The Steve Hillage Band/ Live At The Gong Family Unconvention November Two Thousand And Six The Melkweg Amsterdam
Live Spielzeit: 72:37 (CD), 95:00 (DVD)
Medium: CD & DVD
Keine Tecnikangaben zur DVD
Label: G-Wave, 2012 (2009)
Stil: Space Rock

Review vom 16.09.2012


Wolfgang Giese
Es gibt einige wichtige Stationen im Leben des am 2. August 1951 geborenen Gitarristen: Uriel, Egg, Khan, Gong und letztlich der Start seiner Solokarriere im Jahre 1975 mit dem von vielen Musikliebhabern immer noch am meisten geschätzten Album "Fish Rising".
Nachfolgend sollten noch Orb und System 7 erwähnt werden, bevor er seine Band wieder reformierte.
Als ich das Cover sah, wusste ich doch, dass ich die kenne, die CD! Genau, eine Neuauflage ist das, nun mit einer DVD als zusätzlicher Veröffentlichung. 2009 gab es die schon einmal. Anlass dieser Veröffentlichung war ein kultiges Ereignis, die 'Gong Family Unconvention', hier aus dem Jahre 2006 im Amsterdamer De Melkweg. Es war eines jener legendären 'Familientreffen' der großen Familie Gong, mit vielen alten und späteren Mitgliedern. Hillage trat mit seiner Band zum Abschluss auf, bevor es dann zu einer Jamsession kam.
Wie auch schon früher, fallen die weitestgehend limitierten stimmlichen Fähigkeiten des Musikers auf, für mich am stärksten bei "It's All Too Much", und genau auf diese Aussage könnte man dort angesichts dessen auch kommen. Ansonsten trägt er die einzelnen Gesangsparts mit sympathischer Stimme vor, unbeirrt vom nicht ausgeprägten Ausdruck.
Das ist aber auch nicht so schlimm und man sollte es einfach außer Acht lassen, könnte man sich doch deshalb von vornherein sperren bei der Beurteilung des Gesamtwerkes, das inhaltlich natürlich von der instrumentalen Umsetzung seiner Musik geprägt ist. Und unter Berücksichtigung dieses Aspekts ist es gelungen, eine mitreißende Show vorzulegen, die man auf der DVD dann auch noch optisch miterleben kann.
Um es gleich vorwegzunehmen, die Filmaufnahmen profitieren von einer klaren und ruhigen Kameraführung, ohne spektakuläre Gimmicks oder Spielereien, die eingestreuten psychedelischen Effekte sind Bestandteil der Bühnenshow.
Als Gitarrist und Musiker wird Hillage sicher von Vielen wegen seines Stiles verehrt. Ich versuche eigentlich immer, nach bestimmten Vorgaben und Kriterien zu urteilen, wie z. B. Komposition, Arrangement, Virtuosität, Einfallsreichtum, Emotionalität, Vermittelbarkeit der Musik und Individualität. Hier kann Steve sicher in einigen Belangen punkten. Komposition und Arrangements sind bei den präsentierten Titeln wohl nicht so vordergründig und maßgebend, mehr sind es hier Einfallsreichtum, Virtuosität und Individualität, die im Vordergrund stehen. Dennoch bleibt es nicht verborgen, dass Anleihen an Jimi Hendrix und hier besonders an die Band Of Gypsies, aber auch an Pink Floyd auszumachen sind. Sogar ein wenig Led Zeppelin scheine ich bei "The Salmon Song" zu vernehmen. Sicher sind das Einflüsse, die Hillage doch gut verarbeitet hat. Stark geprägt ist die Musik natürlich von Improvisation und langen psychedelischen, ausufernden Passagen, in denen die Band oft genug beweist, wie dicht sie zusammen ist.
Aus der verunglückten Doppel-LP "For To Next / And Not Or" aus 1983 stammt "These Uncharted Land", bisher nie live gespielt, so Hillage in seiner Ansage. Der Titel klingt für mich wie Eighties Electro Pop, wie man ihn von OMD und ähnlichen kennt, aber mit der persönlichen Note des Künstlers behaftet. Leider wird dieser Song abrupt beendet, danach soll angeblich die Jamsession mit weiteren Gong-Mitgliedern stattgefunden habe. Schade, hier hätte ich gern weiter und mehr gehört.
Interessant ist der Vergleich der Versionen der "Solar Musick Suite", die als Bonus in einer Einspielung aus dem Jahre 1974 vorliegt. Hier habe ich den persönlichen Eindruck, dass mir der Sound der Gitarre besser gefällt und dass das Saxofon von Didier Malherbe eine erhebliche Besserausstattung darstellt. Dadurch gewinnt dieser Titel sehr an Ausdruck, doch wird er leider ausgeblendet, als es am spannendsten wird. Von den 1979er-Aufnahmen kann mich "Unzipping The Zype" ausdrucksvoll überzeugen, eine Prise Rock Jazz schwirrt durch die Nummer, der Bass schnurrt druckvoll und das Gitarrensolo fliegt geschmeidig dahin.
Die Bonustracks, die übrigens nicht auf der DVD enthalten sind, stammen aus der Sonesta Koelkerk, Amsterdam, vom 14.12.1979 (# 7-9) und mit Gong aus dem Hammersmith Palais, London, vom 6.10.1974. (#10).
Line-up:
Steve Hillage (guitar, vocals)
Miquette Giraudy (synthesizer, vocals, Tibetan bell)
Mike Howlett (bass)
Chris Taylor (drums)
Basil Brooks (synth)

Lineup #7-9:
Steve Hillage (guitar, vocals)
Miquette Giraudy (synthesizers, vocals)
Paul Francis (bass)
Andy Anderson (drums)
Dave Stewart (rhythm guitar)

Lineup #10:
Steve Hillage (guitar, vocals)
Miquette Giraudy (vocals)
Daevid Allen (vocals)
Mike Howlett (bass)
Didier Malherbe (saxes)
Tim Blake (synthesizers)
Laurie Allen (drums)
Tracklist
CD:
01:Hello Dawn (3:48)
02:It's All Too Much (6:00)
03:Aftaglid (8:36)
04:Solar Musick Suite Part 1 & 2 (11:50)
05:The Salmon Song (7:30)
06:These Uncharted Lands (11:18)
07:Palm Trees (4:50)
08:Unzipping the Zype (8:14)
09:Healing Feeling (2:03)
10: Solar Musick Suite (early version)(8:31)
(all written by Steve Hillage, Miquette Giraudy, except #2 by George Harrison)
DVD:
01:Hello Dawn
02:It's All Too Much
03:Aftaglid Part 1
04:Aftaglid Part 2
05:Aftaglid Part 3 - The Golden Vibe
06:Solar Musick Suite Part 1
07:Solar Musick Suite Part 2 - The Dervish Riff
08: The Salmon Song
09:These Uncharted Lands
(all written by Steve Hillage, Miquette Giraudy, except #2 by George Harrison)
Bonus:
10:Interview Part 1 (15:54)
11:Interview Part 2 (16:05)
Externe Links: