
Auch in diesem Jahr eröffnen Grave Digger in Glauchau, genau wie vor zwei Jahren auch schon, für mich ein hoffentlich konzertreiches Jahr.
Ich bin gespannt, ob die "Alte Spinnerei" diesmal wieder genauso gut besucht ist wie damals, und meine Erwartungen werden nicht enttäuscht, die Spinnerei ist proppenvoll. Es gibt sie also doch noch, die lang- und kurzhaarigen Metaller. Diese Feststellung ist doch beruhigend.
Anfangs füllt sich die Spinnerei nur kleckerweise. "Schuld" daran waren die sorgfältig durchgeführten Sicherheitsmaßnahmen. "Wegen einer Bombendrohung" erfahre ich später von Grave Diggers Manni Schmidt und Stefan Arnold. Es gibt eben immer wieder ein paar Gehirnamputierte. Aber das tut der guten Laune noch lange keinen Abbruch.
Tierra Santa eröffnen den Gig. Der Name sagt mir zwar was, aber von deren Mucke habe ich keine Ahnung. Deshalb frag ich den Manni vorsichtshalber schon mal danach und er meint, dass man sie als "alte" Iron Maiden aus Spanien bezeichnen könnte. Ich bin gespannt und werde wirklich nicht enttäuscht. Es wundert mich deshalb überhaupt nicht, dass die Band ordentlich abgefeiert wird. Witzig: sie singen spanisch.

Danach entern Brainstorm die Bühne und die Post geht ganz gewaltig ab.
Der Mob beginnt zu toben und mit Inbrunst werden die Flöhe aus den Matten geschüttelt.
Es wird eng an der Bühnenabsperrung und die Band setzt alles daran, uns die Lauscherchen ganz ordentlich durchzupusten. Es ist klar, Brainstorm haben viele Fans, die extra wegen ihnen zum Konzert gekommen sind.
Wie können Grave Digger das toppen? Brainstorm haben die Messlatte sehr hoch gelegt.
Aber die Frage ist schnell beantwortet: sie können - und wie!
Mit einem Intro wird der Gig eröffnet, danach folgen die beiden Nackenbrecher "Son Of Evil" und "Raven" aus dem neuen Album "The Grave Digger", und schon diese beiden Stücke werden mächtig abgefeiert.
Ich bin überrascht, wie gut der neue Gitarrist Manni Schmidt von den Fans aufgenommen wird. Sicher sind viele Digger-Anhänger der gleichen Meinung wie ich auch: er bringt neuen Wind in die Band und er ist phantastisch.
Für alle Nichteingeweihten: Manni war bis 1994 Gitarrist bei Rage.

Es folgt eine Zeitreise durch die Alben "Knights Of The Cross" (z.B. "Lionheart", "Tunes Of War", "Symphony Of Death" (mit einem Medley)), "Excalibur" ("Morgane Le Fay", "Excalibur") und auch Tracks aus "The Grave Digger" werden eingeflochten.
Klassiker mischt man geschickt mit neuen Songs und jedes einzelne Stück wird mit Hingabe vom "Reaper" Chris zelebriert. Sein Stageacting ist immer wieder beeindruckend.
Der Höhepunkt des Gigs war für mich "Silence". Chris beweist damit allen Zweiflern, dass er wirklich und wahrhaftig singen kann und nicht nur grunzen. Dieser Song war live absolute Pflicht und so manchem Fan klappt vor Ehrfurcht und Staunen die Kinnlade runter. Manni untermalt den Song mit kleinen, aber feinen Soli, Gänsehaut pur!
Danach heißt es wieder, Kinnladen zurückklappen und weitermoshen!
Mit dem Hammersong "Rebellion" aus "Tunes of War" wird ein Set beendet, der zunächst keine Wünsche offen lässt, oder etwa doch?
 Nach lautstarken Beifall- und Zugaberufen kommen die Grabschaufler zum Intro "Raven" auf die Bühne zurück, um noch einmal richtig Gas zu geben und uns "The Grave Digger", "The Roundtable" und natürlich "Heavy Metal Breakdown" um die Ohren zu knallen, dass es kracht.
Nach gut zwei Stunden beendeten Grave Digger einen triumphalen Set. Sie sind live eine Granate und für mich nach wie vor einfach Kult.
Bilder vom Konzert
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