Obwohl die deutsch-französische Grenze schon lange im Rahmen der EU komplett durchlässig ist, bilden die jeweiligen Landessprachen scheinbar immer noch für viele Menschen unüberwindbare Barrieren.
Vielleicht mag dies der Grund sein, warum wir viel zu selten einen Blick hinüber zu unseren französischen Nachbarn wagen, obwohl es dort vieles zu entdecken gilt.
Fernab von Camembert, Baguette, Croissants und Vin Rouge existiert in Frankreich zum Beispiel eine äußerst facettenreiche Musikszene, in der wir außerhalb des typischen Chansons so ziemlich jede denkbare Musikrichtung finden. Trotz sprachlicher Defizite können wir Spannendes finden, wenn man sich auch ohne Textverständnis auf die Musik einlässt.
Eine dieser Facetten stellen Kiemsa dar, nach eigener Aussage eine 'Psychedelic Electro Punk'-Kombo. Die sieben Herren aus Nantes sind schon eine ganze Weile im Geschäft. Seit 2001 haben sie zwei Maxi-CDs und drei Longplayer herausgebracht, aktuell im Juni 2009 die CD "Délices".
Diesmal wollen wir uns mit dem Album "Eaux Troubles" beschäftigen. Es erschien im Jahre 2006, wurde in Deutschland allerdings erst Ende 2008 veröffentlicht. Auch wenn "Eaux Troubles" mit 36 Minuten Laufzeit nicht gerade umfangreich ausfällt, reichen die darauf vorhandenen zwölf Songs aus, den geneigten HörerInnen regelrecht die Schädeldecke wegzublasen.
Kiemsa rühren auf dieser Scheibe einen einzigartigen Mix aus Punk, Hardcore, Heavy, Rock'n'Roll, Ska und sogar einem Fünkchen Hip-Hop an, dagegen klingen die Veteranen von Madness fast wie gebremster Schaum.
Über die gesamte Distanz von "Eaux Troubles" wird das Tempo kräftig vorangetrieben. Schnelle Themenwechsel, fetzigen Bläserpassagen von Trompete und Posaune duellieren sich regelrecht mit Heavy-Gitarren. Sänger Martin powert seine Texte herunter, besingt die Hektik in der Gesellschaft und den gnadenlosen Konsumrausch ebenso wie den
Rausch, der durch das eine oder andere hochprozentige Fläschchen verursacht werden kann.
"Tequila Guerilla", "Please Stay" und "Kiemsa Sucks" haben, wie die Titel schon vermuten lassen, englische Lyrics. Wer mit den französischen Texten Probleme hat, kann sich bei diesen drei Nummern vom inhaltlichen Punk-Charakter der Songs überzeugen.
Neben diversen Fotos und Rintones für das Handy haben Kiemsa den Video-Clip zum Opener "Orange Duck" auf die CD dazu gepackt. In diesem Filmchen erkennt man schnell, man muss Kiemsa einfach zu ihrer Musik sehen. Eine irre Show, bei der man kaum die Beine ruhig halten kann, geschweige denn, auf seinem Sitzplatz verharren. Eher tendiert man zum ausgelassenen Pogo.
Auf der MySpace-Seite von Kiemsa sind neben "Orange Duck" verschiedene Live-Kostproben zu sehen, die unterstreichen, dass diese Musiker echte Praktiker sind. Mehr als 300 Konzerte in Frankreich, Belgien, der Schweiz und Deutschland haben Kiemsa binnen acht Jahren zu dem gemacht, was sie heute sind: ein echter Dampfhammer mit einer geballten Ladung Humor.
Line-up:
Martin (vocals)
Yohann (guitar)
Morguy (guitar)
Romain (bass)
Laurent (drums)
Steven (trombone)
Mathieu (trumpet)
Tracklist |
01:Orange Duck
02:Tequila Guerilla
03:Qui Veut Savoir?
04:Armada
05:Please Stay
06:Dans Les Profondeurs...
07:Mass Media
08:Faut Consommer
09:Sans Un Mot
10:Spectre
11:Kiemsa Sucks
12:Méchant Pas Content
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