InVertigo / Next Stop Vertigo
Next Stop Vertigo Spielzeit: 52:20
Medium: CD
Label: Progessive Promotion Records, 2010
Stil: Progressive, Art Rock

Review vom 14.01.2011


Mike Kempf
Als ich neulich meinen Freund, Kollegen und Namensvetter Mike in seiner Heimat, dem Ruhrpott, besuchte, erschien es mir, als wenn fast alle Bewohner des 'Potts' entweder Gelb-Schwarz oder Blau-Weiß tragen. Die ganze Region scheint nur eines zu kennen: Fußball!
Dass dem nicht ganz so ist, beweist die Gelsenkirchener Band InVertigo. Zunächst fällt mir auf, dass sie zwar nur sechs Songs auf ihrem aktuellen Silberling verewigt hat, dafür aber immerhin über zweiundfünfzig Minuten benötigt! Nur schade, dass die Band das Booklet des Albums ausschließlich im englischen verfasst hat und die deutschen Fans, die lediglich ihrer Heimatsprache mächtig sind, außen vor läßt. Zumindest kann sie beim Leser mit ihrer eigenen Einschätzung, der Präsentation von Art Rock und Neoprog, zwischen Epos und Mainstream im 11/8- und 4/4-Takt, vermutlich das Interesse wecken. Ob das musikalische Sixpack taugt, den Konsumenten zu einem Kaufentscheid zu bewegen, dafür können folgende Zeilen vielleicht hilfreich sein.
Der Silberling, der mit "Vertigo" eröffnet wird, wurde bereits im September des letzten Jahres angeboten und dürfte dem ein oder anderen Musikinteressierten längst bekannt sein. Für mich ist es die Premiere "Next Stop Vertigo" durch meine Sinnesorgane zu filtern. In der Tat, liegen sie mit ihrer Selbsteinschätzung, ihren Stil mit Neoprog und Art Rock zu bezeichnen, richtig. Sebastians Gesangseinlagen sind, ohne sich besonders hervorzuheben, recht ansprechend. Doch die tragenden Elemente sind die Gitarrenläufe gepaart mit zahlreichen, tollen Tastenelementen, die sie auf mehreren Keyboards eingespielt haben. So bewegt sich die Platte meist in leicht mystischen Sphären und ähnelt dem Stil von Alan Parsons, Marillion oder Genesis. Den besten Eindruck hinterlässt das deutsche Quartett bei seinem Longplayer "Special" (12:23 Min.). Meine Empfehlung für eine Hörprobe, zumal auch der Rest des Scheibchens vom Stil des Songs kaum abweicht und sein musikalisches Verständnis am besten zu Tage bringt. Und das ist völlig O.K., besser gesagt, richtig gut und braucht sich vor der internationalen Neoprog-Szene nicht verstecken!
Insgesamt bietet die CD viele kleine Einzelheiten, musikalische Anekdoten, für deren Auflistung ich eine Mega-Rezension hinlegen müsste. Die Band versteht es, aus vielen Noten- und Textpassagen ein komplettes Mosaik zu erschaffen, dessen Qualität vielversprechend rüberkommt. Die Pianisten Brennert und Kuchenbecker verschaffen dem Silberling ein gesundes Fundament, auf dem sie einige Progressive-Highlights aufbauen können. Mit "Special" ist es ihnen bereits gelungen. Zwar haben InVertigo nichts Neues erfunden, beweisen aber, dass im Ruhrpott eine Band heranwächst, die mit schönen Melodien, tollen Gitarrenläufen, Hommels jazzlastigem Bassgezupfe und Lentes fehlerfreien Drums, tollen Progressive Rock präsentieren. Die Fans der oben genannten Bands und des Neoprogs im Allgemeinen werden es mögen. Deshalb kann ich diesen Fans ein Reinhören zumindest anraten und bin mir sicher, so wie es mir widerfuhr, dass so mancher Progressive-Fan positiv überrascht wird.
Line-up:
Sebastian Brennert (vocals, keyboards)
Jacques Moch (guitar)
Michael Kuchenbecker (keyboards)
Matthias Hommel (bass)
Andre Lente (drums)
Tracklist
01:Vertigo
02:The Night
03:Special
04:Take Your Time
05:Night On Broadway
06:Saturday Evening
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