Dave Kilminster
...And The Truth Will Set You Free...
...And The Truth Will Set You Free... Spielzeit: 60:06
Medium: CD
Label: Killer Guitar Records, 2014
Stil: Rock

Review vom 11.01.2015


Steve Braun
Wer bei Roger Waters "The Wall Live"-Tour 'Ziegelsteine' in die Mauer zwischen Bühne und Publikum einbauen darf, der muss wirklich bereits ein ganz Großer sein. Doch so richtig hat sich dies hierzulande noch nicht herumgesprochen, da helfen selbst die vielen Engagements für andere Berühmtheiten nicht wirklich. Das sollte sich unbedingt ändern....
Beginnend mit seinem 1996er Debüt "Playing With Fire", gemeinsam mit Fraser Thorneycroft-Smith eingespielt, hat Dave Kilminster - neben den besagten Gastspielen - auch zahlreiche eigene Alben herausgebracht. Nun hat er mit seinen Kollegen von der Keith Emerson Band - Phil Williams (Bass) und Pete Riley (Schlagzeug) - mit "...And The Truth Will Set Us Free..." ein zweites reines Soloalbum veröffentlicht. Ein bemerkenswertes, übrigens...
Wer nun erwarten sollte, Dave Kilminster würde wie seine Kollegen, für die er als Gast tätig ist, aus der Progressive-Ecke klingen, dürfte erstaunt reagieren. "...And The Truth Will Set Us Free..." erinnert mich stattdessen ganz enorm an Heart, bspw. zur "Dog & Butterfly"-Phase. Logischerweise nicht vom Gesang her betrachtet, aber aus den Blickwinkeln der Arrangements (durchaus im Wortsinn 'progressiv') und Instrumentierungen: viele akustische Saiteninstrumente, starke Neigung zum orchestralen Aufbau bis hin zum Einsatz von Streichern. Letzteren steuert das kammermusikalische Streichquartett von Dave Larkin und ersetzt damit vollständig jegliche Unterstützung von Tasteninstrumenten auf "...And The Truth Will Set Us Free...".
Gleich in vier Longtracks folgt Dave Kilminster dieser Institution des US-Rock: "Messiah", "Circles", "Save Me" und "Cassiopeia" - einer schöner wie der andere. Bei letzterem erinnert mich der Gitarrenton zudem ein wenig an Robben Ford. Leider kann Kilminster gesanglich nicht immer dem hohen Anspruch und der ebenso ausgeprägten Qualität der Orchestrierungen standhalten. Gelegentlich wirkt seine Stimme etwas dünn und mit zu wenig Ausdruckskraft gesegnet. Er behilft sich aber mit vielen Satz- und Chorgesängen, um dieses Manko auszugleichen.
Unterbrochen wird diese durchaus mit Abschweifungen in Singer/Songwriter-Gefilde gewürzte Feingeistigkeit von drei etwas härteren Stücken. Brodelnd und wabernd dampft "Addict" im Midtempo, glänzend mit Queen-artig geschichteten Gitarren im Hintergrund garniert. Metallica meets Alan Parsons Project (zu "I Robot"-Zeiten) denkt man bei "Thieves" (mein eindeutiger Favorit). Heftig riffende Gitarren mischen sich mit eingängigen Gesängen samt cremigen Streichern - sensationell! "The Fallen" entpuppt sich als Hardrocker, der sehr deutlich die Grenzen zur Fusion überschreitet.
Gegenüber all dieser musikalischen Brillanz fällt allerdings das abschließende "Stardust" deutlich ab. Ob es an der Überlänge liegen mag? Jedenfalls bricht hier der Spannungsbogen gleich mehrfach ziemlich rigoros...
Summa summarum darf man aber "...And The Truth Will Set Us Free..." mit Fug und Recht als überaus erfreuliche Veröffentlichung bezeichnen. Dave Kilminster beweist hier mehr als nachdrücklich seine Klasse als Gitarrist, Komponist, Arrangeur und Produzent. Einzig seine Stimme bräuchte noch ein klein wenig mehr Ausdruck und Schliff, dann wäre das Album - bis auf die eine genannte 'Zitrone' - zuckersüß...
Line-up:
Dave Kilminster (all voices and guitars, string arrangements)
Phil Williams (bass)
Pete Riley (drums, percussion)

The Larkin Quartet:
Dave Larkin (violin 1)
Iain Gibbs (violin 2)
Chris Beckett (viola)
Leah Evans (cello)
Tracklist
01:Messiah (7:55)
02:Addict (6:17)
03:Thieves (5:24)
04:Circles (8:28)
05:Save Me (6:19)
06:Cassiopaia (8:54)
07:The Fallen (7:17)
08:Stardust (9:02)
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