Matthew Good / Arrows Of Desire
Arrows Of Desire Spielzeit: 78:20
Medium: CD
Label: Frostbyte Media (Universal Music Canada), 2013
Stil: Alternative Rock, Singer/Songwriter

Review vom 30.11.2013


Günther Klößinger
Der gute Matthew will's endlich wissen: In seiner Heimat Kanada seit Längerem ein Star, schießt der rockende Singer/Songwriter mit seinen "Arrows Of Desire" ("Pfeile der Sehnsucht") erneut in Richtung Europa. Bereits 2012 legte er eine internationale Veröffentlichung vor: "Old Fighters" war eine Bestandsaufnahme seines vorherigen Wirkens, eine "Best Of"-Compilation, vom Meister höchstpersönlich handverlesen. Hier präsentierte sich Good als engagierter Musiker, der seine aussagestarken Lyrics in Songs zwischen Power, Melodik und Dramatik zu verpacken weiß. Vom Dylan-esken Folkrock bis hin zu U2-liken Hymnen reichte die stilistische Palette.
Kompositorisch ist sich der kanadische Rocker mit seiner neuen Produktion ebenso treu geblieben wie auf der inhaltlichen Seite. Dennoch kommt "Arrows Of Desire" wesentlich energetischer und kraftstrotzender daher als der Vorgänger. Die Tracks klingen allesamt derart frisch und unverbraucht, als wären sie live eingespielt. Diese Tatsache rührt sicherlich von Goods Entscheidung her, seine Tourband ins Studio zu schleppen, um die aktuellen Songs einzuspielen. Ein weiser Entschluss, denn die Interpretationen legen zeitweise derart brachial los, dass man nach dem Verklingen des Schlussakkords manchmal gar den Applaus des Publikums vermisst. Somit wäre aus diesem Studioprodukt auch ein fantastisches Fake-Livealbum zu basteln gewesen.
Werden manche Kritiker nicht müde, die Musik des Kanadiers in eine Reihe mit R.E.M. und Midnight Oil zu stellen und seine Stimme mit der von Michael Stipe zu vergleichen, nennt der Musiker selbst ganz andere Vorbilder. Gerade für die vorliegende Scheibe ließ er sich bewusst von seinen früheren Lieblingsbands inspirieren: The Pixies, Violent Femmes und Afghan Wigs nennt er in einem Atemzug. Der Alternative Rock der ausgehenden 80er Jahre hat es ihm angetan und die musikalische Umsetzung seiner aktuellen Kompositionen macht auch keinen Hehl daraus.
Vollkommen bewusst wob er Text- und Melodiezitate in die neuen Songs ein, ohne allerdings in simples Plagiieren zu verfallen. Vielmehr verpasst er der ungestümen Aufbruchsstimmung, die die Werke seiner Idole austrahlen, ein überzeugendes Update für das 21. Jahrhundert. ER verfällt nicht in musikalische Nostalgie, sondern beweist, dass man mit solchen Ikonen im Gepäck auch angesichts des heutigen Musik- Business noch zeigen kann, was eine Harke ist.
Dies gilt auch für die textliche Seite: obwohl sich Matthew Good - neben seiner Berufung als Rockmusiker auch ein politischer Aktivist, Blogger und Autor - immer wieder heiklen Themen widmet, sackt er nie in plumpe Betroffenheitslyrik ab. Wenn er den Finger in offene Wunden legt, kann er dabei sowohl bissig als auch empathisch sein.
Er geht selbstbewusst auch schmerzliche Wege, wie in "Via Dolorosa" eindrucksvoll zu hören ist. Aber beileibe nicht nur in diesem Song …es fällt wirklich schwer, Beispiele hervor zu heben, denn dieser Silberling hat jede Menge Gänsehautpotential. Für den europäischen Markt wurde eine Bonus-CD angefügt. Diese zeigt eher den zurückhaltenden, nachdenklichen Matthew Good. Größtenteils präsentiert er hier unplugged, mit gelegentlichen Soundspielereien, einige seiner populärsten Songs, von denen der ein oder andere bereits auf "Old Fighters" zu hören war. Somit ist "Arrows Of Desire" auch für den Neueinsteiger eine ideale Anschaffung. Schließlich zeigt dieses starke Doppelpack beide Gesichter von Dr. Matthew und Mr. Good.
Wäre zu hoffen, dass das aktuelle Songmaterial diesen Ausnahmekünstler endlich auch auf europäischem Terrain aus den verborgenen Winkeln des ewigen Geheimtipp-Daseins ins Rampenlicht katapultiert. Bis es soweit ist, werden "Arrows Of Desire" und "Old Fighters" gern gehörte Gäste in meinem Stereoturm bleiben.
Line-up:
Matthew Good (vocals, guitars, keyboards)
Milos Angelov (bass)
Jimmy Reid (guitars)
Anthony Wright (keyboards)
Pat Steward (drums)
Tracklist
01:Arrows Of Desire
02:Via Dolorosa
03:Had It Coming
04:We're Long Gone
05:So Close
06:Garden Of Knives
07:Mutineering
08:Hey Hell Heaven
09:Guns Of Carolina
10:Letters In Wartime

Bonus-CD:
01:Truffle Pigs
02:Tripoli
03:Generation X-Wing
04:Apparitions
05:North American For Life
06:A Divertising On Police Cars
07:Hello Time Bomb
08:Strange Days (Live)
09:True Love Will Find You In The End (Live)
10:Truffle Pigs
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