Die Mischung macht es 
Der Motorradausstatter Polo veranstaltete nun schon zum 7. Mal ein Open-Air auf dem großen Werksgelände im Industriegebiet in Düsseldorf-Reisholz. Das Programm versprach einiges und die rund 6.000 Besucher wurden nicht enttäuscht. Musikalisch gab es mit amerikanischem Rock'n'Roll, finnischem Comedyrock, mexikanischem Vampirrock und irischem Bluesrock eine bunte Palette diverser Stilrichtungen. Abgerundet wurde das Programm durch die Moderationen eines Rodenkirchener Kochs. Klingt sehr bunt und das war es auch.
Start nach Maß
 Als wir um 16.00 Uhr den großen Innenhof des Motorradausstatters betraten, war dieser bereits ansehnlich gefüllt und nach einer Begrüßung durch den Moderator, der niemand anderes als der bekannte Fernsehkoch Horst Lichter war, betrat mit The Great Crusades die erste Band die große Open Air-Bühne. Nicht nur mir war das Quartett aus Chicago bisher völlig unbekannt, aber trotzdem schaffte es die Band, nach einigen Stücken die Zuschauer in Stimmung zu bringen.
 Die sympathischen Jungs, die alle noch normalen Jobs in ihrer Heimat nachgehen, spielten sauberen Rock'n'Roll mit einem guten Schuss Blues und Surf-Elementen. Nach einer Stunde Spielzeit und dem Prince-Cover "Purple Rain" durfte die Band sogar noch eine Zugabe spielen. Die einzige mir unbekannte Band des Tages zog zufrieden von der Bühne und im Laufe des Abends traf man die Bandmitglieder im Publikum, wo man sich gemütlich bei einem Bier mit den Zuschauern austauschte.
Der ganz normale finnische Wahnsinn
Start nach Maß
 Finnen sagt man einen Hang zur Melancholie und zur Verschlossenheit nach. Doch es gibt auch andere Exemplare, und 12 davon hatten sich in Form der Leningrad Cowboys angesagt. Nach einer erstaunlich kurzen Umbaupause, kamen dann die 'bunten Vögel' des Tages auf die Bühne. Die zehn Musiker, alle mit bekannter Spitztolle und Schnabelschuhen ausgestattet, brachten schon mit den ersten Tönen eine Riesenstimmung ins weite Rund und diese Euphorie sollte auch bis zum Ende nicht mehr abreißen.  Hingucker waren aber ganz klar die beiden Tänzerinnen, die bei Offsprings "Pretty Fly For A White Guy" sogar mal singen durften. Wirklich ein Blickfang, oder wie es Horst Lichter in seiner Anmoderation nannte »Zwei rischtisch leckä Mädchen«.
Musikalisch gab es eine Mischung aus bekannten Rockklassikern, wobei die Stücke alle völlig neue Arrangements bekamen. Bei "Gimme All Your Lovin'" beispielsweise, gab es zwischendurch die ersten Töne der russischen Nationalhymne, oder "Sweet Home Alabama" spielte man als Akkordeonversion.
 Auf der Bühne war ständig Bewegung und als die Band zum Schluss sogar noch zusammen mit Horst Lichter, der sichtlich Spaß hatte, eine tolle Version von "Those Were The Days" spielte, war auch die allerletzte Reihe von den Leningrad Cowboys verzaubert. Natürlich verlangte das Volk nach einer so wahnwitzigen Show mehr und es bekam mehr. Nach "Delilah" gab man mit Neil Youngs "Rockin' In A Free World" eine der ultimativen Bikerhymnen zum Besten. Musikalisch sicher nicht immer die ganz große Offenbarung, aber das war auch hier nicht wichtig, denn der Entertainment-Faktor war entscheidend. Ganz große Show !!!
Die Wüste groovt
 Nach eine weiteren Umbaupause wurde es langsam dunkel und damit auch Zeit für die Tex-Mex-Rocker von Tito And Tarantula. Der Name der Band ist natürlich untrennbar mit dem Tarantino-Klassiker "From Dusk Till Dawn" verbunden und ohne diesen Film würde die Band sicher heute noch irgendwo in Kalifornien durch die Clubs tingeln.
