Elixir / All Hallows Eve
All Hallows Eve Spielzeit: 44:55
Medium: CD
Label: Cold Town, 2010
Stil: NWoBHM

Review vom 05.03.2011


Klaus Baumann
Ganz überrascht, wenn nicht gar perplex, war ich, als mir ein Bekannter (hiermit ein extra Thanx an Kumpel Eugen) neulich das bereits Ende 2010 erschienene neue Elixir-Album präsentierte. Meines Wissens in keiner der großen Gazetten rezensiert, wäre es mir doch glatt durchgeschlüpft. Und das wäre verdammt schade gewesen! Weswegen die Besprechung auch an dieser Stelle gewissermaßen nachgeholt werden soll.
Da diese englische Band dem Großteil der RockTimes-Leserschaft allerdings völlig unbekannt sein dürfte, sei hier zunächst einmal kurz die Bandhistorie umrissen: Elixirs erstes Album "Son of Odin", von dem - nebenbei bemerkt - eigentlich nur der Titeltrack den test of time mehr oder weniger unbeschadet überstanden hat, datiert aus dem Jahre 1986 und ist somit für den Puristen am ehesten der 3rd wave of NWoBHM zuzuordnen. Etwas alte Maiden oder Saxon, viel Pathos, sehr viel Spandex... so weit so gut. So dauerte es auch vier Jahre, bis das Zweitwerk "Lethal Potion" bei einer neuen Plattenfirma - Sonic, dem Demon-eigenen Label, um genau zu sein - herauskam. Mit verändertem Bandlogo, höchst peinlichem Cover, aber vollgestopft mit hammergeilen, melodischen Songs in bester (Post-)NWoBHM-Tradition, so dass es des Stickers »Featuring Clive Burr, Ex-Iron Maiden« eigentlich gar nicht mehr bedurft hätte. Indes - dieser Marketing-Gag zog wohl auch nicht so recht, denn es sollte weitere 16 (!) Jahre dauern, bis Elixir wieder von sich reden machten ...
Ich erinnere mich noch an eine launige E-Mail-Korrespondenz mit Elixir-Gitarrero Phil Denton, mit welchem ich anlässlich der megasatten 2006er Veröffentlichung von ganzen drei (!) CDs Verbindung aufgenommen hatte - und war damals erst einmal baff! Unter anderem hatte ich lobend Bezug genommen auf das erwähnte "Lethal Potion"-Album und erfuhr, dass selbiges in eben dieser Form so gar nicht geplant war. Angefangen bei Bandlogo und Cover (naja, OK ...), bis hin zu Songauswahl bzw. Songreihenfolge (ein Umstand, den wohl nur aktive Musiker nachvollziehen können) und den bandinternen Hintergründen ... Denton war so was von angepisst von dem 1990er Release und verwies mich auf die Neuveröffentlichung unter dem Titel "Savage Remedy" (2004), die wohl ebenfalls unbemerkt zu versanden drohte. Und irgendwie hatte er einfach Recht! Dreizehn, statt ursprünglich zehn Titel, komplett neue Reihenfolge, alles neu abgemischt, dazu ein paar Live-Bonustracks ... einfach perfekt! Da sieht man, wie einen langjährige Hörgewohnheiten auch mal täuschen können!
Aber zurück zum Wesentlichen: 2006 veröffentlichten Elixir wie gesagt via Majestic Rock gleich drei CDs auf einen Schlag, nämlich das bereits 2002 eingespielte "The Idol" (schon wieder recht ordentlich), die anno 2006 im legendären Ruskin Arms mitgeschnittene Live-Scheibe sowie das im selben Jahr aufgenommene, wirklich exzellente "Mindcreeper"-Album.
Und Ende letzen Jahres - wie erwähnt und unbemerkt - nun eben noch "All Hallows Eve", ein Album, das im Vergleich zum Vorgänger noch etwas intensiver tönt!
Wie der Titel schon andeutet, handelt es sich hierbei um ein Konzeptalbum, das sich mit dem inzwischen - dank der fröhlich aus Amiland herübergeschwappten Halloween-Unkultur - wohl sattsam bekannten keltischen Allerheiligen-Mythos befasst.
Eingeläutet von einem anachronistisch-typischen pathetischen Gitarrenintro folgt ein Klassesong dem anderen; Der speedig-melodische Opener "All Hallows Eve" , das treibende "The Pagan Queen", das flotte, mit einem ultra-eingängigen Refrain aufwartende, "Daughters Of The Moon", das powermetallische "The Spell", das dezent thrashig angehauchte "Midnight Messiah", dazu noch der hypergeile Chorus des melodiösen Stampfers "You're Not Fooling Me" mit seinem geilen Wah Wah-Solo, bis hin zum abschließenden, in puncto Dramatik etwas an Maidens "Rime Of The Ancient Mariner" erinnernden Longtrack "Samhain" mit seinem atmosphärischen Mittelteil (welcher allerdings noch um einiges atmosphärischer hätte ausfallen können. Gerade im Hinblick auf die Sprechstimme von Sänger Paul Taylor; hier wäre etwas Orson Welles-mäßiges à la frühe Manowar wohl noch deutlich intensiver gekommen - einziger Kritikpunkt einer durch & durch gelungenen Scheibe!).
Also: Wer auf allerbesten Metal in der Tradition der NWoBHM mit den Trademarks 'pumpender Bass, angerauhter Gesang, melodiöse Leadgitarren' etc., eingebettet in eine wirklich amtliche und druckvolle Produktion, steht und wer auf Uralt-Bands wie Demon, Battlezone, Heritage oder Hammer kann, der sollte "All Hallows Eve" unbedingt einmal antesten.
Wie war das noch anno dunnemals mit der Goldkante? Es lohnt sich! Wirklich ...
Line-up:
Paul Taylor (vocals)
'Stormin' Norman Gordon (guitar)
Phil Denton (guitar)
Kevin Dobbs (bass)
Nigel Dobbs (drums)
Tracklist
01:All Hallows Eve
02:The Pagan Queen
03:Daughters Of The Moon
04:The Spell
05:Midnight Messiah
06:You're Not Fooling Me
07:Samhain
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