The Colin Hodgkinson Group / Backdoor Too!
Backdoor Too! Spielzeit: 40:05
Medium: CD
Label: inakustik/Rokoko Records, 2008
Stil: Jazz Rock

Review vom 29.08.2008


Wolfgang Giese
Fast 40 Jahre (1969) ist es her, dass der Bassist Colin Hodgkinson zusammen mit Ron Aspery (saxes, keyb.) und Tony Hicks (drums) eine Band namens Back Door gründete. Damals 'revolutionär', weil so 'wichtige', den Sound dominierende Instrumente wie Gitarre und Keyboards fehlten.
So war es auch nicht einfach, einen Plattenvertrag zu erhalten, letztlich kam es aber doch noch zu einem Output von vier Platten.
Back Door bot eine Mischung aus Rock, Jazz und Blues. Hieran will Hodgkinson jetzt anscheinend anknüpfen.
Die einstige 'Frische' der Gründerjahre ist wohl nicht mehr hörbar, die Aufbruchstimmung mit einem Sound, der einen gut rockenden Groove hatte, ist hier insofern einem mehr 'gesetzten' Klangbild gewichen. Damals 'funkte' es noch wilder, nun ist es beschaulicher geworden.
Eines ist jedoch geblieben: Der virtuose Klang des Basses, mit dem Hodgkinson über die übliche Verwendungsweise als reines Rhythmusinstrument hinaus ging, und das er u.a. in der Zusammenarbeit mit Alexis Korner trefflich unter Beweis stellen konnte.
Er ist für mich noch immer der 'Knackpunkt' der Band, in seinem Spiel sind Akkorde prägend, die dem Sound die entsprechende Fülle geben.
Der Mitstreiter der ersten Stunde, Ron Aspery, hatte noch an der Entstehung einiger Stücke für dieses Album mitgearbeitet, verstarb jedoch leider im Dezember 2003. Für ihn kam Rod Mason, der seine Sache sehr gut macht und nicht lediglich einen Ersatz darstellt, sondern schon seine Eigenständigkeit mit einbringt.
Mason ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, traditionellen Jazz-Trompeter. Dieser Mason ist ein Musiker, der stark vom Landsmann John Surman beeinflusst wurde, und ich meine, das hört man auch noch, gerade immer dann, wenn er etwas 'loslässt' und 'freier' spielt.
Wie Heckstall-Smith, sah man Mason auch schon, wenn er auf zwei Saxofonen gleichzeitig spielte. Ein sehr guter Musiker, der hoffentlich durch diese Veröffentlichung wieder etwas ins Rampenlicht gerückt wird!
Der andere 'Neue', Paul Robinson am Schlagzeug, war ein vielbeschäftigter Sessionmusiker, angefangen von The Brotherhood Of Man über Paul McCartney bis hin zu Nina Simone, mit der er lange spielte. Und nun Back Door , oder besser The Colin Hodgkinson Group. Trotz des Namens erscheint die Musik jedoch wie eine äußerst stimmige und homogene Angelegenheit mit einem Ausdruck von Gleichberechtigung und Verständnis.
Gleich mit dem Eröffnungsstück, "Who Said That?" werden Zeichen gesetzt. Ein rasanter und furioser Auftakt, bei dem alle Drei glänzen. Hodgkinson erinnert bisweilen an das Spiel von Stanley Clarke. Weiter geht es etwas ruhiger, aber mit einem feinen Groove, Masons Spielweise gleicht der von Barbara Thompson, d.h. eigentlich hätte das Stück durchaus von ihrer Band Paraphernalia stammen können - so meine ich.
"The Spoiler", ein dumpf-satter Bass mit knallenden Drums, ein Stück in bester Black Funk-Tradition, als hätten Bootsy Collins und Bill Laswell Pate gestanden, eine der Nummern, die der verstorbene Aspery noch mitkomponiert hatte.
Mason benutzt das starke und kräftige Rhythmusgerüst für brillante Ausflüge auf dem Saxofon. Toll, ein starkes Stück, sozusagen!
