Jason & The Scorchers / Halcyon Times
Halcyon Times Spielzeit: 54:05
Medium: CD
Label: Blue Rose Records, 2010
Stil: Cowpunk

Review vom 03.03.2010


Wolfgang Giese
Die Band, die sich ursprünglich Jason & The Nashville Scorchers nannte, wurde 1981 gegründet und war musikalisch im Rockbereich angesiedelt, mit dem einen oder anderen Country Rock- und Punk-Schlenker.
Jason Ringenberg war es, der die Gruppe formierte und viele Einflüsse aus Rock'n'Roll, Country und Punk zur Grundlage dessen formte, was fortan unter dem Begriff 'Cowpunk' firmierte oder aber zumindestens der Sparte 'Alternative Country' zuzurechnen war.
1983 war es, als ich ein mir bekanntes Stück eines mir unbekannten Interpreten hörte. Auf der Suche danach wurde ich fündig und hielt alsbald ein Mini Album in Händen: Das mir bekannte Stück war "Absolutely Sweet Marie" (Bob Dylan) und der Interpret, ja, das war(en) Jason & The Scorchers - die Platte hieß (und so heißt sie noch) "Fervor".
Doch das ist lange her. Nach 13 Jahren ohne eine Studioeinspielung nun das hier: Musik, als wäre die Zeit stehen geblieben. Er regiert immer noch der Cowpunk!
Rau, direkt und rotzig wird hier agiert, und richtig schön unkompliziert, sozusagen 'auf den Punkt gespielt'.
Wer kennt sie noch? Matchbox und ihre "Midnight Dynamos"?
So in etwa geht das gleich ab mit dem ersten Track, aber härter und rauer; dazu, man schaue auf den Titel, ein wenig keltische Elemente in der Melodie.
Im "Moonshine Guy" besingt Jason also einen recht minderbemittelten Typen, der einmal seinen Fernseher in die Luft jagte, weil sein Lieblingssong nicht gesendet wurde - jemand der in einer 'six-pack world' lebt, ein offensichtlicher verkörperter Anachronismus ist und sich recht dümmlich und unbelehrbar verhält. Musikalisch ist das dann so richtig schön trocken abrockend verpackt.
Mit feineren Klängen, unter anderem mit der Mandoline, geht die Reise weiter, bevor sich dann doch noch etwas Druck hinzugesellt und Hodges die E-Gitarre einsetzt. Dazu scheppert das Tamburin, der Drummer spielt präzise, das ist so verdammt frisch, als sei dieses der Erstling der Band. Schön, dass die Mandoline die ganze Zeit über mit dabei bleibt. Da macht es ganz einfach Freude, zu lauschen und sich mitreißen zu lassen.
Und schon zieht das Tempo wieder an mit "Mona Lee", so sollte moderner 'Rock'n'Roll' klingen! Und vor allem kann mich begeistern, dass es bei aller 'Trockenheit' unheimlich viel Gefühl birgt und sehr harmonisch dabei ist.
"Gettin' Nowhere Fast", "Golden Days", "Better Than This", das sind weitere 'Rocker' mit Drive. "When Did It Get So Easy (To Lie To Me)" erinnert mich dann an die Country-Version von "Honky Tonk Woman" der Stones.
"Beat On The Mountain" handelt vom Leben in und um eine Kohlenmine, in "Mother Of Greed" wird ebenfalls das harte Leben im Zeitalter der Industrie zum Inhalt des Textes, »Northern Wales in 1910, Birmingham In '56 «.
Vom armen Vater, dessen Sohn zum Krieg nach Vietnam geschickt wurde ("Land Of The Free") und von vielen anderen Einzelschicksalen und Charakteren ist in den erzählerischen Texten die Rede.
Vielleicht als Resümee und vielleicht autobiografisch die letzten vier Textzeilen des Songs "Golden Days": »Looking Back Now It Seems To Be, This Old Life's Been Good To Me, There's Been Hard Times But I Can't Complain, I Would Go Back And Do It All Again«.

Und das ist auch gut so. Ein gelungenes Studio-Comeback!
Line-up:
Jason Ringenberg (lead vocals, acoustic guitar - #10, harmonica)
Warner E. Hodges (electric and acoustic guitar, mandolin, harmony vocals, lead vocal - #12)
Pontus Snibb (drums, percussion, harmony vocals)
Al Collins (bass, harmony vocals, box pounding)

Honorary Scorchers:
Dan Baird (acoustic and electric rhythm guitars, lead vocal - #13)
Ginger (preproduction demos and consultation)
Tommy Womack (consultation)
Perry Baggs (harmony vocals - #2, 3, 5, 10, 11)
Tracklist
01:Moonshine Guy/Releasing Celtic Prisoners (Walls-Ringenberg/Ringenberg-Hodges)
02:Beat On The Mountain (Hill-Ringenberg)
03:Mona Lee (Walls-Ringenberg-Hodges)
04:Fear Not Gear Rot (Ringenberg-Womack)
05:Mother Of Greed (Walls-Hodges-Ringenberg-Womack)
06:Getting' Nowhere Fast (Baird-Walls-Hodges)
07:Land Of The Free (Hodges-Womack-Ringenberg)
08:Golden Days (Walls-Womack-Ringenberg)
09:Deep Holy Water (Hodges-Ringenberg-Collins)
10:Twang Town Blues (Fagan-Ringenberg)
11:Days Of Wine And Roses (Baird-Hodges-Walls)
12:Better Than This (Baird-Hodges-Walls)
13:When Did It Get So Easy(To Lie To Me) (Baird-Hodges-Walls)
14:We've Got It Goin' On (Walls-Womack-Ringenberg)
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