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"Am Anfang schuf Gott die Gitarre, dann züchtete er Gitarrengötter, um sie spielen zu lassen.....".
Diesen Satz las ich dieser Tage in einer bekannten Musikzeitschrift und der gefiel mir auf Anhieb.
Da ich für meine ausgesprochene Gitarrenfricklerleidenschaft bekannt bin, ist mir deshalb wohl auch diese CD zur Besprechung auf den Tisch geflattert.
Also gut, etwas skeptisch zwar, aber mit keinerlei Vorbehalt hab ich mir das Teil in den Player eingelegt um mich überraschen zu lassen.
Was sich mir da gleich zu Anfang bietet, hört sich erst einmal ganz gut an: Maestro Gregory bietet erst einmal ein richtig schönes Frickelsolo zur Einstimmung beim Opener "Buskin'At The Strip", um dann rock'n' roll-mäßig ordentlich zur Sache zu gehen.
Hier wird also klassisches Gitarrenspiel mit Heavy Metal kombiniert. Der Vergleich mit Malmsteen drängt sich mir natürlich sofort auf und das nicht ganz zu Unrecht, wie sich herausstellt: beide Gitarrengötter sind miteinander befreundet.
"Crossroads", im Original von Robert Johnson und schon tausende Male gecovert (u.a. von Lynyrd Skynyrd, den Allman Brothers, Cream usw.) wird ebenfalls wieder durch ein kurzes Gitarren-Solo eingeleitet, um dann in diesen schönen bluesigen Rhythmus überzugehen. Diesem Stück wird hier richtig frisches Leben eingehaucht.
Den folgenden Song "Cynthia" könnte man fast als Pop bezeichnen, da er den Zuhörer mit eleganter Leichtigkeit verwöhnt.
"Strat The Cat" entfacht dann dagegen einen regelrechten Orkan! Mit atemberaubender Geschwindigkeit wirbeln die Finger des Meisters über die Saiten, ganze 1:36 Minuten energiegeladenes Gitarrenspiel vom Feinsten.
"Heavy Metal Mandolin Boogie" ist genau das, was der Titel sagt: knallharter Metal-Boogie.
Nach diesem Lehrstück in Sachen Metal Mandolin muss man schon wieder die Gefühle wechseln, denn genau so, wie Alex Gregory Metal spielen kann, beherrscht er auch den Blues - und wie! Das beweist er eindrucksvoll mit "Gatto Carlo's Groove". Hochgeschwindigkeitsfrickeln in Perfektion, wie soll ich es anders ausdrücken? Da hält man regelrecht den Atem an. Ein sehr schöner Song, der mir bestens gefällt.
Wunderschöne und besinnliche Momente bietet ein kurzes akustisches Zwischenspiel mit "Red Neck Punk Lullaby", und anschließend verwöhnt ein weiterer Bluessong vom Feinsten: "Dead Majo Blues" lässt meine Nackenhaare einzeln aufstellen und so manchen Bluesgitarristen alt aussehen. Anfangs leicht schwebend getragen, nimmt das Stück gegen Ende an Geschwindigkeit ordentlich zu. Göttlich!
Und wieder und wieder ist man gezwungen, die Gefühle zu wechseln, ob nun bei "Juke Box Gigue", "Sunshine Of Your Love" (dieser Song ist ebenfalls ein Cover: Cream veröffentlichten "Sunshine Of Your Love" erstmals 1967 auf ihrer Scheibe "Disraeli Gears"), "She Got Her Knickers Down" oder auch "Plugged In Strauss". Ja natürlich, sogar dieser bekannte Strauss-Walzer hat Platz auf der CD gefunden. Ein bisschen Spielwitz muss schon sein. Herr Gregory lässt einfach bis zum letzten Song des Albums keine Langeweile aufkommen.
Immer wieder bewundernswert, mit welcher Leichtigkeit der Maestro seine Finger über die Saiten flitzen lässt.
Natürlich tat sich der Saitenhexer für dieses musikalische Meisterstück mit gestandenen Musikern zusammen. Drummer Mark Craney hat bereits seine Visitenkarte u.a. auf den Alben folgender Bands abgegeben: Fairport Convention, Jethro Tull, Gino Vanelli, um nur einige zu nennen.
Und Mr. Matt Bissonette hinterließ seine Spuren ebenfalls auf den verschiedensten Silberlingen, wie z.B. bei Jason Becker, Gregg Bissonette (hier mit Bass, Piano, Trombone und sogar Backing Vocals), Lita Ford, Julian Lennon, Keiko Matsui, Bette Midler, Joe Satriani usw. Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen.
Was erwartet den Käufer also?
Ein Instrumental-Album mit knackiger Heavy Metal-Gitarre; Folk-, Klassik- sowie Bluespassagen wechseln sich regelmäßig ab. Teilweise ist es sogar mit locker poppigen Einflüsse gespickt.
Man nehme die Hochgeschwindigkeitsfrickelei eines Yngwie Malmsteen, streue den bluesigen Touch eines Richie Blackmore sowie eine Prise Innovation eines Steve Vai dazu und vermische alles mit dem Können und Spielwitz eines Stevie Ray Vaughan und.....
Ach, was sag ich: für Fans reiner Instrumental-Alben und Gitarristenfreaks bestens geeignet. Alle anderen sollten die Finger davon lassen.
Einziger Kritikpunkt: viel zu wenig Spielzeit.
Spielzeit: 36:28, Medium: CD, Nidus Music Productions 2000
1:Buskin' At The 2:Crossroads 3:Cynthia 4:Strat The Cat 5:Heavy Metal Mandolin Boogie 6:Gatto Carlo's Groove Strip 7:Red Neck Punk Lullaby 8:Dead Mojo Blues 9:Juke Box Gigue 10:Sunshine Of Your Love 11:She Got Her Knickers Down! 12:Plugged In Strauss
Ilka Czernohorsky, 08.11.2002
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