Days Between Stations wurde 2003 von Gitarrist
Sepand Samzadeh und Keyboarder
Oscar Fuentes gegründet. Die Kalifornier benannten sich nach der Novelle von
Steve Erickson und widmeten sich, so die eigene Einschätzung, Art Rock und Post Prog.
Das passt schon irgendwie und gleich der Opener "Requiem For The Living" macht klar, dass ein außergewöhnliches (Konzept)-Album die Runde im Player dreht. Tastendominiert und von sphärischen Klängen gekonnt umwabert, hören wir auch
Sepands Onkel
Jeffrey Samzadeh mit eingestreuten Klagelauten.
Jeffrey singt normalerweise traditionelle iranische Musik und sein Wehklagen bringt eine gehörige Portion Exotik in die Nummer. In der zweiten Hälfte musiziert man in einer Mischung aus
Pink Floyd und
Tangerine Dream.
Die Musik der Band ist spannend und nie vorhersehbar. Da wird ein süßliches und einsam hämmerndes Piano schnell brutal von den beiden Gitarren mit ihren psychedelischen Riffs überrollt, Hollie Shephard intoniert fast wortlose Vokaleinlagen und treibt die Nummer in immer höhere Sphären ("Either / Or"). Elektronik darf bei dieser Art Musik natürlich nicht fehlen und so rollen die Klangwellen aus den Chips und Transistoren, dimensionieren stets neue proggige Wogen und lassen den Hörer im Musikkosmos mitschweben.
Satzfetzen hier, düstere Stimmungen dort - alles unter dem Schirm einer Kooperation aus akustischer Gitarre mit klassischen Ansätzen, bietet der kurze dritte Track.
"How To Seduce A Ghost" startet mystisch, ja fast angenehm gruselig, wofür hauptsächlich Tasten sorgen, die nach einer durch Lesliespeaker gejagten Hammond klingen. Einsame und traurig klingende Klavieranschläge übernehmen und über allem schweben die Gitarren, während Bass und Drums wie Bleikugeln den Boden beherrschen. Auch der "Radio Song" startet ähnlich, wird dann aber per Schlagzeug und roboterartigen, piepsigen Keyboardklängen fast schon lustig. Verfremdete und nicht erkennbare Vocals mischen sich dazu. Wenn dann die Bläsersektion gewaltig mit einmarschiert, kann man der Nummer einen gehörigen Drive nicht absprechen.
Das mehrteilige "Laudanum" ist unbestritten der Höhepunkt der Scheibe. Es ist schon beindruckend, wenn ein einsames Saxofon vor turmhohen, floydigen Soundwänden seine Runde zieht.
Colosseum meets
Pink Floyd und ein Regisseur hat um die Musik den passenden Endzeitfilm gedreht. Das Keyboard übernimmt die Führung, um aber sofort mit dem Saxofon zu wetteifern, wer die beste Stimmung verbreitet. Ganz klar geht der Sieg an das Sax. Nun mischen sich Becken und ein wie aus der Ferne grollender Bass dazu. Auf diesem Bass und den zart bewegten Becken setzen Gitarre und Saxofon auf, und auch hier übernimmt das Holzblasinstrument schnell die Dominanz. Ein psychedelisches Ambiente macht sich breit, ansatzweise und ganz aus der Ferne, meint man eine Art mexikanische Blasmusik zu hören. So ähnlich stelle ich mir die Wahrnehmung eines Komapatienten vor, dem man Musik vorspielt. Die Musik von
Days Between Stations regt mächtig des Hörers Fantasie an, wenn sich Selbiger darauf einlässt. Schaurig schön, mit gekonnten Klangbildern klingt die Nummer aus.
Eine tolle Platte.