Danny B. Harvey & Mysti Moon / Hell Cat Stomp
Hell Cat Stomp Spielzeit: 43:25
Medium: CD
Label: Cleopatra Records, 2014
Stil: Blues'n'billy

Review vom 26.11.2014


Ulli Heiser
Wer meint, Rockabilly sei Musik für Freunde von Petticoats, Rock’n’Roll und Fünfziger Jahre-Flair, der liegt zumindest nicht falsch, kennt wahrscheinlich aber nur die halbe Wahrheit. Die Herkunft dieses Stils reicht weit zurück. Aus schnell gespieltem Country, Bluegrass, Rhythm'n'Blues und Bebop entwickelte sich diese Richtung und wenn man nach Namen der Anfangstage sucht, sind da durchaus auch Leute wie Elvis Presley oder gar Bill Haley zu finden.
Ist das also nun Musik für tanzwütige Rückwärtskucker? Nein, es gibt schon eine Szene von Liebhabern dieses Musikstils und wenn man sich den flotten Rhythmen an der Grenze zum Rock'n'Roll ausliefert, kann man die ungeheuer swingende Dynamik spüren, die von Rockabilly ausgeht. Das findet wohl auch Oberwarze Lemmy, der zusammen mit Slim Jim Phantom von den Stray Cats und eben Danny B. Harvey unter dem Namen The Head Cat diesen alten Tunes frönt. Zumindest immer dann mal wieder, wenn es die Hauptbands zeitlich zulassen.
Der gebürtige Texaner Danny B. Harvey fand bereits im zarten Kindesalter den Weg zur Gitarre, indem er alten Countrystars beim Spielen zusah. Später lernte er richtig Gitarre spielen, studierte gar klassische Gitarre. Er entwickelte einen Fingerpicking-Stil nach dem Vorbild seiner Idole, zog nach England und zusammen mit Levi Dexter gab es einen Plattenvertrag. Ihre Band tourte u. a. mit Bowie, den Pretenders und The Clash, um mal nur ein paar Namen zu nennen. Danny spielte mit verschiedenen Musikern, schrieb Filmmusik und 1999 gab es die Begegnung mit dem Motörhead-Frontmann.
Lemmy, Danny, Slim Jim, Johnny Ramone, Jamie James u. a. nahmen ein Elvis-Tributalbum auf. Auf diesem Album befinden sich die letzten beiden Aufnahmen von Johnny Ramone und es sind auch die einzigen, die er ohne die Ramones aufgenommen hat. Dannys weitere Vita zeigt musikalische Zusammenarbeit mit Nancy Sinatra, Wanda Jackson, Johnny Hallyday, Jarvis Cocker, Richard Hawley, Little Steven und Brian Setzer.
Danny produzierte auch eine Zwei-Frauen-Rockabilly-Band namens The Devil's Daughters. Deren eine Hälfte, Mysti Moon (Augen- und Ohrenweide), steht Danny nun auf "Hell Cat Stomp" als Gesangspartnerin zur Seite. Und das passt, denn Danny wollte eine Platte im Stil der alten Blues-, Jazz- und Countryhelden mit großartigen Stimmen. Die Covers und Traditionals des Albums dürften teilweise bekannt sein. "When The Levee Breaks" zum Beispiel. Die Zeppelin-Version des alten J. McCoy-Songs gehört zur Grundausbildung. Hat man das Plant / Krauss-Pendant schon mal gehört, so kommt das der Interpretation von Danny und Mysti Moon sehr nahe. Allerdings hat Mysti Moon das berühmte Quäntchen mehr Sinnlichkeit in der Stimme. Aber auch Danny hat am Mikro einen Platz, den ihm schwerlich ein anderer des Genres streitig machen kann. Dazu seine bemerkenswerte Gitarrentechnik. Ob nun forsch im Rockabilly-Gewand oder wie gerade eben beim sumpfig-rockenden "St. James Infirmary Blues", man kommt nicht umhin, beim Hören in diesen bluesigen Swing mit einzusteigen. An dieser Stelle die Empfehlung, auf den bekannten Plattformen bitte mal nach den The Head Cats zu suchen. Wenn ihr den Motörhead-Haudegen dort spielen seht, wisst ihr, dass ihm Rockabilly nicht minder Spaß macht, als die harten Klänge.
Die Musik auf vorliegendem Album klingt alt (nun ja, "House Of The Rising Sun"...), ist im good ole style gespielt, klingt aber dennoch frisch und modern. Das hört sich nach einem Widerspruch an, ist aber eher ein Beweis für die Fähigkeiten von Danny B. Harvey. Seine Arrangements lassen fast alle Stücke an den Süden der USA reminiszieren und zu keiner Sekunde denkt man an Haartollen oder Petticoats, was ja an sich auch nicht schlecht wäre. Danny schreibt: »We sweated, sang and played our hearts out an made an album we're both very proud of!«

Das ist fett unterschrieben und ich für meinen Teil werde die beiden Protagonisten mal auf dem Schirm behalten. Beide waren mir unbekannt, weil anscheinend musikalisch aus einer 'anderen Welt'. Aber andere Welten sind da, um entdeckt zu werden.
"Hell Cat Stomp" ist eines dieser seltenen Alben, die man in den Player wirft, wenn es an der Haustür schellt. Es spielt keine Rolle, ob ein Death-Metaller, ein Prog-Jünger, oder Oma vor der Tür steht, gute Musik bringt die einfach alle an einen Tisch. Well done!
Line-up:
Danny B. Harvey (vocals, guitar, bass & suitcase kick)
Mysti Moon (vocals, percussion)
Tracklist
01:(This Train Is Going) Straight To Hell
02:Black Betty
03:Shake It On Down
04:When The Levee Breaks
05:St. James Infirmary Blues
06:Hell Cat Stomp
07:I'm Wild About That Thing
08:See That My Grave Is Kept Clean
09:Send Me To The 'Lectric Chair
10:That's It, That's All
11:House Of The Rising Sun
12:Hard Moon Boogie
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