Eastern Flowers / Mineralle
Mineralle Spielzeit: 68:57
Medium: CD
Label: JazzSick Records, 2013
Stil: Weltmusik

Review vom 05.12.2013


Wolfgang Giese
Ganz einfach scheint es hier eigentlich zu beurteilen zu sein - schönes buntes Cover, schöne bunte Musik, das Label: JazzSick Records. Schöner bunter Jazz also?
Hm, wenn ich aber auf das Line-up schaue und Namen dreier Musiker entdecke, die inklusive der von ihnen gespielten Instrumente eigentlich eher in die Richtung Indien führen, dann muss ich wahrscheinlich umdenken. Vielleicht in jene Richtung, die in Verbindung mit John McLaughlin steht - richtig: Shakti!
Aber ganz so leicht ist es hier auch nicht. Jarry Singla und Christian Ramond verfügen über deutsch-indische Wurzeln und der mir recht bekannte Perkussionist Ramesh Shotham stammt aus Madras in Südindien. So stelle ich mich eher auf Weltmusik ein und in diese Richtung fährt der Zug dann auch wohl weitestgehend. Die Platte startet mit einer Kombination aus Pianoklängen, die zum Jazz zählen, und fernöstlicher Perkussion. Singla erinnert mich hier an einige frühere Titel von Keith Jarrett.
"Tavi Swaram" ist einer jener Songs, die dann wiederum sehr indisch orientiert sind - zum drohnenartig gestrichenen Bass wird heftig 'perkussioniert'. Jedoch sind es recht frei gespielte Pianopassagen, die diese Stimmung förmlich aufreißen, bis Singla dann mit einer sehr schönen, arabisch klingenden Melodie die beiden Mitstreiter zum intensiven Miteinander auffordert. So präsentiert uns der Pianist beim einen oder anderen Stück eine sehr rhythmische Spielweise, die mit dem Perkussionsarsenal von Shotham eine dichte Einheit bildet. Mitunter ist unklar, ob die Perkussion hierbei das Piano antreibt oder umgekehrt, als Beispiel sei "Okonana" genannt. Hier übrigens mit einer Hinwendung zur marokkanischen Musik.
Aber auch ganz verträumte Pianoklänge, im Hintergrund ganz subtil von Schlaginstrumenten begleitet, haben den Weg auf die Platte gefunden, man lausche einmal "Le Mariage d'Orphelins". Dabei schafft es der Bassist jeweils, als verbindendes Element zu wirken. Neben den Eigenkompositionen finden sich mit "Thillana" ein Stück eines südindischen Komponisten, mit "Mallari" ein Beispiel südindischer Tempelmusik und mit "Za Hory" eine Inspiration durch einen alten ukrainischen Folksong. Diese Mischung macht die Spannung aus, die den Verlauf der Platte durchzieht. Viele verschiedene musikalische Elemente und Stimmungen sind auf elegante Weise zu einem außergewöhnlichen Ganzen verwoben und lassen eine Verschmelzung der Kulturen durch die Weltsprache Musik zu.
Einmal, auf dem Stück "Blumenbein", spielt Singla das indische Harmonium, darüber hinaus präpariert der Musiker auch einmal sein Instrument, auf "Okonana" ist das zu hören.
Eine sehr gute Platte, die für Jazzfreunde gleichermaßen wie für Anhänger von Weltmusik interessant sein dürfte.
Line-up:
Jarry Singla (piano, prepared piano, Indian harmonium)
Ramesh Shotham (dholak, tavil, kanjira, mridangam, ghatam, morsing, cajatom, konakol)
Christian Ramond (double-bass)
Tracklist
01:Latin des Poules (5:44)
02:Tavi Swaram (9:18)
03:Mineralle (7:13)
04:Za Hory (4:53)
05:Jabi Tala [Singla/Shotham] (7:40)
06:Thillana [Jayaraman, arr. Singla] (8:27)
07:Okonana (5:00)
08:Blumenbein (7:19)
09:Le Mariage d'Orphelins (8:46)
10:Mallari [trad., arr. Shotham/Singla] (4:38)
(all compositions by Jarry Singla, except where noted]
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