Jamie's Backyard / Let Go
Let Go Spielzeit: 43:29
Medium: CD
Label: KKF Music, 2014
Stil: Alternative Rock, Grunge

Review vom 07.08.2014


Steve Braun
Dieser Tage kehrt der SV Darmstadt 98 in den Vorhof der Bundesliga zurück, was eine mittelgroße Sensation des Frühsommers darstellte. Analog zu den 'Lilien' schaffen die fünf Jungs von Jamie's Backyard, aus den Hinterhöfen (engl. backyards) der Heimat des legendenumrankten 'Heiner', bereits mit ihrem Debütalbum "Let Go" den Sprung ins Unterhaus der ersten Rock-Liga und dies keinesfalls sensationell, denn die Qualität stimmt!
Ein Satz hat mir im Anschreiben zu dieser Promo-CDR gut gefallen: »Das Ergebnis darf schon mal in irgendwelche Schubladen passen und muss nichts Noch-nie-Dagewesenes sein.« Wie oft kann man lesen, wie sehr man sich um Eigenständigkeit bemühe und hört dann doch vorwiegend Zitate von Altbekanntem. Die Mitglieder von Jamie's Backyard offenbaren hiermit, dass sie sehr wohl eine 'musikalische Vergangenheit' besitzen und - verdammt noch eins - auch dazu stehen. In heutigen Zeiten, wo gerne und oft von Innovationen gefaselt wird, ein ebenso mutiger wie grundehrlicher Schritt...
Vor gut fünf Jahren gründete sich Jamie's Backyard und legte mit "Live From The Backyard" drei Jahre später eine erste Live-EP vor. "Judosteak" und "Wake Up" befanden sich bereits damals im Programm. Das erste Album verspätete sich, weil sich die Band ausgerechnet inmitten der Aufnahmen umformieren musste. Mit den Neuen, Christian Liebmann und Simon Wukitz, konnte dann "Let Go" endlich fertig produziert werden und ist bereits seit einigen Wochen erhältlich.
Grunge und Alternative Rock nennt der südhessische Fünfer als seine Haupteinflüsse und führt dabei - nachvollziehbar - Bands wie Soundgarden, Creed und Alter Bridge an. So weit, so gut - mir drängen sich noch drei weitere Namen auf: Live (natürlich zu Ed Kowalczyk-Zeiten, heute ist die Band nur noch ein Schatten früherer Tage), einige Male ziemlich deutlich, laut und heftig Linkin Park (die Härte, nicht deren nerviges Gerappe) und eine Granate wie Staind, vor allem wenn sich - wie im Titelsong - hymnische, gelegentlich sogar balladeske Parts einschleichen.
Aus diesen Grundzutaten hat Jamie's Backyard zehn hörenswerte Eigenkompositionen geschmiedet, die eben nicht einen Aufguss der vorgenannten Bands darstellen, sondern von sehr charismatischer Eigenständigkeit und -willigkeit zeugen. Christian Liebmann überzeugt als Sänger gnadenlos - die Gitarrenarmada brät, watt datt Zeusch hält - die Rhythmusfraktion zieht, drückt und powert ohne Ende. Die Produktion von "Let Go" ist sauber, druckvoll und transparent, hier gibt es nix zu Mäkeln. Wer auch immer an den Reglern saß: Er hat ordentliche Arbeit abgeliefert.
Herrlich erfrischend perlen die Double Leads durch das eröffnende "A Little More", sodass man den Songtitel am liebsten wortwörtlich nehmen würde... es dürfte auch gerne ein bisschen mehr davon sein. Die Musik zu "Stoner" ist treffsicher gewählt - glühend heißer, extrem trocken-staubiger Desert Rock. Ein derartig perfekter Einstieg in "Let Go" ist schon mal die halbe Miete...
In "Judosteak", eine der älteren Nummern, liefert Christian Liebmann eine weitere Facette seiner Sangeskunst: bösartige Growls - Stimmungen, die von einem eher balladesken Mittelteil konterkariert werden. Es folgt mit "As The Day" ein sehr zurückgenommenes, besinnliches Stück - eines der bärenstarken Sorte, das ich nicht mehr aus dem Ohr bekomme!
In "Wake Up" donnert man Iridium-schwer nach Art von Linkin Park und lässt gewaltig Druck aus dem Kessel, damit der Titeltrack und "Rescue Me" besinnlichere Töne anstimmen können. Wenn Jamie's Backyard diese Stimmungslage anpeilt, schlägt bei mir der emotionale Pegel besonders stark aus. Deshalb gehören diese beiden Stücke, gemeinsam mit "As The Day" zu meinen persönlichen Highlights.
Jamie's Backyard bedient mit "Let Go" die Klaviatur von 'sweet pain' bis 'bad ass' und das auf beachtlichem Niveau. Ob ein derart hochkarätiges Debütalbum ein Segen oder Fluch ist, muss mal wieder die unbarmherzige Zeit zeigen...
Ich muss mich vorerst mal darum kümmern, meine Kinnlade wieder einzurenken!
Line-up:
Christian Liebmann (vocals)
Simon Wukitz (guitar, backing vocals)
Norman Neidhart (guitar)
Martin Wegner (bass)
Kevin Sadler (drums)
Tracklist
01:A Little More (4:24)
02:Stoner (3:19)
03:Judosteak (4:29)
04:As The Day (5:06)
05:Make Me Feel (3:43)
06:Wake Up (4:21)
07:Let Go (3:57)
08:Rescue Me (4:50)
09:Stand Up And Shout (5:20)
10:By The Grace (3:50)
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