 Umso erfreulicher, dass sie entdeckt wurden. Die Musiker haben neben guten Songs auch einen eigenen Sound, der sich klar von anderen Gruppen absetzt und wirklich etwas Eigenes und Unvergleichliches hat. Der größte Pluspunkt aber ist sicherlich der obercoole Frontmann Tito Larriva.
Mit einem knappen »Olla Amigos« begrüßt er das Publikum um sich dann sofort mit seiner Band für über eine Stunde ganz einem Sound hinzugeben, der beim Hören sofort Wüste, Tacos und Tequilla assoziieren lässt. Ganz wichtig ist, dass man hier von einer coolen, aber nicht unterkühlten Performance sprechen muss. Zwischendurch gibt es in Form einer punkigen Version von "La Bamba" auch mal was zum Lachen. Zum Ende, als es richtig dunkel am Düsseldorfer Himmel geworden ist, durfte dann natürlich auch die Vampir-Hymne aus dem bereits erwähnten Film nicht fehlen.  Nach dem Hit "After Dark" war dann erst mal Schluss. Natürlich kamen die drei Jungs zusammen mit ihrer neuen Bassistin nochmals raus und beim ebenfalls aus dem Film bekannten "Angry Cockroach" rockt das Publikum nochmals gut ab. Dass man sich aber bei aller Coolness nicht zu ernst nimmt zeigt die Tatsache, dass man am Ende von "Angry Cockroach" nahtlos ins mexikanische Volkslied "La Cucaracha" überging. Auch hier beide Daumen hoch für diesen absolut gelungenen Auftritt.
Der göttliche Saitenhexer
 Mittlerweile hatte das Publikum schon über fünf Stunden Programm hinter sich und viele dachten sicher, dass es mit Gary Moore einen ruhigen und besinnlichen Ausklang geben würde, denn der gute Herr Moore ist ja schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Doch Gary Moore war überhaupt nicht nach 'Easy Listening' zu Mute und schon nach dem Opener "Oh Pretty Woman" vom 1990er Album "Still Got The Blues" wurde klar, dass Gary immer noch frisch bei der Sache ist.
 Neben seinen unumstrittenen Fähigkeiten an der Gitarre, präsentierte sich der Ire auch als überzeugender Sänger, was ja bei 'Guitar Heroes' doch eher eine Ausnahme ist. Für mich, der ich mit Alben wie "Run For Cover" und vor allem "After The War" aufgewachsen bin, war es natürlich etwas ungewohnt, dass es keine Hits wie "Out In The Fields" oder "Over The Hills" gab. Aber ich weiß natürlich auch, dass sich Gary Moore seit über 15 Jahren nun mal nur dem Blues verschrieben hat.
Trotzdem gab es auch jede Menge rockige Töne wie Chuck Berrys "30 Days" oder eine geniale Version von Thin Lizzys "Don't Believe A Word".  Seine musikalische Klasse kam aber vor allem bei den langsamen Stücken besonders gut zum Vorschein und nicht nur einmal sah man das Publikum fasziniert auf eine der Leinwände starren, wenn er wieder mal zu einem seiner unnachahmlichen Soli ansetzte. Nach einer tollen Version von "Still Got The Blues" gab es zum Schluss mit "Walking By Myself" den Klassiker seiner Bluesphase und nochmals tobte das Publikum zur späten Stunde.
Auch Gary Moore kam natürlich nicht ohne Zugaben davon und nach dem abschließenden Feuerwerk verließen alle selig kurz vor Mitternacht das Gelände.
Man kann dem Veranstalter zu dieser gelungen Bandauswahl nur gratulieren, oder, um zum Schluss nochmals Horst Lichter zu zitieren: »Wir haben nicht einen Headliner - wir haben vier Headliner«.
Ein herzliches Danke an Friedhelm Kortmann von der Polo-Pressestelle für die schnelle und unkomplizierte Akkreditierung.
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