Das jazzige "Blakey" - ist es Art Blakey gewidmet? Robinson spielt hier allerdings nun gar nicht wie Blakey, sondern setzt die Besen zart und leicht swingend ein. Mason, der das Stück schrieb, spielt hier auch noch Piano, ein feiner und ruhig-beschaulicher Track, der etwas aus dem Rahmen fällt, aber dadurch nun nicht gleich unangenehm stört. Mir jedenfalls gefällt er gut, als Jazzfan...
"The Bed Creaks Louder", wieder satt eingespielt, enttäuscht mich dann etwas, weil es doch ein sich ständig wiederholendes Muster aufweist, das sich durch den Song 'quält'. Zuviel Thema ist mir das hier. "Paicesetter" rock-jazzt dagegen wieder flott ab. Robinson klingt hier bisweilen wie Cozy Powell, wenn dieser sich an Jazz Rock wagte. Das ist nun ein Stück, da 'vermisse' ich das erste Mal etwas - nämlich eine fetzig-virtuose E-Gitarre!
Das kurze enthaltene Schlagzeugsolo vermag mich, vielleicht auch eben wegen der Kürze, nicht so sehr zu überzeugen, ich hätte es weggelassen.
"Starlite By Sea", fällt wieder aus dem üblichen Rahmen - eine feine, mit Pianotupfern versehene Jazzballade, bei der Robinson gefühlvoll mit dem Besen Akzente setzt. Schön gemacht und auch Hodgkinson am E-Bass lässt einen akustischen Bass, den man hier eigentlich eher erwartet hätte, nicht unbedingt vermissen.
Etwas mehr Länge hätte ich mir allerdings schon gewünscht und vielleicht ein zartes gehauchtes Sax-Solo, aber auch so ist "Starlite By Sea" sehr atmosphärisch und schön!
Afrikanische Einflüsse auf "Like You Do" bringen erneut Abwechslung in eine ohnehin bereits abwechslungreiche Platte. Der Bass übernimmt hier locker die Gitarrenfunktion, ohne die des Basses aufzugeben. Hodgkinson hat diese Aufgabe prima gelöst!
"Dear Aretha", Track Nummer neun, entwickelt sich aus einem kleinen Thema, 'dümpelt' mir jedoch etwas zu sehr vor sich hin und für mein Empfinden fehlt der 'Biss'.
"Bop That Bird", beim Wort genommen, könnte dieses eine Hommage an Charlie 'Bird' Parker sein, denn erstens swingt es hier sehr Bop-mäßig und zweitens spiel(t)en Parker und Mason beide Altsaxofon. "Bop That Bird": Das wohl swingendste Stück der Platte, und Hodgkinson lässt den E-Bass auch hier richtig 'boppen'. Stark, eine Art Erneuerung der Tradition auf moderne Weise!
Last, but not least, "Sunshine On The Tongue", eine gelungene Präsentation Hodgkinson'scher Basskunst, demonstriert er hier doch, wie feinfühlig er mit diesem Instrument umgehen kann - ein schönes Solo zum Abschluss einer facettenreichen Platte, die letztlich nur halbwegs den Anspruch der alten Back Door erfüllt, aber die andere Hälfte mit Musik füllt, die eine gute Ergänzung des Sounds darstellt.
Ein Wunsch noch von mir: Etwas längere Stücke..., 11 Tracks bei 40:05 Minuten sind mir etwas wenig!
Sehr gelungen und bis auf einige Abstriche eine Platte, die mir gut gefällt. Aber ich glaube leider, dass sich hier kein breites Publikum finden wird. Hodgkinson wird mit seiner Truppe weiter nur 'eingeweihten Kreisen' eine Freude bereiten... das zumindest fürchte ich.
Line-up:
Colin Hodgkinson (electric bass)
Rod Mason (soprano & alto saxes, piano)
Paul Robinson (drums & percussion)
Tracklist
01:Who Said That?
02:Have You Been There?
03:The Spoiler
04:Blakey
05:The Bed Breaks Louder
06:Paicesetter
07:Starlight By Sea
08:Like You Do
09:Dear Aretha
10:Bob That Bird
11:Sunshine On The Tongue
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