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Immer mehr Nordamerikanern geht das debile Liebesschnulzengedudel der angesagtesten Countryradiostationen gewaltig auf die Senkel. Der Mainstream des Genres hat die Grenze zum Hirntod bereits seit langem passiert. Immer mehr Nordamerikaner sehnen sich stattdessen nach überzeugenden Interpreten, bei denen die Old School-Wurzeln des Genres wieder frische Triebe ausschlagen. Der Baum scheint marode - die Wurzeln sind allerdings immer noch triebkräftig. Leute wie Frank Foster beweisen eindrucksvoll, dass der Country auch mit mittlerweile dreizehn Jahren Verspätung im neuen Jahrtausend anzukommen vermag.
Foster, tief in Louisiana aufgewachsen, hat genau diesen 'Southern Soul' drauf, der durch die 'Muscle Shoals-Fraktion' in die große weite Welt des Rock hinausgetragen wurde. 'Soul' bezieht sich dabei weniger auf den eigentlichen Musikstil, sondern auf die seelenvolle Art, mit der Country- und Southern Rock hier interpretiert werden. Falls es der jeweilige Künstler denn versteht, das Lebensgefühl des Südens in authentische Tonfolgen zu transportieren. Die meisten seelenfreien Country-Klone versuchen sich erst gar nicht daran... was vielleicht auch besser so ist!!
Nur ein knappes Jahr nach dem ambitionierten "Red Wings & Six Strings" (und damit locker im Jahresrhythmus bleibend) schob Frank Foster im Spätherbst des erst kürzlich vergangenen Jahres "Southern Soul" nach, sein drittes Album seit dem Debüt "Rowdy Reputation". Ein weiterer Schritt nach vorne, der die noch junge Karriere des Countryrockers befeuern sollte.
Der blutjunge 'Golfküsten-Cowboy' hat die Sounds der legendären Williams- und Jennings-Familien verinnerlicht und mit seiner offensichtlichen Vorliebe für Charlie Daniels, die Marshall Tucker Band oder die frühen Outlaws verwoben. Aus diesen (und weiteren) Einflüssen sind elf Songs entstanden, die ebenso knackig-frisch wie ehrlich-handgemacht daherkommen und mit dem genretypisch-unverzichtbaren, cremigen 'Schmalz' ausgestattet sind. Die elektrischen Gitarren haben eine enorme Bodenhaftung, die akustischen schrammeln gefühlvoll, und wenn das Bottleneck-Röhrchen zum Einsatz kommt, glüht der Süden plötzlich wie die hinter einem Bayou untergehende Sonne auf.
Foster, dessen Feder die Stücke ausnahmslos entsprungen sind, verfügt über eine glänzende, seelenvolle Stimme und das traumwandlerisch sichere Gefühl für die stimmige Hook. Wenn man dem Mann unbedingt was 'an die Backe nageln' will, dann höchstens die etwas altbackenen Texte, die mit so manchem Klischee behaftet sind. Aber, liebe Leute, wir hören hier immer noch Country und so was gehört einfach dazu. Meint jedenfalls einer, der sich keinesfalls als Redneck fühlt, auch wenn er dort lebt, wo sich Fuchs und Hase abends gemeinsam mit 'ner Wildsau ein Urpils öffnen.
Mit "Crazy Country Night" und satt bratenden Gitarrenlicks startet Mr. Foster standesgemäß in "Southern Soul". Wenig später setzt das 'sumpfige' "Backwoods Babydoll", im Skynyrd-Sound der 90er und mit einer Gary Rossington-Gedächtnisslide veredelt, das erste dicke Ausrufezeichen! Sehr schön fügen sich hier die flirrende Hammond B3 und das knurrige Wurlitzer des musikalischen Gastes Dave Cohen ein, seines Zeichens ein Musikveteran und Gründungsmitglied von Country Joe And The Fish. Sehr traditionell und 'old-timey' knarzt Foster dagegen, dass die "Good Old Days Are Gone" sind. Richtig saftig-fett rockend geht "Gettin' Right" in die Vollen. Überhaupt gefällt mir dieses Album dann am besten, wenn herzhaft 'gritty' - wie in "Miss Those Days" - gerockt wird. Aber auch Balladeskes kommt nicht zu kurz - herrlich, wie in "Against The Wall" und vor allem den beiden melancholischen Nummern "Old Man In Me" und "Been Gone" (jeweils tolle Lap Steel-Parts von Kyle Everson!) die Tränendrüsen gemolken werden.
Kein einziger Griff ins Klo muss unter den elf Songs vermeldet werden. Ein Umstand, der (zumindest für meinen Geschmack) im Country Rock-Genre ansonsten recht selten vorkommt. Mit "Backwoods Babydoll" ist sogar ein Podestkandidat für die Kategorie 'Song des Jahres 2014' dabei!
Lange Rede - kurzer Sinn: "Southern Soul" stellt gleichermaßen ein Muss für Freunde des Country- wie des gepflegten Southern Rock dar. Frank Foster - ein Name, den man sich unbedingt merken sollte!
Line-up:
Frank Foster (lead vocals, acoustic guitars)
Chris Lohr (guitars)
Topher Peterson (guitars)
Caleb Hooper (bass, background vocals)
Jeremy Warren (drums, percussion)
Additional Musicians:
Dave Cohen (Hammond B3, keyboards)
Kyle Everson (lap steel, Dobro)
Brian Troester (acoustic guitar)
Chris Harris, Zac Kubilus (background vocals)
| Tracklist |
01:Crazy Country Night (3:20)
02:Bringin' My Pole (3:17)
03:Backwoods Babydoll (3:39)
04:Who I Am (4:18)
05:Good Old Days Are Gone (3:10)
06:Old Man In Me (4:37)
07:Gettin' Right (4:12)
08:Miss Those Days (3:40)
09:Against The Wall (4:57)
10:Been Gone (4:52)
11:That Kid (5:55)
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Externe Links:
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