Progressive Metal-Fans, die neuen Bands eine Chance geben wollen, sollten nach Malpractice und Medea auf jeden Fall einen Blick auf Degree Absolute werfen.
Der Mann, der das Ganze ins Leben gerufen hat, Aaron Bell (Gitarre, Gesang), Dave Lindemann (Bass) und Schlagzeuger Doug Beary sind alle, die in dieses Projekt verwickelt sind - kaum zu glauben angesichts des Soundteppichs, den man mit "Degree Absolute" erhält. Wie es sich für ein ernsthaftes Progressive-Werk gehört, benötigt auch diese Scheibe mehrere Durchläufe.
…Und diese sogar noch etwas mehr als gewöhnlich. Gleich zu Anfang wird man vom brettharten Beginn von "Exist" beinahe umgehauen und glaubt fast, eine erbarmungslose Thrash-Platte zu hören. Jedoch hat der Promotext Recht, der "typischen" Prog, technisch veranlagte Arrangements sowie Anleihen bei Jazz, Thrash, Doom versprochen hat: Man findet all dies auf diesem Album. Vom härtesten Brecher bis zu ruhigen, atmosphärischen Stücken - diese Band setzt sich selbst keine Grenzen, probiert alles aus, spielt herum und wütet. …Fast wie ein kleines Kind. Jedoch steckt bei Degree Absolute hinter jeder neuen Abzweigung, die Einen bei den ersten Durchläufen zum Stirnrunzeln bringt, Sinn und Verstand. Dabei ist es gar nicht mal so sehr das Songwriting, an das man sich gewöhnen muss, sondern die schwere Aufgabe, den Songs zu folgen und die Scheu vor ihren haarsträubenden Wechseln zu verlieren, sodass ein Ganzes statt vieler kleiner Stücke entsteht.
Um die Aussage und die Emotionen der Lyrics nicht zu verfälschen, entschied sich Aaron Bell, selbst den Gesang zu übernehmen. Er ist kein großartiger Sänger, und tatsächlich hört man, wie er gern singen würde, wenn er könnte, aber seine Stimme hat durchaus das, was nötig ist. Zudem spielt der Gesang bei diesem Album eher eine untergeordnete Rolle.
Obwohl man das Werk als Einheit betrachten sollte und alle Songs exzellent sind, muss ich doch einen hervorheben: "Distance". Der ruhigste Titel des Albums, der den wunderbar im Gegensatz zum Material stehenden minimalistischen Charakter von "Degree Absolute" am weitesten führt. Fast Pink Floyd-ähnlich, simpel, aber doch wunderschön. …Allein schon wegen dieses Titels lohnt es sich, das Album zu kaufen; auch wenn er wahrscheinlich der einfachste ist.
Bis hin zum (offiziellen) Schlusspunkt "Ergo Sum" hält Einen diese CD stets auf Trab und lässt keine Pause beim Suchen nach dem Roten Faden zu. Ich mach es kurz: Aaron Bell klopft mit seinen Mannen mehr als laut an die Tür zur Weltklasse.
Ich denke, also bin ich!
Spielzeit: 57:16 Min. Medium: CD, Sensory Records, 2006
1:Exist (7:40) 2:Laughing Alone (5:59) 3:Questions (4:01) 4:Confession (6:19)
5: Distance (4 :09)6:HalfManHalfBiscuit (3:14) 7:Pi (3:09) 8:Ask Nothing Of Me (5:00)
9:Ergo Sum (11:10)10:- hidden track - (6:31)
Christoph Segebard, 05.03.2006
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