Diese sonnige brasilianisch klingende Musik wurde in den Bauer Studios in Ludwigsburg, zwischen dem 11. und 13. Mai 2010, bis auf einige Instrumentalparts, die man in Berlin einspielte, aufgenommen.
Lily Dahab ist Argentinierin und nach Zwischenstationen in Madrid und Barcelona lebt sie seit zwei Jahren in Berlin. Nach einem Musikstudium in Buenos Aires stand sie unter anderem für Musicals auf der Bühne.
Musikalisch erwartet uns eine Reise von der Tangoatmosphäre ihrer Heimat über brasilianische Musik bis hin zu Berührungen mit dem Jazz. Für mich hat diese Musik jedoch überwiegend den Charakter brasilianischer Musik. Wenn man genau hinhört, wird man die Nuancen und Abstufungen näher erleben. Im Vergleich zu dem neuen Album von Paula Morelenbaum
ist hier der jazzige Anteil höher und gleichzeitig kommt die Musik 'nüchterner und sachlicher' als bei Paula, deren Platte für mich viel mehr Feeling, Geschmeidigkeit und Leidenschaft aufweist.
Liegt das vielleicht an der deutschen Produktion? Jedenfalls ist das sehr auffällig, was jedoch die Qualität der Musik nicht schmälern soll, es ist halt ein spontaner Eindruck.
Die Arrangements wirken teilweise sehr geschliffen und ihnen fehlt aus meiner Sicht oft das südamerikanische Feuer, nur Lily selbst kann das eindeutig verkörpern und ansatzweise der hervorragende Gitarrist Quique Sinesi, der mir allerdings etwas zu kurz kommt; ihn hätte ich stärker eingebunden.
Das fehlende Feuer wird durch viele Jazzelemente ersetzt, die jedoch auch sehr akademisch erscheinen. So habe ich den Eindruck, dass die Chance einer Fusion ein wenig verloren gegangen ist, weil ich mehrfach bemerke, dass die für sich einzeln untadeligen Elemente nicht hundertprozentig zusammenkommen wollen. So fehlt mir in der Tat bei den meisten Titeln etwas, was mein Gefühl direkt anspricht, mein Herz also, aber mein Kopf kann die Musik nur sehr loben. Könner sind am Werk, die hier für mich nicht immer zusammen eindeutig harmonieren.
Es gibt allerdings auch (persönliche) Ausnahmen. So halte ich die Einspielung des Klassikers "Bésame Mucho" für sehr gelungen. Klasse, wie der Pianist eine verloren wirkende Stimmung entwickelt, das ist für mich, losgelöst vom grundsätzlich lateinamerikanischen Charakter des Titels, eine engagierte Jazzbearbeitung, die verdammt prickelnd ist - der klare Toptitel der Platte und eine der besten mir bekannten Interpretationen der Nummer. Hiervon bitte mehr, das wäre eine wahre Gänsehautscheibe!
Auf der anderen, also der südamerikanischen Seite, ist mein eindeutiger Tipp und Favorit "Aguas De Margo", was möglicherweise auch daran liegen kann, dass das Stück von Antonio Carlos Jobim stammt. Hier stimmt wieder alles, hier bildet die Band genau die Einheit, die ich meine, hier ist die Stimmung 'voll auf den Punkt'! Weiterhin fiel mir auf, dass "Tierra" ein Track ist, den Pat Metheny
auch hätte spielen können; er hat etwas entsprechend Leichtes und Luftiges und ich halte hier die Fusion auch für gelungen, also jene Fusion der in dieser Musik wahrscheinlich gewollten Elemente, mein dritter Favorit der Scheibe!
Noch etwas zur Stimme der Dame. Das ist eindeutig ein südamerikanisches Flair, dass sie verbreitet. Auf ihrem Weg nach Berlin scheint sie spanische Elemente mitgenommen zu haben, sie weiß mit ihren Stimmbändern sehr gut umzugehen, klar und voll, mit Ausdruck und Gefühl.
Noch ein kleiner Hinweis: Nach dem letzten Titel noch nicht ausschalten, ein 'Hidden Track' erwartet uns, anfänglich nur Gesang und Piano, zu dem dann auch noch Bass und Schlagzeug sowie dezente Perkussion stoßen. Jetzt sollte eigentlich noch stilgerecht Stan Getz ein Saxofonsolo hauchen, aber auch so ein wunderschöner Abschluss, wieder einer meiner Favoriten, und wieder ist der Pianist Aperdannier, der ein sehr gefühlvolles Solo spielt, von ihm hätte ich gern einmal eine Jazzscheibe...
Line-up:
Lili Dahab (vocals)
Bene Aperdannier (piano)
Andreas Henze (double bass)
Daniel "Topo" Gioia (percussion)
Quique Sinesi (guitar - #1, 2, 6, 7, 8, 9, 12)
Eudinho Soares (guitar - #5, 10, 11)
Guillermo Destaillats (bandoneon - #6, 8)
Tracklist |
01:Emtre Tu Y Yo [Expósito/Niervas] (5:51)
02:Mediterráneo [Serrat] (5:34)
03:Muser, Niña Y Amiga (4:11)
04:Bésame Mucho [Velázquez] (5:49)
05:Flor De Lis [Djavan] (5:21)
06:Siempre Se Vuelve A Buenos Aires [Piazzolla/Blázquez] (3:17)
07:Esta Tarde Vi Llover [Manzanero] (6:19)
08:Sin Piel [Blázquez] (3:06)
09:Cada Vez Que Siento Tu Amor [Sinesi] (4:55)
10:Aguas De Margo [Jobim] (4:35)
11:Tierra [Brant) (4:56)
12:Te Elegiría Cada Vez [Aperdannier/Dahab] (5:40)
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Externe Links:
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