Fu Manchu? War das nicht der sadistische Superverbrecher, der immer die Weltherrschaft an sich reißen wollte?
Wenn mit dem Namen dieser graduierte Wahnsinnige gemeint ist, sicherlich. Aber wir haben es mit vier Typen aus USA-sien zu tun, die Platten aufnehmen dürfen. Und das nicht erst seit gestern. Die erste Single erschien bereits 1990. Die Allgemeinheit bezeichnet die Art von Musik, wie sie von Fu Manchu gespielt wird, als Stoner-Rock.
Insgesamt gesehen besteht der 2004'er Output mit dem Namen "Start The Machines" aus einer eintönigen Melange von einfallslosen Riffs, brummigem Sound und so etwas wie genervtem oder besser, nervendem Gesang.
Fangen wir auch gleich damit an. Für ihn ist ein gewisser Scott Hill verantwortlich. Für das, was die Band im Booklet als Backing Vocals bezeichnet, stehen alle Fu Manchus gerade. Zurück zu Mr. Hill. Also, ein Shouter ist er nicht, eine Rock-Röhre noch viel weniger. Er quäkt dünn und ohne viel Volumen vor sich hin. Am härtesten sind aber seine "Gesangslinien". Er intoniert sie nämlich weitest gehend ohne Melodien. Der Ausdruck "Gesangsgraden" würde deswegen vielleicht besser passen. Irgendwann zum Ende eines Satzes oder im Refrain bellen die anderen Fu Manchus dann ihren Text dazu. Kann sich noch jemand and die Beastie Boys erinnern? Die sangen einen ähnlichen Stil.
Der Sound ist trocken, irgendwie dumpf und über die ganze Platte hinweg gleich. Variationen sind Fehlanzeige. Aber er ist intensiv, dass muss man dem Producer lassen.
Die Riffs sind so eine Geschichte für sich. Bis auf das kurze Instrumental "Out To Sea" folgen sie alle dem gleichen Strickmuster. Das kann man zwar auch AC/DC vorwerfen. Aber die nerven erst nach über 30-jähriger Bandgeschichte und einem ganzen Sack voller Alben und nicht schon nach 40 Minuten. Wenn überhaupt!
Was bleibt ist ein verzweifeltes Flehen: "Herr, wirf Inspiration vom Himmel!"
Davon abgesehen, die Gitarrenlicks von "Make Them Believe" klingen tatsächlich ein wenig nach den Australiern. Aber natürlich, das gibt sich bald. Immerhin kommen die Fu Manchus im Song auf dieses Thema nochmals zurück.
Nach ungefähr 7 Umläufen gibt es sogar noch einen zweiten Song, dessen Eingangssequenz hängen bleibt. Lustigerweise handelt es sich dabei um "It's All The Same". Verdammt, es werden sogar schwache Erinnerungen an Paradise Lost wach, als die noch eine Axt aus gotischen Schwermetall in ihrem Repertoire hatten. Wertet diesen Song hier bitte gleich als Anspieltipp.
"Start The Machine" hört sich an wie eine CD von verwöhnten weißen Collegeboys, die zwar insgeheim auf Rap abfahren, aber verzerrte Gitarren bedienen müssen, weil Mary-Jane oder Clarissa-Anne nur noch auf kariert-behemdete Loser aus Seattle stehen, seit sie endlich ihre Zahnspangen los sind.
Zu Motörhead gehört der Whiskey, so wie Dope zu Peter Tosh. Schwer zu sagen, womit man sich Fu Manchu schön dröhnen kann. Ich tippe mal auf irgend ein Designer-Zeugs und einem Tablett voller Fastfood.
Das Booklet bietet auch nicht gerade Infos im Übermaß. Drinnen gibt's ein Action-Foto, die Besetzungsliste und die üblichen Credits. Die Songtexte sucht man vergebens. Na ja, wer weiß wozu das gut ist.
Eine Frechheit ist die Spielzeit von knauserigen 35:36 Minuten. Immerhin bringen die Jungs darin 12 Songs unter. Aber vielleicht fanden sie so eine Zahlenkombi auch einfach nur witzig. Die Fans jedenfalls hätten über 58:59 mehr gelacht.
Na ja, wer weiß, wozu das noch gut ist
"Start The Machine" pegelt sich auf der hirnimmanenten Wahnwirtz Skala so gerade mal auf 2.
Spielzeit: 35:36, Medium: CD, drt Entertainment, 2004
1:Written In Stone 2:I Can't Hear You 3:Understand 4:Make Them Believe 5:Hey 6:I'M Getting' Away 7:Out To Sea 8:Open Your Eyes 9:Today's Too Soon 10:It's All The Same 11:Tunnel Vision 12:I Wanna Be
Olli "Wahn" Wirtz, 10.02.2005
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