Julian's Lullaby haben mich wirklich erstaunt. Erwartet habe ich eigentlich Gothic Metal, tatsächlich tendiere ich jetzt allerdings nach mehrmaligem Durchlauf ihres Werks "Dreaming Of Your Fears" zu Symphonic Metal. Für diejenigen, die es vorziehen, mehr in Schubladen zu denken: Versatzstücke von
Nightwish,
Tarja,
Leaves' Eyes sind zweifelsohne vorhanden. Deren herausragende Merkmale sind ganz klar die Frauenstimmen im Vordergrund; und das ist hier gleich doppelt der Fall. Die Lead-Protagonistinnen singen sich im Duo durch eine Mixtur aus choralinfizierten, stark im Ohr haftenden Melodiebögen, die teilweise durch fette Gitarrenriffs kräftig durchblutet werden.
Glücklicherweise ertönen keine schwülstigen Keyboardteppiche, sondern alles wirkt sehr abgehangen und luftig. Wie Nebelschleier ziehen die sich bombastisch entwickelnden Hooklines durch eine mit akustischen Spinnenweben verhangene, diffuse Klanglandschaft. Mit engelhaften, manchmal samtweichen Stimmen, sind die dunklen Frontelfen die Beherrscher der Soundgalerie. Symphonische Elemente und akustische Passagen ertönen im stetigen Wechsel und vereinen sich zu einem Kaleidoskop hymnenhafter Anspieltipps. "Where We Stand There We Fall", "Scarlet Reign",
"Ocean of Tears" oder "Kiss Me Not (Tonight)" überzeugen auf ganzer Linie.
Rockige Elemente und satte Riffs, sowohl ruhige als auch folkige Töne werden alle vereint in einer Kombination vieler Höhepunkte, die natürlich mit Reminiszenzen an bekannte Klassiker nicht sparen. Spannende Nummern und echtes Potenzial haben Julian's Lullaby auf jeden Fall. Bei einem Album dieser Art hätte man nicht unbedingt erwartet, dass die Formation in Griechenland beheimatet ist, dies ist sicherlich eine weitere Überraschung. Abschließend kann man nur sagen, dass dieses Album durch seine Vielschichtigkeit und sehnsuchtsvollen Gesänge glücklicherweise nicht dem 08/15-Lager zugerechnet werden kann.
Julian's Lullaby haben durch ihr markantes Songwriting und symphonisches Flair, das nur ab und zu in Richtung Düsternis tendiert, einen überaus positiven Gesamteindruck hinterlassen. Ein mehrschichtiges Gesangserlebnis, dass nicht unbedingt in die Gothic-Ecke gedrückt werden darf, denn dazu sind ihre Nummern einfach zu geradlinig und gefühlvoll.
8 von 10 RockTimes-Uhren