The Howlin' Brothers / Howl
Howl Spielzeit: 39:00
Medium: CD
Label: Readymade Records, 2013
Stil: Americana/Folk

Review vom 11.12.2013


Wolfgang Giese
In Nashville ist sie zu Hause, diese Band, aber das erste Stück klingt anders als alles das, was man aus dieser Country-Hochburg erwartet.
Banjo und Mundharmonika unterstützen den durch die Akustikgitarre angetriebenen Opener, dazu gibt Warren Haynes an der Slide sein Gastspiel auf der Platte. Schön altmodisch klingt das, Country Blues, Elemente von Bluegrass und die ganze Tradition ursprünglich europäischer Musiktradition werden hier ganz unbeschwert umgesetzt. Noch offensichtlicher ist das auf dem zweiten Song, mit einem derart krächzenden Gesang, der durch Mark und Bein geht.
So lassen die Musiker Tradition aufleben und interpretieren diese auf lockere und freche Weise, dabei das Elementare in den Vordergrund stellend. Und so manch' ein Titel erinnert entfernt an die Zeit des British Blues Booms, als sich einige jener Bands neben der elektrischen Variante des Blues auch mit akustischen Songs befassten. "Julia Belle Swain" ist eine der Fremdkompositionen, vom Traditionalisten John Hartford, der sicher seine Freude an dieser beschwingten und fröhlichen Interpretation gehabt hätte.
Ein ums andere Mal geht es auch schon fast in die Richtung von Grateful Dead, die diese mit ihren Platten "American Beauty" und "Workingman's Dead" seinerzeit eingeschlagen hatten. Ganz besonders positiv und überhaupt hebt sich der Song "Delta Queen" ab, hier gibt es jede Menge Einflüsse aus New Orleans, mit diesem rumpelnden Rhythmus und den typischen Bläsern, die eben nach altem New Orleans Jazz klingen. Da hätte ich mir den guten alten Professor Longhair auch noch am Piano vorstellen können. Dazu kommt ein gehöriger Hauch Little Feat . Ein Paradestück!
"Tennessee Blues" schwebt und swingt im laszivem Stil eines J.J. Cale und ist sehr ansprechend für alle Hörer/innen, denen der überwiegende Sound der Platte ein wenig zu anstrengend sein mag. Das elektrische Piano in Verbindung mit dem akustischen Bass lässt eine interessante Stimmung aufkommen, innerhalb der sicher auch Tom Waits sich gut machen würde.
Wieder einmal wird der Begriff Americana sicher innerhalb seiner weit gesteckten Grenzen voll ausgeschöpft, findet sich hier doch so einiges aus Blues, Jazz, Country, Folk, Old-Timey und Rock. Und das wird dann auf akustischer Basis und mit einer richtiggehend fröhlichen Ausstrahlung präsentiert. Gewöhnungsbedürftig ist für mich jedoch der Gesang, der oft ein wenig schräg klingt und noch etwas Schliff und Tiefe gebrauchen könnte, denn zu oft gerät er an den Rand des Schreiens.
Einer meiner Lieblinge ist der Song "Tell Me That You Love Me", der, geführt von der Geige Spiel, richtig flott in Richtung Western-Soundtrack abgeht. "Just Like You" wiederum swingt dezent und lasziv, während "Take This Hammer" ein wahrer Bluegrass-Knaller mit irre schnellem Banjo ist und mich auch sehr in Verzückung bringt. Im handschriftlichen Booklet, aus dem man sich mühsam das Line-up herauspicken muss, ist zu erfahren, dass Lillie Mae, Frank und McKenna auf dem letzten Track gemeinschaftlich mitsingen und somit wird ein schönes Schlussstück geboten, das atmosphärisch an den Klassiker "Will The Circle Be Unbroken" erinnert.
Eine tolle Platte, und die Musik macht ganz einfach Freude mit ihrer Unbeschwertheit!
Line-up:
Ian Craft (banjo, mandolin, fiddle, vocals)
Jared Green (guitar, harmonica, vocals)
Ben Plasse (upright bass, banjo, vocals)
Gregg Sticki (drums)
Buddy Jackson (banjo)
Warren Haynes (slide guitar -#1, vocals -#1)
Lillie Mae (fiddle, vocals)
Frank (vocals)
McKenna (vocals)
Tracklist
01:Big Time
02:Hermitage Hotstep
03:Julia Belle Swain
04:Gone
05:Delta Queen
06:Tennessee Blues
07:My Dog Can't Bark
08:Tell Me That You Love Me
09:Just Like You
10:Take This Hammer
11:Boatman Dance
12:Mama Don't You Tell Me
(all songs written/arranged by Craft, Green and Plasse, except #1 by Craft, Green, Plasse, Haynes, #3 by John Hartford, #7 by Otis Smothers)
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