KLAU! / Unterwegs nach Leipzig
Unterwegs nach Leipzig Spielzeit: 56:56
Medium: CD
Label: Analoghaus, 2009
Stil: Deutsch Rock

Review vom 06.05.2009


Sabine Feickert
Wider den Jugendlichkeitswahn!
"Unterwegs nach Leipzig" ist ein neues Album des engagierten Labels Analoghaus. Dessen Inhaber Tom Ripphahn hat sich auf die Fahnen geschrieben, »Rock & Roll für Deutschland« zu produzieren.
»Kinder woll'n erwachsen sein und träumen sich ihr Glück
könn' nicht wissen, wenn sie älter sind, gibt's keinen Weg zurück
viele rennen dann den Rest der Zeit ihrer Jugend hinterher
doch außer Spuren der Erinnerung, gibt's keine Zuflucht mehr«

(aus "Gegen den Wind")
Gerade in der Musikbranche ist dieses Hinterher-Rennen ja in zuweilen bizarren Auswüchsen zu beobachten. Wer - um hier nur ein prominentes Beispiel zu nennen - mit gut Mitte 40 auf der Bühne steht und über Löcher in der Hose und buntgefärbte Haare und die Alten, die sich darüber aufregen, singt, ist in meinen Augen nicht mehr ganz ernst zu nehmen, um nicht zu sagen peinlich. Bei allem Respekt vor den Ärzten, die eine wirklich revolutionäre, gute Punkband waren, sollte die Musik sich mit den Musikern entwickeln und ein stimmiges Gesamtbild zum Alter und der Lebenssituation der Künstler darbieten.
Achim Klau liefert hier den schönen Gegenbeweis, dass es auch anders geht. In seiner Musik werden die Einflüsse ganz deutlich, die ihn auf dem Lebensweg begleitet haben. Immer wieder beschleicht den Hörer das Gefühl, 'das habe ich doch so ähnlich schon irgendwo gehört'. Es lassen sich markante Stilelemente von Bob Dylan, Bruce Springsteen, Tom Petty und vielen anderen ausmachen und doch ist das Ganze zu einem eigenständigen und dabei ausgesprochen glaubwürdigen Sound gereift.
Die Lieder klingen bekannt genug, um sich in der Musik zu Hause zu fühlen und doch hinreichend eigenständig, um sich von Mainstream abzuheben. Von bloßem Klau ist Klau! dabei kilometerweit entfernt.
In seiner "Sucht" hörte ich bereits beim ersten Anhören irgendwas Bekanntes, so ähnlich schon Gehörtes. Doch auch nach mehrmaligem Hinhören und langem Überlegen, konnte ich es nicht eindeutig zuordnen. Mein wandelndes Rocklexikon Alex fand durch mein Gesumme schließlich im zweiten Anlauf die Ähnlichkeit zu Tom Petty. Das geht aber nur soweit, als die typische Machart der Petty-Songs aufgegriffen, und in eine eigene Nummer umgesetzt werden.
Dabei sind zusätzlich auch Springsteen'sche Elemente und ein Hauch Bob Dylan integriert und zu der ganz eigenen Klau!-Mixtur verarbeitet.
Das Album ist eingängig und überwiegend melodisch, auch wenn in einzelnen Nummern an durchaus passenden Stellen auch mal mit schrägen Passagen gearbeitet wird.
Achim Klau bringt auf dieser Scheibe die Essenz aus 10 Jahren Songwriting unter, in Songs, die vom ganz normalen Leben mit den ganz normalen Themen Liebe, Trennung, Einsamkeit erzählen, ohne dabei in Banalität oder Kitsch abzugleiten.
Schnörkellos und unverfälscht könnte jede Nummer auch nur mit Stimme und Akustikgitarre funktionieren.
Überhaupt - die Stimme: Sonor und manchmal einen Hauch kratzig, verleiht sie dem Album ein ganz eigenes Gesicht, das die deutsche Rockszene wohltuend bereichert. Mit "Vollmond" oder "Droge" hätte Klau! dabei durchaus auch das Potenzial zum Radiohit, wenn sich denn die Sender mal auf eine Abwechslung zum nervenden Grönemeyer-Genöle, jammerigem Polarkreis 18 und beliebigem Luxuslärm einlassen würden.
Line-up:
Achim Klau (Gesang, Gitarre)
Thomas Ripphahn (Gitarren, Bass, Schlagzeug, Hammond, Klavier, Percussion, 2. Stimme, Omnichord)
Willy Wagner (Bass)
Simon Rauland (Schlagzeug)
Tracklist
01:Droge
02:Sucht
03:Lass mich los
04:Keine Zeit
05:Vollmond
06:Trotzdem
07:Wut im Bauch
08:Gegen den Wind
09:Schaden
10:Unsere Wege
11:Leichtes Ziel
12:Engel
13:Zuhause
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