Fozzy / Remains Alive & Chasing The Grail
Remains Alive & Chasing The Grail Spielzeit: 68:39 (CD 1), 65:09 (CD 2)
Medium: Do-CD
Label: earMusic/Edel, 2011
Stil: Metal

Review vom 24.08.2011


Jochen v. Arnim
Was macht man, wenn einem der Wirbel um den Beruf des Wrestlers nicht mehr reicht? Richtig, man kümmert sich darum, noch mehr Wirbel als Sänger in einer Metalband zu machen. Und wenn man dann auch noch halbwegs singen kann, sollte das auch durchaus von einem gewissen Erfolg gekrönt werden.
So geschehen mit Chris Jericho, seines Zeichens eine der vielen schillernden Gestalten, die einander unermüdlich, um die Gunst des Publikums kämpfend, durch den Ring jagen. Irgendwann war mit dem letzten Gong der letzten Runde dann offensichtlich der Entschluss gefasst, neben dem Wrestling den Mikroständer den Gegner ersetzen zu lassen. Zudem hat der Gute auch noch eine eigene TV-Show und was weiß ich nicht noch alles an Werbeverträgen und, und, und. Also keiner, dem die Bühne und das Showbiz fremd waren, als Fozzy bereits 1999 mit dem Covern berühmter Zeitgenossen wie Maiden, Judas Priest oder Twisted Sister begannen. Es kam dann, wie es kommen musste und nach und nach gesellten sich zu den beiden ersten, ausschließlich Coverversionen enthaltene Studioalben eigene Kompositionen in Form der Scheibe "All That Remains" hinzu, die im Jahre 2005 erschien. Als vierte CD kam danach "Chasing The Grail" auf den Markt, die wir in unseren Breiten jedoch ausschließlich als Import genießen konnten. "Remains Alive" - in Anlehnung an das vorgenannte "All That Remains" - war bis dato nur in digitaler Form erhältlich und wurde vor einigen Jahren während einer Tournee in Australien mit den bis dato größten Erfolgen der Band aufgenommen. In Deutschland sind nun beide Scheiben erstmalig als Doppelpack erhältlich.
"Remains Alive" entstand am 10. September 2005 als Mitschnitt eines Konzerts in Brisbane, Australien. Damals noch zu Fünft unterwegs, gaben Fozzy eine Reihe von gut besuchten Shows quer durch den roten Kontinent. Ob die dreizehn Songs der Scheibe die jeweils komplette Setlist der Konzerte, oder des einen Konzerts, widerspiegelt, vermag ich nicht zu sagen und das Booklet ist in der Hinsicht auch keine große Hilfe. Jeweils eine Doppelseite pro CD, grafisch zwar gut und lesbar aufgemacht, inhaltlich jedoch nicht mehr als die reinen Hard Facts zu den Scheiben. Ich persönlich freue mich ja immer, wenn neben diesen auch noch Texte und weitergehende Info zu den Songs enthalten ist, z. B. wer was geschrieben hat etc., aber Schwamm drüber.
Der Opener "Nameless Faceless" beginnt mit einem bombastischen Trommelwirbel und der üblichen »Are you ready, Brisbane?«-Ansage, bevor ein eingängiger und sehr basslastiger Rhythmus übernimmt, immer wieder untermalt von kleinen schnellen Gitarrenläufen, typisch Heavy Rock/Metal. Jerichos kernige Stimme bedient uns mit einem passenden Gesang, ohne jedoch eine klangliche Dominanz darzustellen - alle Musiker gleichberechtigt? "Don't You Wish You Were Here" und "Daze Of The Weak" haben dann schon mehr typische Metal-Komponenten aufzuweisen mit ein wenig Shredding und Ansätzen von Double Bass. Sehr schön ist die - zwar naheliegende, aber dennoch nette - eingespielte "Verballhornung" der alten australischen, nationalen Sympathiebekundung »Ozzie, Ozzie, Ozzie - oi, oi, oi!« in natürlich »Fozzy, Fozzy, Fozzy…«
"Wanderlust" kommt anfangs sehr schwer daher, erinnert in kleinen Teilen ein wenig an die alten Sabbath, ist durch Breaks und Tempowechsel immer wieder aufgelockert. Jericho wird auch hier gesanglich mit den Backing Vocals des Gitarristen und Produzenten der Scheibe, Rich Ward unterstützt. "Crucify Yourself" vom Album "Happenstance" kommt sehr gut rüber, ist eingängig, mit akzentuiertem Gesang, während das darauf folgende "End Of Days" wieder etwas düsterer klingt, jedoch mit einem schönen Wechselgesang aufwartet. "Freewheel Burning" rennt nur so daher und irgendwie, irgendwie komme ich nicht umhin, beim Hören erneut an Motörhead und Lemmy denken zu müssen, auch wenn der Song im Original von Judas Priest ist. Auf jeden Fall ein Anspieltipp, gefällt mir.
