Knucklebone Oscar / Welcome To Trash Vegas
Welcome To Trash Vegas Spielzeit: 27:51
Medium: CD
Label: Rookie Records, 2010
Stil: Rock'n'Roll, Rock

Review vom 10.12.2010


Wolfgang Giese
Die spinnen, die Finnen, ein fast schon geflügeltes Wort, das mir in Verbindung mit Musik bereits öfter über den Weg gelaufen ist.
Nun denn, Musik abseits des Mainstreams aus jenem Lande habe ich schon aus verschiedenen Musikrichtungen vernommen, so ganz falsch scheint der Satz nicht zu sein. Aber gerade darum gibt es so viel Musik von dortigen Künstlern, die mich wirklich begeistern kann, dergestalt, dass sie oft neue oder andere Perspektiven bietet.
Mit teils verwaschenem, mitunter übersteuert erscheinendem Klang brettert diese Breitseite Musik mit Wucht auf uns ein.
Dieser übersteuerte und kratzige Sound, das klingt wirklich so, als würden Anfänger am Werk sein und stolz darauf sein, ihre ersten eigenen musikalischen Ergüsse auf Tonträger gebannt zu haben; gleich so beginnt es mit dem ersten Titel. Aber bereits bei Track drei hat man sich daran gewöhnt, hier Musik voller Energie geboten zu bekommen, und wenn dann auf "Avenger" noch Surfelemente hinzukommen, dann rundet sich die Vielfalt angenehm abwechslungsreich ab.
Der Sänger lässt eine ganze Palette vom Stapel, von brüllendem Enthusiasmus à la Lemmy über Anklänge an Screamin' Jay Hawkins bleibt nichts aus. Dazu brettert die Band bisweilen mit enormem Druck. Auch hier gibt es viele Anklänge an die frühen Sechziger, als Gitarren mit Tamburinen um die Wette schepperten.
Ordentlich Slide ist dann natürlich auch noch dabei. Assoziationen zu den finnischen Kollegen Hurriganes sind nicht immer von der Hand zu weisen, mitunter spüre ich auch eine Nähe zu einer niederländischen Band der 80er, den New Adventures.
Also, kurz auf den Punkt gebracht: Eine wilde Mischung aus Rock'n'Roll, aus Punk, Surf, Blues und Rock, mit klarer Sixties-Ausrichtung, scheppernd in die Neuzeit verfrachtet. Neben überwiegenden Eigenkompositionen finden wir drei Cover, sie sind jeweils in der Titelangabe mit verzeichnet.
Mit einer Menge Hall versehen ist "Girl That Radiates That Charm" mit einem fast schon trällernden Gitarrensolo. Der Gitarrist als auch die übrigen Musiker beweisen, dass sie ihre Instrumente voll im Griff haben. Auch wenn es manchmal archaisch primitiv klingt, wie zum Beispiel ganz extrem auf "Rockin' The Joint" des an Little Richard erinnernden Kultmusikers Esquerita, hier als hämmernder Rock'n'Roll mit wildem Anstrich, das ist wie starkes Riechsalz für Ohnmächtige.
"Psycho Dad" atmet Voodoo-Zauber aus den Sümpfen Louisianas, als wäre CCR auf einem bösen Trip.
Die Hurriganes waren schon hart, hier wird noch einer draufgesetzt.
Rumpelnder Sound im Stil der Downliner's Sect und seinerzeit ähnlich angenehm schrägen Bands. Auch frühe scheppernde Kinks entdecke ich, sowie Einflüsse des amerikanischen Garagenpunks der Sechziger.
Das ist also die neue ungebändigte Kraft aus Finnland: Ein dichter Sound, der mit jedem Track neue Überraschungen und Einflüsse bereit hält. Man sollte darauf vorbereitet sein, bevor man sich darauf einlässt.
Daher meine gutgemeinte Warnung vor dieser absolut frisch aufspielenden Band, deren viertes Album dieses hier mittlerweile ist.
Nun gut, nach noch nicht einmal 30 Minuten Spielzeit hat man es 'überstanden', vielleicht ebenfalls eine Reminiszenz an 'die gute alte Zeit'?
Line-up:
Oskari Martimo (vocals, guitar)
Jarkko 'Big Mac' Viinamäki (guitar)
Janne Valppu (bass)
Niko Votkin (drums)
Tracklist
01:Knucklebone Preaches
02:Six-Sixtysix (Lucky Number)
03:Blood Trails
04:Avenger
05:The Girl Can't Dance (original Bunker Hill)
06:Girl That Radiates That Charm (original Arthur Alexander)
07:Circus Knucklebone
08:Rockin' The Joint (original Esquerita)
09:Psycho Dad
10:Sound Of The Wild Guitars
11:King Kong Hang Over
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