Lloyd Jones / Highway Bound
Highway Bound Spielzeit: 45:06
Medium: CD
Label: Underworld Records, 2011
Stil: Country Blues

Review vom 07.09.2011


Wolfgang Giese
Lloyd Jones ist ein, möglicherweise im Bereich des Blues nicht so bekannter, Name. Dabei ist der 1950 in Portland/Oregon geborene Musiker schon lange im Geschäft. 1964 war es, als ihn ein Konzert von James Brown stark beeindruckte. Jimmy Reed und Sonny Terry & Brownie McGhee waren weitere Einflüsse. Durch Big Walter Horton und S.P. Leary wurde ihm der Zugang zu weiteren Stilen ermöglicht, ebenso wie durch eine damalige Band namens Brown Sugar. Neben der Gitarre spielte der Musiker seinerzeit auch Schlagzeug. Mittlerweile gibt es einige Plattenveröffentlichungen, die jedoch rar gesät blieben - die Letzte liegt bereits zwölf Jahre zurück.
Sind frühere Platten - mit vielen Bläsern, oft auch funky und mit viel Groove oder elegant swingend arrangiert - stark am Westcoast Blues orientiert, so erleben wir nun einen Lloyd Jones, der sich ganz auf die wesentlichen Bestandteile des Blues reduziert: ausschließlich Gitarren und zweimal Harpbegleitung dazu. Dabei wechselt er zwischen akustischen und elektrischen Gitarren und erzeugt auf diese Weise Abwechslung, die grundsätzlich gar nicht notwendig wäre, so fesselnd sind seine Vorträge ohnehin. Mit seiner perkussiven Spielweise erzeugt er Rhythmus und Swing, dass es eine Freude ist, der Musik zu lauschen. Bis auf drei Titel hat sich Jones allesamt Fremdkompositionen ausgesucht, die er auf seine spezielle Weise interpretiert und ihnen dabei eine wahre Frischzellenkur verpasst! In den Liner Notes erinnert er sich an die sechziger Jahre in Portland/Oregon, als viele seinerzeit bekannte Bluesmusiker durchreisten. Sie alle lehrten ihn die Grundlagen des Blues und offensichtlich will er damit jenen Musikern eine Widmung bieten. Das ist sowohl bei der Auswahl der Originalinterpreten als auch der Titel gelungen.

Meist sind es ganz alte Titel wie "Careless Love" von W.C. Handy oder "Don't Want Me Baby" von Mississippi John Hurt, aber auch Blind Willie McTell oder Big Bill Broonzy werden gewürdigt. Der relativ unbekannte Musiker John Brim, für mich einer der verkanntesten Blueser, bekommt hier mit seinem sicherlich bekanntesten Titel "Ice Cream Man" ebenfalls seine Erinnerung - hier mit
Charlie Musselwhite an der Harp. Ein weiterer Harpeinsatz erfolgt von Curtis Salgado auf "Lazy Bones", dem letzten Titel der Platte. Ganz fantastisch finde ich Jones' stakkatohaftes Spiel auf der Danelectro-Gitarre mit Slideeinlage auf "Last Fair Deal Gone Down". Diese elektrische Gitarre kommt später noch einmal auf "Cry For Me Baby" zum Einsatz.
Lloyd Jones' Interpretationen der alten Songs rückt sie wieder in den verdienten Vordergrund, bringt ihnen Ehrerbietung und den Anstoss, sich wieder einmal mit den Originalen zu beschäftigen. Das ist etwas, dass man Jones gar nicht hoch genug anrechnen kann. So stelle ich fest, dass ihm mit "Highway Bound" inmitten der in letzter Zeit zahlreichen Veröffentlichungen weißer Blueser ein ganz besonderes Exemplar gelungen ist, das sich sehr positiv von vielen mich langweilenden Scheiben abhebt. Es ist ihm zudem geglückt, den traditionellen Geist der Titel zu wahren und sie gleichzeitig in einem modernen Gewand zu präsentieren. Jones hat den Titeln seinen eigenen Ausdruck verliehen, ohne sklavisch an den Vorlagen zu kleben.
Charlie Musselwhite schreibt auf dem Back Cover: »Lloyd has been a good friend of mine for over 30 years (maybe even longer) and he has always been a great guitar player - great tone and phrasing from the heart. Lloyd is also one of the nicest guys in the business - I always look forward to seeing Lloyd and hearing him play.« Diese Aussagen zur Qualität des Gitarrenspiels kann ich nur unterstreichen. Obwohl ich einige der früheren Platten des Musikers nur flüchtig kenne, behaupte ich jetzt einmal: Dies ist seine wohl bewegendste und mich beim ersten Hören am meisten beeindruckende Aufnahme!
Line-up:
Lloyd Jones (guitars, vocals)
Charlie Musselwhite (harmonica - #4)
Curtis Salgado (harmonica - #16)
Tracklist
01:Travelin' On (Jones) [3:32]
02:Careless Love (Handy, Williams, Koenig) [3:30]
03:When I'm Gone (Cotton) [2:07]
04:Ice Cream Man (Brim) [2:21]
05:Broke Down Engine (McTell) [3:09]
06:Last Fair Deal Gone Down (Johnson) [2:24]
07:Southbound Train (Broonzy) [3:31]
08:No More Crying (Jones) [2:32]
09:Don't Want Me Baby (Hurt) [2:37]
10:Key To The Highway (Broonzy, Segar) [2:54]
11:You Better (Scroggins, Jones) [2:02]
12:Cry For Me Baby (London) [2:45]
13:Make Me A Pallet On The Floor (Handy) [3:24]
14:Good Night Irene (Leadbetter) [3:05]
15:Good Morning Little Schoolgirl (Williamson) [3:02]
16:Lazy Bones (Carmichael, Mercer) [3:02]
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