Stéphane Grappelli / Django
Django Spielzeit: 78:26
Medium: CD
Label: American Jazz Classics (Barclay Records), 2013 (1962)
Stil: Jazz


Review vom 18.04.2013


Wolfgang Giese
»My life started when I met Django. Before him, I was a musician playing here, playing there, but I realized when I was with Django, we could produce something special.« Diese Worte stammen von Stéphane Grappelli anlässlich eines Interviews aus dem Jahr 1973. Seinen Namen verknüpfe nicht nur ich ganz eng mit einem der besten Gitarristen, den die Musik je hervorbrachte: Django Reinhardt. Grappelli spielte von 1933 bis 1939 in der Band Quintette du Hot Club de France mit ihm zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg dann noch sporadisch und nach dem Tode des Kollegen (1953) musste er sich neu orientieren. So bieten diese Aufnahmen aus Paris, aus dem März 1962, auch nicht mehr die typische Atmosphäre des Gypsy Swing. Von diesem hatte sich jedoch Django Reinhard ebenfalls bereits in seinen letzten Lebensjahren frei gemacht. Hier ist nun Grappellis Hommage an Django, den Wegbegleiter aus einer Zeit, in der sich Grappelli in einer Art Übergangsphase befand.
Original als LP 84089 auf Barclay veröffentlicht, erschien das Albums später (2002) auch in der Serie 'Jazz In Paris'. Nun liegt eine erneute Veröffentlichung vor, angereichert mit neun Bonustracks, die zwischen 1947 und 1961 in wechselnder Besetzung entstanden. Die zwölf Aufnahmen der Originalplatte bieten jedoch ein festes Ensemble, wobei der Gitarrist Pierre Cavalli mitunter durch sein hartes und bisweilen schroffes Spiel auffällt - beides nicht in negativem Sinne gemeint. Jedoch bietet er so einen Gegenpart zum weichen Strich der beschwingten Geige, die noch immer dieses Gypsy Feeling transportiert, wie man es von den alten Aufnahmen kennt. Einwandfrei und mit sehr viel Einfühlungsvermögen werden die beiden Solisten von der Rhythmusgruppe unterstützt. Die harte, perkussive und dabei sehr perlende Spielweise kann man zum Beispiel sehr gut im Titel "Alabamy Bound" nachvollziehen - ein super swingender Song, der so richtig nach vorn treibt und sehr viel Feuer versprüht
Die Wahl der Stücke fiel teilweise auf solche aus alten Zeiten, aber auch der Namensgeber der Platte - eine Komposition des Pianisten John Lewis - und ein Bop-Titel von Sonny Rollins haben Einzug gefunden und runden diese feine Platte ab, bei der auch die eine oder andere 'Blue Note' zu hören ist. Einer der Höhepunkte ist für mich "Soft Winds", bei dem die Fiddle schwirrende Windgeräusche einleitend zum Besten gibt, bevor es mit schon fast ein wenig Rock im Swing vorantreibt. Die Bonustitel dreizehn bis sechzehn führen uns dann ins Jahr 1954 und atmosphärisch in eine ganz andere Zeit. Hier herrscht Django Reinhard noch klar, obwohl er nicht mehr am Leben war. Bei den letzten vier Stücken handelt es sich um Live-Aufnahmen, die der Zeit und Aufnahmetechnik gemäß nicht ganz Hi-Fi sind, aber dennoch eine schöne Abrundung bieten. Zumal sie vorher noch nicht auf CD zu hören waren und bekannte Namen für hohe Musikalität bürgen.
Von dem 1908 geborenen und 1997 verstorbenen Stéphane Grappelli sollte man nach 1962 noch viel Positives hören - seine nächste Phase wurde hier nur eingeläutet.
Line-up:
Stéphane Grappelli (violin)
Pierre Cavalli (guitar)
Guy Pedersen (bass)
Daniel Humair (drums)
Henri Crolla (guitar - #13-16)
Emmanuel Soudieux (bass - #13-16)
Baptiste 'Mac Kac' Reiulles (drums - #13-16)
Joseph Reinhardt (guitar - #17)
Roger Chaput (guitar - #17)
Emmanuel Soudieux (bass - #17)
Georges Arvanitas (piano - #18,19)
Gilbert 'Bibi' Rovere (bass - #18,19)
Charles Bellonzi (drums - #18,19)
René Urtreger (piano - #20,21)
Jean-Marie Ingrand (bass - #20,21)
Kenny Clarke (drums - #20,21)
Tracklist
01:Django [John Lewis] (4:58)
02:Nuages [Django Reinhardt] (4:28)
03:Alabamy Bound [B.G. de Sylva/Bud Green/Ray Henderson] (3:32)
04:You Better Go Now [Bix Reichner/Irving Graham] (2:53)
05:Le Tien [Pierre Cavalli] (3:22)
06:Like Someone In Love [Johnny Burke/Jimmy Van Heusen] (3:36)
07:Minor Swing [Stéphane Grappelli/Django Reinhardt] (4:03)
08:Daphné [Stéphane Grappelli/Django Reinhardt] (3:21)
09:Soft Winds [Benny Goodman] (3:42)
10:Makin' Whoopee [Gus Kahn/Walter Donaldson](3:32)
11:How About You? [Ralph Freed/Burton Lane] (3:38)
12:Pent-up House [Sonny Rollins] (3:30)
13:Swing 39 [Django Reinhardt] (2:57)
14:Belleville [Django Reinhardt] (2:56)
15:Manoir De Mes Rêves [Django Reinhardt] (3:48)
16:Djangology [Django Reinhardt] (2:44)
17:Oui Pour Vous Revoir [Joseph Reinhardt] (2:31)
18:Nuages (Live #1) [Django Reinhardt] (3:56)
19:How High The Moon (Live) [William Morgan Lewis/Nancy Hamilton] (6:01)
20:Parisian Thoroughfare (Live) [Bud Powell] (5:00)
21:Nuages (Live #2) [Django Reinhardt] (3:33)
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