Glen Hansard / Rhythm & Repose
Rhythm & Repose Spielzeit: 46:47
Medium: CD
Label: Anti-, 2012
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 27.07.2012


Wolfgang Giese
Verzweifelt schaut er aus auf dem Cover der neuen CD. Dieser Ausdruck erinnert mich an die mitunter auch verzweifelte Atmosphäre des Filmes "Once", der viele Fragen offen ließ und durch den ich Glen Hansard kennenlernte. Als Frontmann der Band Frames war er mir bis dato nicht bekannt. Dabei ist diese doch eine der wohl wichtigsten Bands Irlands. Hier ist nun nach langer Zeit sein erstes richtiges Soloalbum, "Rhythm & Repose", zu besprechen.
Dieses soll Resultat der Zeit sein, die er für eineinhalb Jahre in New York verbrachte. "You Will Become", der Opener, klingt auch düster und leicht verzweifelt, wie Nick Drake, dem es noch ein wenig schlechter geht. Sicher sind es auch die Streicher, die das wortwörtlich unterstreichen. Doch bereits der zweite Song ist so etwas von entspannt und angenehm schön - die Melancholie in der Stimme wird durch eine leise Romantik abgelöst. Und schon der dritte Titel ist wieder anders: Up-tempo und voranschreitend, jedoch hier mit Problemen der gesanglichen Ausgestaltung. Irgendwie passt diese Atmosphäre nicht zu dem Barden, so empfinde ich es.
Was jedoch durchgehend bleibt, ist dieser besondere Hauch schwebenden Ausdrucks - mal sehr introvertiert, mal weniger, aber eben überwiegend nach innen gekehrt scheinend. Unterstützt wird Hansard von einer Spitzenband. Allen voran der u. a. mit Bob Dylan aktive David Mansfield, der stets kleine Tupfer setzt, ohne zu stark aufzufallen, wie etwa bei der schneidend scharf gespielten Gitarre auf "Talking With The Wolves". Schön und mich an frühe Werke von Cat Stevens erinnernd ist "High Hope", das mit ganz dezentem Hornarrangement veredelt und umrahmt wird. Mittendrin versucht Glen Hansard dann auszubrechen. Ja, das ist ein bewegender Moment, das strahlt Leidenschaft und viel Emotion aus, und stellt einen Gegenpart innerhalb des sonst ruhig dahinfließenden Liedes dar. Ansonsten regiert aber eher ruhiges Songmaterial, das - wenn man nicht bei der Sache bleibt - wegen der fehlenden Abwechslung auch ermüdend wirken kann.
Es sei demnach jedem/r selbst überlassen, einzusteigen oder am Rande zu hören. Wahrscheinlich ist der Genuss der Musik auch stimmungsabhängig unterschiedlich zu beurteilen. Reich an wuchtiger Dramatik ist die Stimmung auf jeden Fall, fast gegen Null reduziert ist der Pegel auf "Bird Of Sorrow". Hier scheint die Verzweiflung zu sprechen, erst nach etwa drei Minuten kommt Schwung in den Song und abermals kehrt der Protagonist sein Inneres nach außen. Das Harmonium kommt bei "Races" zum Einsatz, wer es spielt, konnte ich nicht herausfinden. Falls jemand darüber stolpern sollte, dass es im Line-up nicht aufgeführt ist: Das Promotion-Exemplar enthielt leider keine Besetzungsangaben.
Mit einem Lied zur guten Hoffnung, das wieder in Richtung Cat Stevens klingt, schließt sich der Reigen und stimmt optimistisch, dass Glen Hansard weiterhin emotional packende Platten einspielen wird, die wie "Rhythm & Repose" von teilweise starken Melodien leben.
Line-up:
Glen Hansard (vocals, guitar)
Brad Albetta (bass)
Ray Rizzo (drums)
Nico Muhly (strings)
Rob Moose (strings)
David Mansfield (slide guitar)
Javier Mas (horns)
Christin Milioti (assisting vocals)
Sam Amidon (assisting vocals)
Markéta Irglová (assisting vocals)
Aida Shahghasemi (assisting vocals)
Tracklist
01:You Will Become
02:Maybe Not Tonight
03:Talking With The Wolves
04:High Hope
05:Bird Of Sorrow
06:The Storm, It's Coming
07:Love Dont Leave Me Waiting
08:What Are We Gonna Do
09:Races
10:Philander
11:Song Of Good Hope
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