Guitar Pete / Raw Deal
Raw Deal Spielzeit: 56:05
Medium: CD
Label: Grooveyard Records, 2011
Stil: Heavy Blues Rock

Review vom 04.12.2011


Mike Kempf
Guitar Pete alias Peter Vincent Brasino. Beim Erklingen des Namens erinnere ich mich spontan an die einstigen Revolverhelden Billy the Kid, Wyatt Earp oder Jesse James, die im 19. Jahrhundert mit ihren 'Schießeisen' besonders flink umgehen konnten und sich somit einen legendären Ruf verschafften.
Zwar bedient sich Pete keiner Schusswaffe, sondern seiner Stromklampfe, der er in einer knappen Stunde alles abverlangt! Und zwar wirklich - ALLES! Schon beim Eröffnungssong und Titeltrack "Raw Deal" sollte der Konsument bereit sein, sich auf seinen angebotenen 'Deal', in dem er reichlich Gitarren-Power serviert, einzulassen. Passend zu seinem 'Axt-Inferno' schmettert er seine Whisky-durchtränkte Kehle ins Mikro, die ich mit 'gut' bewerte.
Er muss grenzenlos in seine Klampferei verliebt sein. Denn wie ist es sonst zu erklären, dass er seiner Kundschaft eine Salve nach der anderen anbietet? Deshalb schon jetzt: Wem extremes Saitengezupfe generell zu schwer verdaulich ist, der kann sich das Lesen folgender Zeilen sparen. Wer aber auf ein konstantes Gitarren-Gewitter mit heftigem Blitzeinschlag steht, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Klasse gemacht auch das mit Slide-Gitarre garnierte Skynyrd-Cover "Gimme Back My Bullets", das eine gehörige Portion Southern-Spirit verströmt.
Während von Song eins bis neun geschreddert wird was das Zeug hält, ist "Dead And Gone" fast schon ne Ausnahme! Hat er anfänglich das Lied in ein Balladen-Kleid gesteckt, um hintenraus doch wieder den Gitarren-Hexer heraushängen zu lassen. Auch das folgende Instrumentalstück, "Mudslinger", fängt erstmal harmlos an, endet aber wie alle Teile der Platte im Spielrausch des US-Boys. Da gehen sogar seine musikalischen Mitstreiter in Form vom Bassisten Mitch Haft und Drummer Anthony Bernardo - obwohl sie dem Chef einen grundsoliden Klangteppich bereiten - fast völlig unter.
Zum Ende des Bewertens gelange ich zur der Erkenntnis, dass ich hier kein reines Blues Rock-Album checke, sondern eher eine Heavy Blues Rock-Platte begutachte. Und selbst mir, der voll auf Gitarrensoli steht, ist es fast zu viel des Guten. Trotzdem und keine Frage, Pete hat nachhaltig bewiesen, dass er ein begnadeter Saitenspezi ist, und wäre er gut 150 Jahre früher geboren und anstelle seiner Gitarren mit Handfeuerwaffen durchs Land gezogen, er hätte garantiert fast jedes Duell gewonnen, jeden Gegner durchlöchert und sich längst unsterblich in die Geschichtsbücher eingetragen.
Ich selbst bin ein wenig hin- und her gerissen. Finde ich seine Fingerfertigkeit am Sechssaiter sehr gekonnt, sind mir die Songs zu einfach und vorhersehbar entworfen worden. Letztlich kann ich zumindest ein Reinhören anraten, kann es die Hilfestellung sein um zu entscheiden, ob "Raw Deal" in den einen oder anderen Nikolaus-Cowboystiefel wandern soll oder alternativ dann doch lieber ein Colt aus Schokolade.
Line-up:
'Guitar Pete' Brasino (lead vocals, lead guitar, harmonica)
Mitch Haft (bass)
Anthony Bernardo (drums)
Tracklist
01:Raw Deal
02:Battle Cry
03:All Fired Up
04:Gimme Back My Bullets
05:Born To Lose
06:Too Far Gone
07:Dead And Gone
08:Mudslinger
09:Love Me Or I'll Kill You
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