The Gunn Runners Band / License To Carry
License To Carry
Gunn? King Crimson-Fans werden zunächst an Trey Gunn denken, aber um den geht es hier nicht. Diese vierköpfige Formation wurde 2003 in Südwest-Florida gegründet, dessen Kopf ein mittelalter Herr namens Frankie Gunn ist, der sowohl eine sehr gute Lead-Gitarre spielt als auch einer der Sänger ist. Weitere Mitglieder sind Ed Coleman (Gesang und akustische Gitarre) plus - was für eine Überraschung! - ein Schlagzeuger und ein Basser. Namen sind unwichtig, da ihr Spiel wenig zum Geschehen beiträgt. Nun haben 2005 die Jungs ihr Debütalbum vorgelegt.
Los geht's mit einem locker-flockigen Southern-Country-Westcoast-Rocker, der vorwiegend vom bereits erwähnten exzellenten Gitarrenspiel lebt, welches allerdings gegen eine von Hughie Thomasson geführte Plagiatsklage keine Chance hätte. Der Gesang ist wenig ansprechend und wirkt leblos (wie über weite Strecken des Albums), die Rhythmussektion spielt ihren Part nur so herunter. Das zweite Stück ist eine nette Rockabilly-Nummer mit Piano-Einsatz, ganz im Stil der Ghost Riders Band. Danach folgt eine Coverversion des Marshall Tucker Band-Klassikers "Can't You See", leider wieder mit diesem seelenlosen Gesang. Diesen Song spielt wahrscheinlich jede Nacht irgendeine viertklassige Bar-Band irgendwo in den USA und außerdem wurde er in den letzten Jahren sowohl von den Road Dawgs als auch von der Sam Morrison Band gecovert. Toy Caldwell dreht sich im Grab...
Das erste absolut überzeugende Stück ist der Funk-Rocker "Court Of Love", der etwas an Allgood erinnert und bedauerlicherweise zweieinhalb Minuten dauert. Nur, was soll dieser Stil-Misch-Masch? Vier Songs und ebenso viele Richtungen - wo bleibt die Konsistenz, das musikalische Konzept, meine Herren? Wäre das nicht schon erschreckend genug, folgt später mit "Team Drink" ein Rap-Crossover-Party-Track! Man fragt sich zwangsläufig, ob die vier gestandenen Musiker bei den Aufnahmen noch alle Tassen im Schrank hatten. Auf so etwas fahren die deutschen Florida-Urlauber und die amerikanischen Rentner wohl nicht mal im Delirium ab.
Zwei weitere Cover gibt es mit "Sandman" von America (wer's braucht...) und eine neunminütige Version des Clapton-Langweilers "Wonderful Tonight". "Cold And Lonely" ist ein weiterer netter Country-Rock-Song, nur der Gesang... Die groovende Blues-Pop-Nummer "Lay Your Bets Down" (warum nicht Betts?) weiß zu gefallen und einen versöhnlichen Abschluß gibt es mit "With You", das eine nur von den beiden Gitarren begleitete Ballade ist.
Diese Platte ist etwas für Southern-Rock-Komplettisten, die jede Veröffentlichung haben möchten, wo auch nur ein einziger Südstaaten-Klassiker gecovert oder auch nur ein Solo an einen Guitar-Hero der 70er erinnert. Falls die Gunn Runners mit einer zweiten Veröffentlichung planen, müssen sie sich erheblich steigern. Sonst könnten es passieren, dass ihre Lizenz nicht verlängert wird.


Spielzeit: 45:40, Medium: CD, Gunn Runners Records, 2005
1:Boca Grande 2:Put Your Money Where Your Mouth Is 3:Can't You See 4:Court Of Love 5:Sandman 6:Cold And Lonely 7:Lay Your Bets Down 8:Team Drink 9:Wonderful Tonight 10:With You
Janos Wolfart, 02.05.2006