GiftDwarf / Same
GiftDwarf Spielzeit: 47:32
Medium: CD
Label: SAOL/H'Art Music, 2011
Stil: Comedy Heavy Metal

Review vom 10.04.2011


Jens Groh
»Headbanger? - Was dann Ritchie? - Ach nix! - Dann halt einfach's Maul!!!«
Wer kennt die Frankfurter Badesalz nicht??? Zugegeben, deren Bekanntheitsgrad ist erst in den letzten Jahren so richtig gestiegen, denn zuvor war der Humor der Herren Nachtheim und Knebel doch etwas zu regional angesiedelt. Und wer weiß denn schon außerhalb von Offenbach (dessen Autokennzeichen OF gerne als Ortsteil Frankfurt verarscht wird), was ein Offenbacher Orakel ist?
Obwohl, ganz soo comedyhaft ist die ganze Chose gar nicht mal. Hatte ich doch eher etwas in Richtung Flatsch!, die ja jahrelang die Stammband von Gerd Knebel waren, erwartet, also eher Rock, wird einem hier maßgeblich die Rübe von der Schulter geschraubt.
Schuld, oder besser gesagt, dass der 'Geschenk Zwerg' etwas mehr in die Schwermetallkiste donnert, ist der Verdienst von Uwe Lulis, der schon bei Grave Digger die Sechssaitige schwang, wie auch Gerd Lücking (Drums) Rebellion.
Amtlich rumpelt die erste Scheibe des Fünfers aus der Anlage, eine Produktion, die sich auch nicht hinter der von Bands wie Lulis' ehemaligen Arbeitgebers (Grave Digger) verstecken muss.
Fast schon zwangsläufig ist, dass die 'zwergige' Scheibe auch ähnlich wie eine Platte des 'Gräberschauflers' klingt. Hier könnten Fans von Boltendahl und Co. eigentlich schon mal direkt zugreifen.
Eigentlich deshalb, weil die Stimme des Herrn Knebel einem nach kurzer Zeit schon ein wenig, ich drücke es mal vorsichtig aus, den Nerv rauben kann. Nicht, dass der glatzköpfige Hobbyheadbanger nicht singen könnte, NEIN! Seine Stimmlage ist halt nur etwas mehr auf Rock ausgerichtet. Soll heißen, gegen die massiven Gitarrenwände und Doublebassdrums muss er doch etwas mehr ankämpfen/-singen. Was dann und wann doch etwas gequält klingt.
Hat man sich aber daran gewöhnt, bzw. ist sowieso ein Fan des hessischen Wort-Akrobaten, steht dem nichts mehr im Wege, sich ein gelungenes, wenn auch nicht allzu sensationelles Debüt einzuverleiben.
Die Comedy, die die Geschenke-Zwerge (nebenbei, 'GiftDwarf' ist ein geniales Wortspiel) mitführen, wirkt sich einzig und allein in den Texten aus. Jene sind alle in Denglisch gehalten, also ein verqueres Konglomerat aus deutsch und englisch.
Zynisch, immer auch irgendwie richtig bösartig sind sie, die Verbalattacken, was Songtitel wie "Bo(W)Frostman", "Metal Bürohengst", und "My Mother Looks Like Lemmy" verdeutlichen. Letzterer ist nicht nur textlich eine Verneigung an die Oberwarze, auch musikalisch wird der Speed-Junkie geehrt.
Wer also Bock auf richtig guten Metal, gepaart mit fiesen Texten und guter Laune hat, der ist mit dieser Scheiblette bestenst beraten.
Ich hoffe, die namenlose erste Platte ist nicht nur eine Eintagsfliege oder eine Arbeitsmaßnahme des Offenbacher Arbeitsamtes für die Dame und die Herren. Denn was sollte man sonst machen, außer vielleicht noch Co-Orakel oder Zuhälter werden?
Hier sind emol lusdische sibbe Bembel, äh, Punkte angesaacht, gelle?!?
Line-up:
Gerd Knebel (vocals)
Natalie Eis (bass)
Olaf Mill (guitars, harp, trumpet)
Uwe Lulis (guitars)
Gerd Lücking (drums)
Tracklist
01:iPott
02:Fritz
03:I Saw It On The News
04:Holiday
05:My Mother Looks Like Lemmy
06:Bo(W)Frostman
07:Amtssprache
08:Pavarotti's Thoughts
09:Primitive
10:My Place
11:Ebay
12:Two Moons
13:Metal Bürohengst
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