Oh je, oh je, zu Beginn der Platte blubbert es wild, wie aus den Anfangszeiten des Moog Synthesizers. Ach, das war die "Fanfare"! Und diese leitet dann etwas ein, das mich an ein Genre erinnert, denn da gab es doch einst den Begriff Punk Jazz. Da fallen mir noch solche Bands wie James Chance and the Contortions oder die Lounge Lizards ein.
Frech und unbeschwert marschieren die drei Österreicher an Gitarren, Blasinstrumenten und Schlagzeug los. Sie hinterlassen bei mir eine Spur der Verwunderung und des Frohlockens, denn das klingt wirklich frisch und satt aufgetragen, als hätte man sich von allen musikalischen Zwängen freigemacht. Zu Recht spricht die Presseinfo von »Spielwitz, Humor und Wahnsinn im Trio.« Die drei zwischen 1978 und 1987 geborenen Musiker sind also noch jung und daher mag diese Freude am Experimentieren, am Entdecken stammen. Weiter heißt es im Text: »Eigentlich polizeilich verboten: das basslose Jazz-Trio, die Rock-Band ohne Sänger.«
Seit Beginn ihrer Forschungsreise im Jahre 2011 hinterließen sie ein Jahr später die ersten Spuren auf CD mit "Jetzt". Nun folgt der zweite Streich, der sehr geglückt ist. Dieser ist allerdings sicher nicht einfach zu verzeihen für alle, die sich musikalisch angegriffen werden/sein/fühlen könnten. Denn diese Musik fordert, fordert heraus, sich auf sie einzustellen. Für Menschen mit schwachen Nerven oder für engstirnige Zeitgenossen sei eine ausdrückliche Warnung ausgesprochen, denn diese Spezies könnte Schaden nehmen.
Mit Sicherheit ist das Wort 'Langeweile' fehl am Platz, wollte man die Stimmung und den Ausdruck des Gebotenen charakterisieren. Hier passiert laufend etwas Neues und das Werk erscheint wie aus einem Guss, wie ein einziges langes Stück, in Abschnitte unterteilt. Bei jedem Hördurchlauf ertappte ich mich dabei, dass mir gar nicht klar war, welcher Titel gerade lief. Alles ist dicht miteinander verflochten und mal drischt das Schlagzeug wild, dann wieder entlockt Pajzs einer seiner Gitarren romantische Klänge, dann bricht der Saxer aus und dann spielen alle drei plötzlich in einer entzückenden Harmonie zusammen, dass einem ganz warm ums Herz wird und sich eine Gänsehaut entwickeln kann.
So geben sich früh experimentelle Klänge von Soft Machine, Musik im Stil von Henry Cow und Anklänge an Frank Zappa die Klinke in die Hand. Dann glaubt man, es ginge in die Richtung Rock, bevor sich unter Hilfestellung von Elementen der Fusion der Jazz einzuschleichen scheint. Doch nichts gewinnt letztlich die Oberhand - das hier ist Edi Nulz! Und die Musik ist übrigens so kurios wie der Bandname. Der Sound ist satt, die Musik strahlt Freude und Lust am Musizieren sowie einen großen Anteil von Unberechenbarkeit aus, und wenn sich die Band dann im Booklet für die Neoprenmäntel, die man sie dort tragen sieht, bedankt, dann geht das durchaus mit Humor einher.
Line-up:
Julian Adam Pajzs (Tenor-, Bariton- und Midi-Gitarre)
Valentin Schuster (Schlagzeug, Taschenklavier)
Siegmar Brecher (Bassklarinette, Melodika, Altsaxophon)
Tracklist |
01:Fanfare (0:12)
02:F.A.K.P. (3:01)
03:Wo Anders (5:33)
04:Interlude I (0:38)
05:Pah (6:28)
06:Wencke!!! (4:04)
07:Die Mitte des Albums (0:30)
08:Ultrakarl (3:46)
09:Make It So (6:15)
10:Interlude II (0:43)
11:Captain Hinti (3:05)
12:Das kleine traurige Stück (2:35)
13:Lekker (5:05)
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