Das Besondere an musikalischen 'Projekten' ist ja meist, dass sie individuelle Interpreten mit ihren jeweiligen Fähigkeiten zusammenbringen, in einen Topf schmeißen, gut umrühren und als Ergebnis in einem Höhepunkt kulminieren, der oft irgendwie einzigartig ist und sich leider genauso oft nicht zur Institution entwickelt, sondern eher als singuläres Ereignis in der Erinnerung haften bleibt. Meist klappt es dann auch nicht mit einer zweiten CD, das alltägliche Geldverdienen geht vor, man trennt sich entweder offiziell wieder oder arbeitet einfach nicht an einem follow-up. Gern fallen im Zusammenhang mit dem Terminus Projekt auch schon mal Attribute wie 'Supergroup' o. ä. - ich denke da an
Chickenfoot oder
Living Loud
. Aber so hoch muss gar nicht immer angesetzt werden, denn auch eine Sprosse tiefer auf der Leiter der Bekanntheitsgrade gibt es fantastische Interpreten, die beim Konzertbesucher eine nachhaltige Erinnerung hinterlassen.

Ein solcher Höhepunkt der besonderen Art erwartete die Besucher der jüngsten Veranstaltung der Reihe "Blues meets Rock" im Talbahnhof von Eschweiler. Seit Jahren wird hier vor den Toren Aachens meist einmal pro Monat exquisite Live-Musik in fast familiärem Ambiente zu mehr als überschaubaren Konditionen geboten. Die Mitarbeit im Catering, an der Kasse und bei allem, was sonst noch dazugehört geschieht auf freiwilliger und ehrenamtlicher, also unentgeltlicher Basis - klingt bekannt, oder? In der Regel trifft man sich mit 80 - 100, können aber auch schon mal über 200 sein, anderen Musikbegeisterten vor einer angenehm niedrigen Bühne, meist montags oder dienstags (kann man eine Woche besser starten?), um dem Blues/Rock und den dazugehörigen Derivaten zu lauschen.

Mit einem Doppelkonzert der Extraklasse starteten nun die Veranstalter im neuen Jahr schon voll durch und präsentierten das
Kozmic Kaye Project. Für ein kurzes Gastspiel in Deutschland haben sich nach einer Session auf Mallorca wahrlich keine Unbekannten zusammengetan:
Jay Kaye, Sohn der bekannten Gitarristin und Grammy-Gewinnerin
Mary Kaye, Nachfahre der letzten Königin von Hawaii, in der Umgebung vieler berühmter Köpfe aus dem Musik-Biz aufgewachsen und selber schon mit der ein oder anderen Größe wie
Led Zeppelin und anderen auf Tour, mit seinen Bandkollegen
Brahm Heidl (b, voc) aus Deutschland und
Diego Ferral (dr) aus Argentinien sowie
Maggie MacInthun, Frontfrau von
Kozmic Blue nebst Begleitung und oft als Teil einer
Janis Joplin Coverband dargestellt, was der Sache bei weitem nicht gerecht wird. Leitet sich der Bandname zwar aus dem "Kozmic Blues" von
Janis ab, so gibt es doch für den Hörer viel Eigenes zu genießen.

Der Abend wurde eröffnet von einem überzeugenden und durchaus mitreißenden Blues Rock-Set der
Jay Kaye Band.
Kaye himself konnte man nur allzu deutlich anmerken, dass Spielfreude auf der Gitarre eine Herzensangelegenheit ist.
Heidl (Die
Heteros/
Schroeder, ehem.
Schroeder Roadshow) am Bass war ebenfalls große Klasse - liegt wohl auch hier in der Familie, denn sein Bruder ist u. a. ein hervorragender Saxofonspieler. Nach einer kurzen Pause wurde das Trio durch
Maggie und ihren Mann
Gerhard Sagemüller (u.a. auch ehem.
Schroeder Roadshow) an Gitarre, Schlagzeug und Tontechnik erweitert.

Es dauerte gefühlte zweieinhalb gesungene Töne und das Publikum war in ihrem Bann. Ihre stimmliche Bandbreite wurde irgendwann einmal vom Stöhnen über das Schreien, Wimmern, Röhren, Klagen, Kreischen bis zum Grölen propagiert - wahrlich eine Untertreibung! Ihre Interpretation von "Me and Bobby McGee" lag für das subjektive Empfinden qualitativ deutlich über dem der guten alten
Janis und auch im Quintett kam bei allen Musikern das pure Gefühl von Freude am gemeinsamen Spielen rüber.
Nach sicherlich deutlich über 2,5 Stunden Nettospielzeit ging für uns ein Abend von Led Zeppelin bis Janis Joplin aber auch viel, viel eigenen Stücken beider Bands zu Ende, der aber auch absolut jeden Besucher zu Begeisterungsäußerungen hinreißen ließ. Es wäre im Gegenzug mehr als wünschenswert, wenn sich das Kozmic Kaye Project nicht nur zu kurzen spontanen Stippvisiten hinreißen, sondern auch den Rest der Republik in den Genuss ihres Könnens kommen ließe. Vielleicht auch eine Live-Scheibe? Eine klitzekleine?
Erwähnte ich schon, dass ich total auf Projekte stehe…??