Eidolon / The Parallel Otherworld
The Parallel Otherworld
Es klingeln nicht unbedingt die Glocken, noch nicht einmal die eines Metallers, wenn er den Namen Eidolon hört. Dennoch genügt ein Blick in die Bio um zu sehen, dass die Band, 1993 gegründet, ohne dieses hier bereits sechs Alben auf dem Kerbholz hat. Die andere Augenbraue hebt sich, wenn man mitbekommt, wer auf "The Parallel Otherworld" alles Gastauftritte hat:
Michael Denner und Hank Shermann (Mercyful Fate/Force Of Evil) tun bei dem Mercyful Fate-Cover "The Oath" mit, und mit diversen Soli gesellen sich auch Jim Aresti (Fates Warning), Michael Romeo (Symphony X), Kim Mitchell sowie Chris Caffery (Savatage) zu den sehr produktiven Schweden. Mein lieber Scholli - diese Spitzenmusiker sind wirklich ein Wort und ein beachtliches Kopfnicken der Prog-Welt an Eidolon. Zu allem Überfluss sind nach dem Album "Apostles Of Defiance" aus dem Jahre 2003 zwei Bandmitglieder zu keiner geringeren Formation als Megadeth abgewandert.
Wer diese Band zum ersten Mal hört und sich Zeit für mehrere Durchläufe nimmt, den enttäuschen die Fakten nicht. Der neue Sänger Ken A. Rue (Pagan's Mind) ist brillant - eine der ersten Sachen, die einem auffallen. Sein riesiges Organ erinnert, besonders beim Mercyful Fate-Cover, an King Diamond, aber auch an den Klang von Ripper Owens' Röhre auf Priests "Jugulator". Vor beiden Ausnahmeshoutern braucht der gute Ken sich nicht zu verstecken.
Ruhige Akustikpassagen, aber hauptsächlich markante, aggressive Riffs und Leads trägt die Gitarre vor und schwingt sich neben dem Gesang zur treibenden Kraft in "The Parallel Otherworld" auf, die den Sound maßgeblich bestimmt.
…Und der ist wahrlich keine leichte Kost, weshalb Eidolon inzwischen als Progressive Power Metal Band klassifiziert werden muss. Nach den ersten paar Durchläufen hört man nur brettharte Klänge von vier Jungs, die sich vielleicht zuviel vorgenommen haben. Lässt man das Material aber einziehen, stellt die Scheibe sich als abwechslungsreich und tiefgängig heraus. Sie ist kraftvoll, düster und mächtig; wie ein wildes Tier auf Beutejagd.
Gleichzeitig, und das ist das einzige Manko, sind die Songs sehr sperrig, ihnen fehlt also jede Eingängigkeit. Was eigentlich eine gute Sache ist, könnte sich als Stolperstein für Rocker erweisen, die derart schweren Stoff nicht gewohnt sind, den roten Faden zu erkennen. Das Schicksal von Winterfell wird sie deshalb aber nicht erreichen. Dafür sind sie schlicht und einfach zu gut. Einer der Beweise dafür, dass progressiver Power Metal manchmal fast schwerer aufzuknacken sein kann als reiner Prog. Besonders auf ihren überragenden Sänger sollten die Jungs Acht geben. Er ist perfekt für diesen Sound und hat es mehr als verdient, länger dabei zu bleiben.
Eidolon - wütend, dunkel, heavy, unheilverkündend; und den Ritterschlag der Metal-Größen wert.
Empfohlen!


Spielzeit:68:15, Medium: CD, Escapi Music, 2006, Progressive Power Metal
1:The Parallel Otherworld (11:32) 2:Arcturus #9 (5:15) 3:The Eternal Call (6:07) 4:Ghost World (7:31) 5:Thousand Winters Old (5:52) 6:Spirit Sanctuary (4:55) 7:Order Of The White Light (5:51) 8:Astral Fight (6:16) 9:Shadowanderer (7:10) 10:The Oath (7:46)
Christoph Segebard, 20.06.2006