Eva's Milk / Cassandra E Il Sole Che Oscura
Cassandra E Il Sole Che Oscura Spielzeit: 54:11
Medium: CD
Label: Eigenproduktion
Stil: Indie

Review vom 27.06.2007 / 13.01.2008


Ulli Heiser
Nachtrag: Die Scheibe wurde von uns bereits vor einem halben Jahr besprochen, weil wir das Glück hatten, eine von 300 Promopressungen zu bekommen. Physisch gibt es "Cassandra E Il Sole Che Oscura" nur auf Konzerten der Band. Am 15. Januar 2008 ist das offizielle Release des Albums bei dem Online-Only-Independent-Label Fuego (Link siehe unten im Linkblock).
Andrea Zanollo und Polo Contribunale gründeten Eva's Milk im Jahre 2002. Das endgültige Line-up war 2003 gefunden, als Lorenzo Stangalini mit seinen Fellen, Becken und Sticks dazustieß.
Passend zum Bandname auch der Titel ihrer EP aus dem Jahr 2004, die "Milkshake" hieß. Leider verschließt sich dem Schreiber dieser Zeilen die Bedeutung des Albumnamens "Cassandra E Il Sole Che Oscura". Cassandra und die dunkle Sonne, müsste das wörtlich in etwa heißen. Nichts mit Milch anscheinend. Aber nicht zu wissen, um was es textlich bei den Italienern geht, ist kein Problem, denn wenn man die Musik für sich sprechen lässt, braucht's die Texte nicht unbedingt. Klanglich passen die italienischen Vocals unbedingt zur Musik.
Gerade bei den etwas zurückgenommen, ruhigen Nummern wie zum Beispiel "Nella Siccità". Dieses Stück in Englisch? Unvorstellbar, denn wohl nur in ihrer Landessprache kommt die traurig und verloren wirkende Stimmung so richtig intensiv rüber. Sagte ich eben ruhige Nummer? Nur auf den ersten 'Blick', denn eine reinrotzende tiefgelegte Gitarre fetzt gewaltig dazwischen und sprengt die harmonischen Vocals auf äußerst beeindruckende Weise. Auch von der ruhigen Sorte und mit akustischer Klampfe vorgetragen ist "Milkshake". Holla, da haben wir ja auch wieder den Bezug zum weißen Saft. Alles paletti also.
Dritter im Bunde der gemäßigten Songs ist schließlich "Sequoia (è il sole che oscura)". Über die halbe Distanz ein instrumentales, schwermütiges Harmoniemonster, leiten Geräusche die Vokalsequenz ein.
Ansonsten geht es alternativ und independent zur Sache. Eine meist dominierende Gitarre liefert schöne Riffs und Linien (z.B. in "L.u.c.r.a" oder "Tu"), die textlich gekonnt umbaut und von Basso und Batteria in nicht minder präsenter Form begleitet werden. Ab und an klingt Sänger Andrea wie die männliche Ausgabe von Gianna Nannini: Verrauchte, alles gebende Stimme mit enormer Ausdruckskraft. Bei "Tarita In Morfina", welches mich an verrockte Walgesänge erinnert, kann ich die einzige Textzeile sogar zur Hälfte verstehen: »Groar...uh...uh...Blub...Blub...affogo nel mio niente...«.
Mein Tipp ist Nummer sieben, "Lo Specchio Di Tuna". Leicht vetrackt und verspielt, bricht dieses Stück etwas aus dem alternativen Korsett, verbindet aber den emotionalen Gesang und die düstere Gitarrenarbeit auf das Allerfeinste. Harten Saitenangriffen stehen verspielte Sequenzen gegenüber. Ein schöner Track. Ich beschließe, den heutigen Abend italienisch zu verbringen.
Pizza und Vino Rosso sind adäquate Begleiter. Geht auch ohne Milch, trotz Eva's Milk.
Line-up:
Andrea Zanollo (chitarre, voci, noise)
Polo Contribunale(basso, noise)
Lorenzo Stangalini (batteria, percussioni, noise)
Tracklist
01:Rane Su Venere
02:L.u.c.r.a
03:Nella Siccità
04:Bohème
05:Edera Immobile
06:Tarita In Morfina
07:Lo Specchio Di Tuna
08:Ricordo
09:Tu
10:Milkshake
11:Sequoia (è il sole che oscura)
Externe Links: