Ferdy Doernberg
...'till I Run Out Of Road
...'till I Run Out Of Road
Ein Mann und seine Gitarre.
Auf dem Cover zu seinem neuesten Werk ist Ferdy Doernberg mit einer Dobro zu sehen und dieses Instrument steht nicht nur im Mittelpunkt des ersten Tracks auf "…'till I Run Out Of Road".
Bei einem solchen Intro werde ich hellhörig und meine Ohren sind gespitzt wie die von Spock.
Obwohl auf der Disc jede Menge Gitarren zu hören sind, ist sie weit entfernt von der Musik der Bands, in denen Ferdy Doernberg ansonsten Musik macht: Rough Silk und Axel Rudi Pell.
Darüber hinaus erweißt sich Ferdy auch als wahrer Tausendsassa an verschiedenen Instrumenten, die er zum Einsatz bringt: Neben Elektrischen und akustischen Gitarren spielt er Piano, Lap Steel, Hammond, Pedal Steel, Trompete, Mandoline, Banjo, Harmonika, Saz, Bouzouki, Ukulele, and Slide-Bass.
Das Album ist also auch aus dieser Sicht ein sehr persönliches, aber dann doch nicht so ganz, denn Gabi Palm spielt u.a. Digeridoo und Rubboard, André Hort (Rough Silk) Bass. Mike Terrana (Yngwie Malmsteen, Tony MacAlpine, Rage) spielt Drums und Djembe, eine afrikanische Trommel und Bruder Curt Doernberg (Treibhaus) ebenfalls Drums.
Mit rauer Stimme, die nie nervig wirkt sondern einfach echt klingt, singt sich Ferdy durch ein vielseitiges Programm fast ausschließlich selbst geschriebener Songs.
"Deincarnation (Don't Make Me Go Back)", eingeleitet durch ein kurzes Keyboard-Intro, singt Ferdy zusammen mit John Wesley Harding, der hier und für zwei weitere Songs die Lyrics geschrieben hat. Ein Track mit schönen Hooklines, in dem die Slidegitarre im Vordergrund steht und der einen einfach herrlichen Refrain hat.
Das, was man im Opener zu hören bekommt, setzt sich als Intro und Outro im Instrumental "Theme From Storyteller's Rain" fort, in dem Jeff Kollman (U.F.O., Glenn Hughes) an der elektrischen Gitarre zu hören ist.
Es gibt einen Planeten in der 41. Dimension, der "The Arth" heißt und Ferdy Doernberg war schon einmal dort. Er erzählt uns eine der abgedrehtesten Geschichten, die ich je gehört habe. Im Gefängnis von 'Monte Cristo' trifft er auf Robin Hood und Christopher Columbus. Rudolpho Valentino nimmt Julia die Unschuld, während Romeo betrunken auf der falschen Seite des Bettes liegt. Humor hat der Mann.
Er kann einen aber auch nachdenklich machen. Im Titelsong konfrontiert er uns auf eine sensible Art mit seiner eigenen Lebensgeschichte. Er ist in keinem Staat zuhause, die Musik ist sein Staat, in dem er lebt. Er ist stolz auf seinen Vater und wird spielen und singen, bis ihm die Straße ausgeht. Hoffentlich wird das für lange Zeit nicht der Fall sein, Ferdy. Solange er solche Alben hinlegt, bin ich mir sicher, dass er noch verdammt viel Straße vor sich sieht.
Der Singer/Songwriter Track, mit riffiger Gitarre gepaart, hat wieder einen verzaubernden Refrain, so wie in vielen Songs. Man findet sich immer wieder in der Situation, mitzusingen...
Einer meiner Tipps auf dem Album ist definitiv "A Wellpayed Gig". Eine starke Leistung, wie Doernberg es hinbekommen hat, die verschiedenen Saiteninstrumente zur Geltung zu bringen und sie andererseits ineinander zu verschmelzen.
Ein Song u.a. mit Harmonika gespielt, geht fast schon in eine folkige Richtung. "Sarasota Sunset" sind über 4 Minuten ganz großes Tennis! Kein Füllstoff, nichts ist überflüssig, alles passt zusammen. Das Slideröhrchen kann Ferdy auch dezent einsetzen.
Ganz im Geist seines Mentors Bob Brozman, der ihn 1997 unterrichtete, hat Ferdy Doernberg seinen persönlichen Slidestil entwickelt.
Ein weiteres Highlight, mit feinsten Pianoläufen, ist "Driftwood". Die Atmosphäre, die solche Songs vermitteln ist schon bewundernswert.
Das etwas sparsamer instrumentierte "Marilyn Hayworth & Rita Monroe", in dem er ein Solo auf der akustischen Gitarre zaubert, schließt sich nahtlos an.
In "If Today Was The End Of My Life" kommt dann auch noch die Trompete zum Einsatz: Da stelle ich mir die Frage, welches Instrument Ferdy in Zukunft noch für sich entdeckt?
Ferdy Doernberg hat mit "…'till I Run Out Of Road" ein abwechslungsreiches Album hingelegt, auf dem es viel zu entdecken und genießen gibt.
Well done.


Spielzeit: 68:02, Medium: CD, I.L.K.- Midas Twins, 2006
1:Squareneck-Birdcoastguard (1:09) 2:Life's Too Short For Long Goodbyes (4:39) 3:Sarasota Sunset (4:40) 4:…'till I Run Out Of Road (3:43) 5:Deincarnation (Don't Make Me Go Back) (4:52) 6:A Wellpayed Gig (7:01) 7:Grace Of Fire (5:07) 8:Driftwood (5:23) 9:If Today Was The Beginning Of The End Of My Life (4:11) 10:The Arth (4:39) 11:Me-Missing You (3:11) 12:Theme Form "Storyteller's Rain" 13:Late At Night (3:40) 14:Marilyn Hayworth & Rita Monroe (4:50) 15:When We Ruled The World (4:39) 16:One Spanish Senorita…. ……Followed By A Weird Slide On A Greek Bouzouki (3:02)
Joachim P. Brookes, 24.05.2006