Der Kracher ist "Eat The Rich", die alte Fozzy-Hymne, die natürlich bei Krokus ausgeliehen wurde und die die zweifelsohne tolle Stimmung seinerzeit in Brisbane bestens wiedergibt. Dicht gefolgt von "With The Fire" und "To Kill A Stranger", ebenfalls beide zu den besten Songs der Fozzy-Combo gehörig. Der hämmernde Bass und eingängige Riffs haben sicherlich dazu beigetragen, dass der Band mit diesen Songs auch auf einer breiteren Ebene der Durchbruch gewährt wurde. Eine schöne Live-Scheibe mit vielen mitgeschnittenen Ansagen, die die für meinen Geschmack unabdingbare Kommunikation zwischen Künstler und Publikum beweist und zum live feeling ebenso unabdingbar dazugehört.
"Chasing The Grail" ist ja nun, wie eingangs erwähnt, auch nicht mehr das allerneuste Album, immerhin schon seit gut zwei Jahren auf dem Markt, aber bei uns halt nie verlegt worden.
Mit dem vorliegenden Album haben wir es nun also mit der zweiten Scheibe eigener Stücke zu tun und auch wenn der direkte Vergleich zwischen Live- und Studio-Alben immer etwas hinken mag, so kann man doch als vorweg genommenes Fazit konstatieren, dass sich Fozzy in den zwischen beiden Alben liegenden vier Jahren freigeschwommen haben. Das ist alles viel reifer und akzentuierter geworden. Jerichos Stimme ist modellierter und vermittelt nicht ständig - zwischen den bildhaft gesprochenen Zeilen - den Eindruck der effektehaschenden Rampensau. Bei ihren ersten beiden Alben waren ja immer mal wieder teils vernichtende Stimmen laut geworden, - zumindest klingen sie mir noch ganz weit hinten in den Ohren - Fozzy seien lediglich eine Spaßcombo, die außer dem mehr oder weniger gelungenen Covern nicht viel auf die Kette bekämen. Not anymore, folks! Gleichwohl hatte man ihnen aber seinerzeit nie nachsagen können, sie hätten keinen Spaß gehabt - und diesen Spaß an der Sache haben sie erfolgreich auf das Publikum übertragen können.
Als exemplarische Nennung möchte ich auf einige der 'neuen' Stücke kurz eingehen und dabei sticht zum Beispiel "Grail" ganz besonders eingängig hervor und schraubt sich mit guten Riffs und etwas Double Bass in die Ohren. Mit "Martyr No More" mag sich der eine oder andere Hörer ebenfalls auf vertrautem Gebiet wiederfinden, denn der Song wurde in 2010 zum Titelsong des Royal Rumbles der WWE (World Wrestling Entertainment) bestimmt. Fast balladenhaft kommt im Kontrast dazu "Broken Soul" daher, wobei hier besonders die stimmlichen Fähigkeiten hervorgehoben werden sollen, da hat jemand aber erfolgreich Unterricht genommen.
"Let The Madness Beginn" haut direkt danach schon wieder richtig gut auf die Ohren, sehr rifflastig, und der Gesang erinnert hier ein wenig an einen Kollegen, dessen Name ebenfalls auf 'zzy' endet - eindeutig ein Anspieltipp. Im selben Atemzug muss "God Pounds His Nails" genannt werden, der einige Parallelen zu "Madness" aufweist, aber noch mehr in Metal-Manier rüberkommt. Etwas aus der Reihe fällt der letzte Track der Scheibe "Wormword", mit seinem Intro und dem abrupten Übergang zu seichter Gitarrenmusik - die natürlich nicht lange währt und bald von einem harten Riff und treibenden Toms abgelöst wird. Insgesamt ein Song, den man sich nicht nur ein Mal anhören darf, denn erst dann eröffnet sich dessen Gesamtkonstrukt, das clever arrangiert und sehr gut vorgetragen ist. Erwähnenswert ist auch der schöne Titel des neunten Stückes, "Paraskavedekatriaphobia", was soviel bedeutet, wie Angst vor Freitag, dem 13. zu haben - klasse.
Alles in allem liegen mit diesem Doppelpack zwei Scheiben vor, die eine überaus passende Kombination bieten. Wer sich einen guten Querschnitt durch das eigenständige Schaffen von Fozzy gönnen möchte, der ist hiermit bestens bedient. Einerseits haben wir die Möglichkeit, die (positive) Entwicklung zu hören und auf der anderen Seite gibt es wirklich ehrliches Live-Feeling durch den gut abgemischten Konzertmitschnitt.
Line-up (Remains Alive):
Chris Jericho (voc)
Rich 'The Duke' Ward (g/voc)
Mike Martin (g)
Sean Delson (b)
Frank Fontsere (dr)
Line-up (Chasing The Grail):
Chris Jericho (voc)
Rich 'The Duke' Ward (g/voc)
Sean Delson (b)
Frank Fontsere (dr)
Tracklist
Remains Alive:
01:Nameless Faceless
02:Don't You Wish You Were Here
03:Daze Of The Weak
04:Wanderlust
05:Crucify Yourself
06:End Of Days
07:Freewheel Burning
08:Eat The Rich
09:Ignition
10:Feel The Burn
11:With The Fire
12:To Kill A Stranger
13:Enemy
Chasing The Grail:
1:Under Blackened Skies
2:Martyr No More
3:Grail
4:Broken Soul
5:Let The Madness Beginn
6:Pray For Blood
7:New Day's Dawn
8:God Pounds His Nails
9:Paraskavedekatriaphobia
10:Revival
11:Wormword
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