder verkrochen, lässt Cole mit dieser Musik alt aussehen, strahlen die Stücke doch voller Charakterstärke und besitzen Hitpotential mit Wiedererkennungswert auf hohem Niveau. Die Mischung basiert wohl auf Popmusik, die mit Elementen aus Folk, Singer/Songwriter und Folk Rock angereichert, eigentlich zu gut für die Charts ist. Dabei sollte genau solche Musik dort vertreten sein. Als aktuelle Single ist der dritte Song, "Period Piece", ausgewählt worden und der hat echt das Zeug zum Hit.
Davon überzeugen kann man sich unter anderem auch in dem dazu gedrehten Video, auf dem unter anderem Coles Sohn in einer Gastrolle auftritt.
Nun denn, ein Klassiker wie "Rattlesnakes" ist es nicht geworden, doch ein Album mit zupackender und eingängiger Musik, durchzogen von direkt ins Blut gehenden Kompositionen, und sicher eine seiner besten Platten.
Line-up:
Lloyd Cole (vocals, guitar, bass, keyboard, harmony vocals)
Will Cole (guitars, harmony vocals)
Mark Schwaber (guitars, harmony vocals)
Matt Cullen (guitars)
Blair Cowan (keyboards)
Joan Wasser (keyboards, violin, harmony vocals)
Matthew Sweet (bass, harmony vocals)
Fred Maher (drums)
Michael Wysik (percussion)
Dave Derby (harmony vocals)
Tracklist |
01:California Earthquake [John Hartford]
02:Women's Studies
03:Period Piece
04:Myrtle and Rose
05:No Truck
06:Blue Like Mars
07:Opposites Day
08:Silver Lake
09:It's Late
10:Kids Today
11:Diminished Ex
(All songs written by Lloyd Cole, except where noted)
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