Hanni El Khatib / Will The Guns Come Out
Will The Guns Come Out Spielzeit: 31:40
Medium: CD
Label: Innovative Leisure Records, 2011
Stil: Garage Rock


Review vom 02.02.2012


Udo Gröbbels
Vom Rollbrett zum Gitarrenbrett
Hanni El Khatib ist nicht etwa ein bekannter Bollywood-Hauptdarsteller, sondern Musiker und Sohn philippinischer Einwanderer aus San Francisco. Nachdem er zuerst als Designer für Skateboards gearbeitet hat, versucht sich Hanni nun auf dem Musikmarkt. Er sollte allerdings besser wieder zu seinen Rollbrettern zurückkehren, aber dazu später mehr.
Aus der Garage
Als Paradebeispiel für die Sparte Garage Rock kann man am besten die allseits bekannten White Stripes als Referenz nehmen. Keine andere Band hat in den letzten zehn Jahren rohen und ungeschliffenen Sound populärer dargeboten. Das gipfelte dann 2008 zur Fußball-EM, als ihr Hit "Seven Nation Army" in allen Wohnzimmern gesungen wurde. Dabei ist die Musik keineswegs neu, denn bereits vor knapp 40 Jahren, also noch vor Punk, machten Iggy And The Stooges diese Musik erstmals bekannt, wobei streng genommen die Trashmen sogar schon in den 60s mit ihrem einzigartigen "Surfin' Bird" den ersten Garage Rock-Hit hatten. Später in den 80ern waren es vor allem die Garage-Rockabillies von den Cramps, die diese Tradition weiterführten.
Hauptsache schräg
Hanni El Khatib, der alle Instrumente auf "Will The Guns Come Out" selbst eingespielt hat, versucht sich also in bester Garage-Tradition und klingt dabei oft sehr nach den bereits erwähnten White Stripes. Dies allerdings ohne ihre Einzigartigkeit auch nur annähernd zu erreichen. Da scheppert das Schlagzeug zwar schön und die übersteuerte Gitarre dröhnt, aber das alles ohne Stil. Es hapert vor allem an zwei Dingen. Da wäre zum einen der Gesang, der oft verzerrt wurde und einfach nur nervt. Das zweite Manko sind die Ideen, denn die Songs klingen alle austauschbar und keine Melodie bleibt auch nach mehrmaligem Hören hängen.
Das etwas halbstündige Grauen beginnt mit dem Titelsong, der mehr gesprochen als gesungen ist und eine passende Einstimmung auf das Soundgewusel darstellt. "Build, Destroy, Rebuild" ist das erste richtige Lied und scheppert einfach nur belanglos daher, "Fuck It, You Win", ist dann noch schlechter und nervt penetrant. Zwei kleine Lichtblicke gibt es allerdings, die man fairerweise auch erwähnen muss. Da wäre zunächst "Dead Wrong". Ein klassischer 50s-Rocksong mit schönen Doo Woop-Chören wie man sie z. B. von Dion kennt. Auch "Wait Wait Wait" ist ganz OK. Nette Country-Nummer, die aber nur auffällt, weil der Rest so abfällt. Tiefpunkt ist sicherlich das Cover von Elvis' "Heartbreak Hotel". Gar grausam kann man dazu nur sagen. Auch alles andere als gelungen ist die Coverversion von "I Got A Thing", das im Original von der 70s-Funklegende Funkadelic stammt.
Insgesamt also ist "Will The Guns Come Out" ein sicherer Griff ins Klo. Die beiden halbwegs guten Nummern können den Rest leider nicht mehr retten und so kann ich guten Gewissens die Scheibe als 'Wasted Time' einsortieren. Was Hanni hier fabriziert hat, haben die erwähnten Stooges schon 1970 viel besser gemacht. Daher greift besser zum Original und nicht zur 2011er-Version. Sorry Hanni, aber das war leider nichts.
Line-up:
Hanni El Khatib (all instruments)
Tracklist
01:Will The Guns Come Out
02:Build, Destroy, Rebuild
03:Fuck It, You Win
04:Dead Wrong
05:Come Alive
06:Loved One
07:Heartbreak Hotel
08:Wait Wait Wait
09:Garbage City
10:You Rascal You
11: I Got A Thing
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